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Ehrenamt im Sport

05.11.2020

Bettina Schulz aus Burgau erhält den Innovationspreis des BLSV

Das Zauberwort heißt Vernetzen: Abteilungsleiterin Bettina Schulz (links) hat die Tennis-Familie im TSV Burgau innerhalb kurzer Zeit zusammengeschweißt und zur Boom-Sparte umgewandelt. Kassiererin Kristin Ruf (rechts) schlug sie nun zusammen mit Jugendwartin Evi Knauer für den BLSV-Ehrenamtspreis in der Kategorie Innovation vor. Mit Erfolg.
Bild: Ernst Mayer

Plus Ihr Kopf steckt voller Ideen und ihr Herz schlägt für Tennis: Eine Wiedereinsteigerin löst beim TSV Burgau einen Boom aus und beeindruckt die Juroren.

Das wahre Herz eines Sportvereins schlägt meistens im Verborgenen. Bei jenen Ehrenamtlichen, die sich aufopfern, Ideen produzieren, lose Enden verbinden, Führungsqualität beweisen, andere Mitglieder für die Sache begeistern und doch meistens unbekannt bleiben, weil sie selbst viel zu bescheiden sind, um sich in den Vordergrund zu drängen. Bettina Schulz ist so eine, die viel tut und wenig darüber redet. Als Tennis-Abteilungsleiterin hat sie beim TSV Burgau einen Boom ausgelöst. Dafür erhält sie nun den Ehrenamtspreis des Bayerischen Landessportverbands (BLSV).

Wie gut, dass die Tennis-Abteilungsleiterin des TSV Burgau Weggefährtinnen besitzt, die ihr Wirken nicht als historischen Zufall oder als Selbstverständlichkeit beurteilen. Weil sie die zurückhaltende Art der 41-Jährigen richtig einschätzten, haben Jugendwartin Evi Knauer und Kassiererin Kristin Ruf ihre Spartenchefin ohne deren Wissen für den Ehrenamtspreis des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) in der Kategorie Innovation vorgeschlagen.

Und trafen damit ins Schwarze. Die Juroren zeigten sich äußerst beeindruckt von der schnellen Wiederauferstehung der Burgauer Tennis-Familie, die Schulz vor nicht einmal zwei Jahren angestoßen und seither maßgeblich gestaltet hat. Sie sprachen der Tennis-Chefin im TSV Burgau Ende Oktober 2020 diese bayernweit nur einmal jährlich verliehene Auszeichnung zu und zauberten Schulz damit ein Dauerlächeln ins Gesicht, das nun bereits ein paar Tage anhält. Auf ihre Gefühle angesprochen sagt die 41-Jährige entsprechend gelöst: „Ich freue mich unfassbar über diesen Preis. Das zeigt, dass die ganze Hintergrund-Arbeit, die man reinsteckt, gesehen wird.“

Hineingeboren in den Becker-Boom

Schulz wurde praktisch in den Becker-Boom hineingeboren, fing als Fünfjährige beim TSV Burgau mit dem Tennisspielen an und hörte als 16-Jährige damit auf. Später war sie dann mal weg und kehrte irgendwann zurück. Studium, Beruf, Familie; ein Leben in Deutschland. Zum Tennis fand sie erst wieder, als ihre Tochter 2018 zum Schläger griff. „Schlagartig hat’s mich wieder gepackt“, erinnert sich die Forstingenieurin und Marketing-Expertin. Als einschneidend sollte sich schließlich ein Negativ-Erlebnis herausstellen. „Ich bin 2018 zur Mitgliederversammlung gegangen. Da saßen hier am Tisch fünf Leute von der Abteilungsleitung, dazu noch ein anderer und ich. Damals bin ich nach 35 Minuten vom Parkplatz gefahren und habe mich gefragt: Was ist mit diesem Verein passiert?“

Ursachen des Niedergangs erkannt

Ihre Analyse ergab, dass viele Burgauer wenig oder gar nichts über die seit 1935 bestehende Tennis-Abteilung im TSV wussten. Zudem erkannte Schulz Ursachen des Niedergangs, die in vielen Vereinen festzustellen sind: Das Gefühl der Zusammengehörigkeit geht verloren, jeder hat viel zu tun, das Freizeitangebot wird immer vielfältiger. Zu Jahresbeginn 2019 zählte die Abteilung gerade noch 126 Mitglieder. In Glanzzeiten waren es weit mehr als 300 gewesen.

