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Landkreis Günzburg

16.04.2019

Bedrückende Geschichte im Scheppacher Forst

Eine Kiste, die Schicksale offenbart: Maximilan Czysz (rechts) mit Lesern der GZ auf einer bedrückenden Tour in die Vergangenheit.
Bild: Till Hofmann

Leser unserer Zeitung spüren während einer Exklusiv-Führung auf dem Gelände des einstigen Waldwerks Kuno einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte nach.

Wer noch vor wenigen Monaten einen Waldspaziergang im Scheppacher Forst unternommen hat, der mag sich gewundert haben über manches Loch, das sich da in der Nähe der unübersehbaren Windräder auftut. Und über betonierte Einfriedungen, die die äußere Hülle und die Dimension – ja von was? – andeuten. Spätestens seit Herbst des vergangenen Jahres muss nicht mehr gerätselt werden. Der vier Kilometer lange Spaziergang führt hinein in ein letztes Aufbäumen von Nazi-Deutschland, das versteckt von feindlichen Bombern, im Wald bei Jettingen-Scheppach den Düsenjäger Me 262 herstellen ließ. Bombenangriffe auf die Messerschmitt-Werke in Augsburg-Haunstetten im Februar 1944 waren der Auslöser für den Umzug.

Und es ist ein Spaziergang in das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte im vergangenen Jahrhundert. Denn in jenem „Waldwerk Kuno“, legten Zwangsarbeiter unter kaum vorstellbaren Bedingungen Hand an und bauten Flugzeugteile zusammen, aus denen die „Wunderwaffe aus dem Wald“ entstand. Auch Frauen aus den Konzentrationslagern Ravensbrück und Bergen-Belsen wurden in Eisenbahnwaggons herangekarrt – ungefähr zwei Wochen zusammengepfercht wie Vieh. Die wenigsten von ihnen haben diese Transporte überlebt und waren noch arbeitsfähig.

Kisten offenbaren, worum es vor rund 75 Jahren ging

Große und kleine Tafeln und vier Kisten, die aufgeklappt einen Gegenstand offenbaren und ein bestimmtes Thema des Waldwerks behandeln, zeigt der von den Staatsforsten angelegte Gedenkweg.

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Noch authentischer, noch plastischer, noch bedrückender kann das eine Person vermitteln, die am Sonntag zwei Stunden Leserinnen und Leser der Günzburger Zeitung exklusiv an dieser Reise hat teilnehmen lassen: Der Journalist Maximilian Czysz hat jahrelang über dieses geheime Arbeitslager recherchiert und eine lange verschwiegene und verdrängte Geschichte ans Tageslicht geholt. Er hat sich durch die intensive Beschäftigung mit diesem Thema eine persönliche Botschaft geformt: Zwar sei nicht alles perfekt in Deutschland. Aber „die Freiheit, den Wohlstand, die Demokratie, die wir haben, sollten ganz einfach wertgeschätzt werden“, sagt er, nachdem er das Gelände mit den GZ-Lesern erkundet hat.

Der 28-jährige Krankenpfleger Fabian Lang aus Konzenberg ist beeindruckt: „Alleine wäre ich wohl nicht hergekommen. Das ist wirklich gut aufgearbeitet. Und eine fachkundige Führung verleiht noch mehr Qualität.“

Der Weg So gelangt man zum früheren Waldwerk Kuno: In der Scheppacher Poststraße aus dem Ort fahren, auf dem Feldweg unter der A 8-Unterführung nach rechts und entlang der Autobahn zwei Kilometer zum Parkplatz - dem Ausgangspunkt des Rundwegs.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema: Die Wegweisung zum Waldwerk Kuno ist ein Witz

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