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14.06.2009

Bayern in 118 Tagen umrundet

Landkreis/Leipheim Gut Ding will Weile haben. So sagte sich Udo Heinrich aus Marktredwitz, als er 1977 zusammen mit Ehefrau und zwei solidarisch gesinnten Ehepaaren in Kötzting (Bayerischer Wald) die Wanderstiefel schnürte, um auf Schusters Rappen, streng dem Grenzverlauf folgend, das Land der Bayern zu umrunden.

Als das Ziel dann erreicht war, hatte man neben Hornhaut an den Füßen auch satte 32 Jahre mehr, wie man so schön sagt, auf dem Buckel. Immerhin waren es 2220 Kilometer, 118 Lauftage, 107 Übernachtungen, 38 000 Euro Gesamtkosten und mehr als die Hälfte des bisherigen Lebens, die man auf der Strecke gelassen hatte.

Akribisch wurde die jährliche Etappe von etwa 80 Kilometern eingehalten, im Wechsel einmal rechts, einmal links ein Stück um Bayern herummarschierend. Zweimal allerdings gab es einen Aussetzer. Der erste bedingt durch Zeckenbiss mit nachfolgender Herzmuskelentzündung, der zweite hatte so etwas wie Sammlerwert: Eine der Damen wurde beim kühlenden Bad in einem See von einem unfreundlichen Fisch in den Fuß gebissen. Die verursachte Wunde erforderte Krankenhausbehandlung und mehrwöchige Rekonvaleszenz. Doch die Rache folgte. Es wurde zurückgebissen. Ein lecker zubereiteter Zander musste es büßen.

Aber, auch die längsten Wanderjahre finden mal ihr Ende. Jetzt war es so weit: Die letzte Teilstrecke Nördlingen-Leipheim wurde zurückgelegt, der letzte Lauftag angegangen, die letzte Übernachtung gebucht. Im Leipheimer Hotel "Zur Post" hatte Gastronom Rüdiger Greb bereits den Abschiedstrunk kühl gestellt, als das Sextett eintraf.

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Psycho-Wellness in Reinkultur

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stieß man auf das Zurückliegende an, auf die gemeinsame Zeit, die, so Udo Heinrich, sie trotz steigender Beschwernisse in zunehmendem Alter zusammengeschweißt habe. "Psycho-Wellness in Reinkultur", charakterisiert es der Mentor und Anstifter des Unternehmens. Natürlich gab es schon mal Tränen, wenn es allzu heftig unter den Sohlen brannte, bekennt er. Doch der Schmerz ließ schnell nach, "wenn alle solidarisch mitweinten".

Organisatorische Schwierigkeiten hatte man kaum, denn "wir waren keine Etappenritter, wir wollten etwas sehen und erleben". Wie zum Beispiel im völlig ausgebuchten Frankfurt, an jenem Tag, als die Welt den Atem anhielt, am 11. September 2001. Hohe Regierungsvertreter hatten, aus verständlichem Grund, ihren Ausstellungsbesuch in der Mainmetropole kurzfristig abgesagt. Glück für sechs wandernde Bayern-Umrunder. Sie konnten ihre müden Häupter auf feudale Kissen betten. Dafür wurde ihnen dann andernorts "wegen nur einmaliger Übernachtung" jegliche Gastlichkeit schnöde versagt.

Heinrich hat - schließlich ist er Beamter - alles Berichtenswerte genauestens dokumentiert. 300 Seiten sind daraus geworden. Ein richtiges Buch, das er in einer Auflage von genau sechs Exemplaren, nur für ihn und seine Mitwanderer, herausbringen wird.

Und nun? Alles vorbei? Nicht für Udo Heinrich. Er befindet sich bereits auf einem weiteren Trip, auf dem äußersten Rand rings um Deutschland. Bis an die Ostsee, nach Greifswald, hat es der 60-Jährige im gewollten Alleingang bereits geschafft. Wann, und vor allem - er lächelt nachdenklich - ob er das Ziel erreiche? Wer weiß. Die Antwort auf diese Frage stehe, meint er, so oder so, hoch über den Sternen.

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