„Das geht doch nicht“, dachte die Wiedereinsteigerin bei sich. Statt ernüchtert mit den Achseln zu zucken, wandelte sie diesen Satz jedoch augenblicklich in ein „Da muss man was tun“. Und Schulz, die sich selbst als „Projekte-Mensch“ einschätzt, legte los. Zunächst als stellvertretende Spartenleiterin machte sie sich vor gut eineinhalb Jahren auf, den Laden umzukrempeln. Für die ganz kleinen Spieler führte der TSV Burgau das Talentino-Programm ein; die aktuelle Ballschule ist mit 25 Kindern ausgebucht. Für die Erwachsenen belebte Schulz ein Format, in dem jedem Einzelspieler ein Partner zugeteilt wird.

Wichtig ist, dass sich Mitglieder vernetzen

Ganz wichtig ist Schulz, dass sich die Mitglieder vernetzen. Es gibt eine neue, hübsch gestaltete Homepage, eine WhatsApp-Gruppe und einen monatlichen Stammtisch. Interne Sportveranstaltungen und gesellschaftliche Treffen werden großartig angenommen. Als Ruf zusammen mit Knauer die Bewerbung für den BLSV-Ehrenamtspreis gestaltete, fiel ihr erst so richtig auf, dass Schulz „jede Woche mit einer neuen Idee um die Ecke kommt. Und alles ist wirklich innovativ.“

Die kreative Schaffenskraft und das Herzblut, das die Tennis-Chefin in die Sache investiert, wirken auf jeden Fall ansteckend. Die Mitgliederzahl entwickelte sich über 174 zu Jahresbeginn 2020 auf derzeit 220 – ein Riesenerfolg in einer Zeit ohne speziellen Promi-Faktor.

Schnupperpaket bringt 25 neue Mitglieder

Ein bisschen wurde die positive Entwicklung auch von äußeren Ereignissen begünstigt. Als vor einem Jahr der Donautal-Radelspaß seine Teilnehmer direkt an ihrer Anlage vorbei führte, flankierten die Burgauer Tennisspieler das Großereignis mit einem eigenen Projekt. Und als Corona kam, nutzte der Verein konsequent die Chance, sich in der Krise als kontaktarme Sportart zu präsentieren. Für Seiteneinsteiger gab es im Mai ein Schnupperpaket zum günstigen Preis; es brachte 25 neue Mitglieder, die im TSV geblieben sind. Auch derzeit bietet der Verein seinen Spielern die Möglichkeit, sich zu bewegen.

Hallen-Boden wird ausgetauscht

In die Infrastruktur haben die Burgauer ebenfalls investiert: Im Sommer wurde der 27 Jahre alte Hallen-Boden ausgetauscht. Werbewirksam ist zudem, dass der TSV in Milan Bayerl einen anerkannt guten Tennis-Trainer unter seinem Dach weiß. Schließlich verdanken die Burgauer der Überzeugungskraft ihrer Abteilungsleiterin, dass sie als einer von nur zwei Vereinen im Freistaat das vom Bayerischen Tennis-Verband (BTV) angebotene Clubcoaching erhalten. Ein ganzes Jahr lang werden sie nun von Spezialisten aus dem Landesverband intensiv betreut und begleitet.

Ihren eigenen Beitrag zu all diesen Entwicklungen redet die Abteilungsleiterin gerne klein. Immerhin sagt sie im Rückblick: „Hier lief wenig und dann kam ich mit einem Kopf voller Ideen.“ Ruf ist das zu wenig. Sie bekräftigt: „Ohne Schulz wäre unserem schönen Tennisverein schon längst die Luft ausgegangen.“

Bettina Schulz: "Habe noch viele Pläne"

Die Angesprochene spielt den Ball elegant zurück. Die 41-Jährige sieht ihre Arbeit und die Entwicklung der Sparte erst am Beginn des Weges. „Ich habe noch viele Pläne“, versichert sie. Als ein Hauptziel definiert die Abteilungsleiterin, wieder einen Gastronomen ins Tennisheim zu bekommen. Was dem TSV bislang ebenfalls fehlt, sind ein Kleinfeld für Kinder und eine Ballwand.

Allein wird Bettina Schulz diese und zahlreiche weitere Projekte vermutlich nicht stemmen. Umso dankbarer ist sie für alle, die tatkräftig mitziehen. „Ja, es ist Arbeit, manche hier haben viel zu tun. Aber ohne das würde es nicht funktionieren“, sagt sie.

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