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19.07.2010

Beistand in Akutsituationen

Landkreis Das Familiendrama in Remshart hat auch das Kriseninterventionsteam (Kit) des Bayerischen Roten Kreuzes auf den Plan gerufen. Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter betreuten die Angehörigen der beiden Familien bis 22.30 Uhr, berichtete Leiterin Andrea Berchtold.

Das Kit gibt es seit vier Jahren im Landkreis. Derzeit gehören ihm 17 Frauen und zwei Männer an. Hauptaufgabe ist es, Menschen in Akutsituationen beizustehen, zum Beispiel, wenn es darum geht, Hinterbliebenen eine Todesnachricht zu überbringen. "Die Helfer leisten eine sehr gute, wertvolle und unverzichtbare Arbeit", lobt der Leiter der Kripo Neu-Ulm, Jürgen Schweizer aus Günzburg.

Das Kriseninterventionsteam ist täglich 24 Stunden bereit. Alarmiert wird es von der Rettungsleitstelle Krumbach. "Anfordern kann uns jeder", sagt Berchtold, die aus Hochwang stammt. Die Kräfte arbeiten rein ehrenamtlich. "Wir bekommen von einigen großen Firmen Spenden. Auch die Angehörigen, die wir betreut haben, lassen uns hie und da einen Geldbetrag zukommen. So finanzieren wir unseren Aufwand", so die Leiterin.

Keine Zeit zum Feiern

Beistand in Akutsituationen

Die Kit-Mitarbeiter werden in ihrer Freizeit ausgebildet - vor allem am Wochenende. Jeder Einzelne bekommt eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung, einen Kurs im Sanitätsdienst sowie eine psychologische Ausbildung. Damit nicht genug: Zusätzliche Fort- und Weiterbildungen schließen sich an. "Wir sind eigentlich immer unter Fortbildung", so Andrea Berchtold.

Vor einem Monat wollte das Kit sein vierjähriges Bestehen feiern. Aber dazu kam es nicht. Seitdem jagt ein Einsatz den anderen. Im Juni wurde das Kit 15-mal verständigt. Dabei betreute es 54 Personen. Vorausgegangen waren jeweils schwere Unfälle oder Suizide.

"Im Juli sind es bis jetzt 18 Einsätze", teilte die Leiterin gestern Abend mit. Besonders "arbeitsreich" waren die vergangenen Tage:

l Am letzten Mittwoch mussten die Angehörigen einer vermissten Person im Holzwinkel betreut werden, während die Feuerwehren aus Glöttweng, Burgau, Landensberg, Roßhaupten und Röfingen sie suchten. Glücklicherweise tauchte der Vermisste von selber wieder auf.

l Am Donnerstagmorgen kümmerte sich das Kit um einen Mann, dessen Frau im ICE reanimiert werden musste. Später betreute das Team die Ersthelfer des Badeunfalls am Silbersee (wir berichteten). Am Abend folgte ein Suizid auf der Bahnstrecke zwischen Offingen und Mindelaltheim, worauf das Kit die Hinterbliebenen aufsuchte.

l Am frühen Freitagmorgen war das Kit nach einem Brand einer Lagerhalle in Oxenbronn gefragt.

l Am Samstag musste dann den Familien nach dem tödlichen Drama in Remshart beigestanden werden. "Wir dürfen und wollen uns nicht über unsere Arbeit im Detail äußern. Wir versuchen hier zu vermitteln, weil es für alle Betroffenen sehr schwer ist", so Berchtold.

Auch wenn das Kit viel unterwegs ist, die Fälle schwierig sind und der Zeitaufwand enorm ist, machen die Kräfte die Arbeit gerne. "Man sieht, wie wichtig der Dienst ist", so die Leiterin. (alk)

Wer Interesse hat, beim Kit mitzuarbeiten, soll sich beim BRK in Günzburg melden. Telefon: (08221) 36 040.

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