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Corona

19.03.2020

Beschwerde über Kötzer Alois-Kober-Grundschule

Die Alois-Kober-Grundschule in der Gemeinde Kötz.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus In einem Brief wird das Prozedere der Lernmaterialversorgung scharf kritisiert. Es werde nicht auf die Sicherheit in Zeiten von Corona geachtet.

Ein geregelter Unterricht, wie ihn Lehrer, Schüler und Eltern gewöhnt sind, ist derzeit nicht möglich. Deshalb versuchen die Schulen, auf anderen Wegen Lernmaterial zur Verfügung zu stellen. Die Alois-Kober-Grundschule in Kötz hatte dafür auch eine Materialausgabe von 10 bis 12 Uhr eingerichtet, die persönlich besetzt war oder über eine Kiste am Eingang bestand. Auch erledigte Aufgaben konnten so abgegeben werden. Die Eltern wurden „dringend“ gebeten, das Angebot noch diese Woche zu nutzen, „da wir aufgrund der momentanen Entwicklung nicht wissen, ob die nächsten Wochen weiterhin Material auf diesem Weg verteilt werden kann“, heißt es in einem Schreiben. Auch wurde mitgeteilt, wann Lehrkräfte persönlich zu sprechen sind.

Dazu ist jetzt aber eine Beschwerde beim Landratsamt eingegangen, die unserer Zeitung in Kopie geschickt wurde. Sie ist anonym. Darin wird kritisiert, dass die Schulleitung „offenbar billigend in Kauf nimmt, dass sich dabei Eltern zwangsweise in der Schule treffen werden“. Auch persönliche Kontakte mit Lehrern würden so forciert. „Im Interesse des allgemeinen vorsorgenden Schutzes der Gesundheit unserer Bürger und deren Kinder fordere ich Sie daher als zuständige Aufsichtsbehörde dazu auf, dieses Schreiben als Aufsichtsbeschwerde zu bearbeiten und ggf. disziplinarische Schritte gegen die verantwortlichen Stellen einzuleiten“, heißt es in dem Brief. „Außerdem fordere ich Sie dringend auf, unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um diese Vorgehensweise an der Grundschule Kötz zu unterbinden.“

Schulamts-Direktor: Die einzige Schule, "wo ich nachjustieren musste"

Der Direktor des zuständigen Staatlichen Schulamts in Krumbach, Thomas Schulze, erklärt auf Anfrage unserer Zeitung zu diesem Fall, dass das verordnete Betretungsverbot für Schulen nur für Schüler gelte – nicht für Lehrer und Eltern. Nichtsdestotrotz sei es natürlich „das Gebot der Stunde“, Sozialkontakte auf das dringend Erforderliche zu begrenzen. Er habe daher die Schulleiterin angewiesen, das Prozedere zu ändern. Sie werde nun die Eltern schriftlich informieren, dass Material per Mail oder Post versandt wird, wenngleich sie ein persönliches Abholen nicht verbieten könne.

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Ab nächster Woche werde noch ein festzulegender zusätzlicher Weg angeboten. Sie sei bestimmt nicht die einzige, die so versucht habe, Kindern Lernmaterial zur Verfügung zu stellen, aber es sei die erste und bislang einzige Beschwerde über eine Regelung. Es sei auch die einzige Schule, „wo ich nachjustieren musste“. Sonst habe man überall praktikable, wenngleich nicht perfekte Lösungen gefunden, die von den Eltern akzeptiert würden. Auf Basis der Allgemeinverfügungen bestehe „keinerlei Anlass für disziplinarische Schritte“, wie sie im Brief gefordert sind.

Schulleiterin: Manche Eltern haben keinen Drucker

Schulleiterin Andrea Rebmann selbst sagt, dass sie keinen Anlass für die Beschwerde sehe, sie befinde sich auf dem Boden der gesetzlichen Grundlage, nach der eben nur Schüler das Gebäude nicht betreten dürften. Lehrern und Eltern sei das erlaubt, Schuleinschreibungen fänden ja auch noch statt. Diese seien genauso wenig ein Problem wie persönliche Gespräche, wenn die Sicherheitsabstände eingehalten würden – was der Fall sei. Ansonsten werde das Material vorsorglich über ein Fenster ausgegeben, die Eltern seien auch sehr vernünftig und achteten darauf, dass man nicht miteinander in Berührung komme.

Die Situation sei für alle neu, die Digitalisierung im Bildungsbereich sei noch nicht soweit, wie sie für diesen Fall sein sollte. Die Schule habe beispielsweise noch nicht alle Mail-Adressen der Eltern, diese verfügten wiederum nicht alle über Drucker. Wer bislang gezweifelt habe, wie sinnvoll die Digitalisierung sei, könne das jetzt sehen. Denn dadurch könne das Leben, wenn auch mit Einschränkungen, weitergehen. Ihr Bestreben sei es, die Unterrichtsversorgung zu sichern. Und sie ist zuversichtlich, dass dies ab Montag dann komplett per Mail möglich sei.

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