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Banken sind mit ihren Azubis in der Bringschuld

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Kommentar Von Till Hofmann
31.08.2019

Die Zahl angehender Bankkaufleute hat sich dramatisch nach unten entwickelt. Da ist eine Überprüfung, ob so viele Berufsschulstandorte in Bayern für diesen Berufszweig notwendig sind, nachvollziehbar.

Selbstverständlich ist es in Ordnung, wenn das Kultusministerium überprüfen lässt, ob die in den Berufsschulen vorgehaltenen Ressourcen überdimensioniert sind angesichts einer in den vergangenen Jahren dramatisch eingebrochenen Auszubildendenzahl im Bereich der Bankkaufmänner und -frauen. Es geht schließlich darum, dass Steuergelder sinnvoll und effizient eingesetzt werden.

Für eine Bank zu arbeiten, ist in jüngerer Vergangenheit augenscheinlich nicht mehr sehr sexy. So sieht es zumindest eine Reihe junger Leute. Das Wegbrechen von bayernweit einem Drittel Auszubildendenstellen in den vergangenen vier Jahren liegt in dieser Größenordnung jedenfalls nicht zuvörderst an Arbeitgeberplänen, deutlich weniger Nachwuchskräften eine Chance geben zu wollen.

Woher rührt also die Unattraktivität? Das liegt beispielsweise an einer Reihe von Finanzskandalen, die eine ganze Branche erschütterten. Vertrauen ist verschwunden wie ein scheues Reh. Eine pauschale Schuldzuschreibung ist ungerecht. Und doch hängt sie in den Köpfen der Menschen. Auch regionale Banken und Sparkassen müssen sich damit auseinandersetzen – ob sie wollen oder nicht.

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Das gesunkene Sozialprestige des Berufsstandes und die Unsicherheit, was der rasante digitale Wandel für die Welt der Geldgeschäfte bedeutet, erschweren es, Berufseinsteiger zu gewinnen. Und es sollen ja möglichst geeignete Bewerber sein, die es verstehen, mit Zahlen und – mindestens ebenso wichtig – mit Menschen ehrlich umzugehen. Um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen, taugt ein beruflicher Ausbildungsstandort vor der Haustür. Günzburg dürfte im schwaben- und bayernweiten Vergleich keine schlechten Karten besitzen; zum Beispiel, weil es in der Regel gelingt, hier zwei Eingangsklassen zu bilden.

Dass die Banken in der Bringschuld sind, wissen sie. Mit immer weniger Auszubildenden kann die Forderung nach einem Erhalt aller Berufsschulstandorte für Bankkaufleute in Bayern nur schlecht abgeleitet werden. Günzburg will seinen Beitrag dazu leisten, den Nachwuchs auszubilden.

Das auch gegenüber der Politik zu dokumentieren, dazu besteht bald Gelegenheit: Der Bezirksobmann der schwäbischen Sparkassen, Thomas Munding, wird am 25. September der Regierung von Schwaben vorlegen, in welcher Größenordnung die Sparkassen der Region in den kommenden drei Jahren ausbilden. Der Vertreter der Genossenschaftsbanken dürfte es ähnlich handhaben. Das soll ein Versprechen gegenüber der Politik sein. Und wenn letztlich auf eine Bestandszusage gehofft wird, darf das Versprechen der Banken kein leeres sein.

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