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Schießen

09.03.2020

Bezirksschützentag: Viel Glanz, ehrliche Worte und mulmige Gefühle

Lautstark Salut schossen die Böllerschützen aus der Region vor der Burggrafenhalle. In Burtenbach fand der 70. Bezirksschützentag statt. Erstmals hatte der Schützengau Burgau die Gastgeber-Rolle übernommen.
Bild: Sandra Kraus

Coronavirus, Schützenjugend und Mitgliederschwund legen Schatten auf das schönste Fest der Schützen.

Schützenfunktionäre, Fahnenabordnungen und Schützenkönige aus ganz Schwaben, vom Ries bis zum Bodensee und vom Lech bis zur Iller, haben sich in Burtenbach zum 70. Schwäbischen Schützentag getroffen. Der Gau Burgau, mit 1627 Mitgliedern der kleinste unter den 22 schwäbischen Gauen, war zum ersten Mal Gastgeber.

Traditionell schon am Samstag traf sich der Bezirksvorstand zu einer Sitzung. Ein für die Sportschützen beruhigender Beschluss wurde dort gefasst. Präsident Karl Schnell sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass im Falle einer Absage der Schwäbischen Meisterschaft infolge des Corona-Virus kein Sportler um seinen Startplatz bei der Bayerischen Meisterschaft bangen muss. „Wir melden dann aufgrund des Ergebnisses der Gaumeisterschaft“, so Schnell.

Eine Absage des Schwäbischen Schützentags sei vom Präsidium zu keiner Zeit in Erwägung gezogen worden. Man setze darauf, dass Erkrankte oder Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten daheimblieben. Zusätzlich standen zwei Damen an der Eingangstür und sprühten Desinfektionsspray auf die Hände. Plakate zeigten an, dass Händeschütteln verboten sei. Ansonsten herrschte Normalität und die bei Schützen gewohnte Herzlichkeit.

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Schützenscheibe mit Blasrohr herausgeschossen

Über mehr Prominenz aus Schützenwesen und Politik als je zuvor freute sich der Schützenverein Scheppach beim Kameradschaftsabend am Samstag. Neben gutem Essen und schwäbischen Versen des Burgauer Ritterpoeten Dentatus vom Eichberg wurde mit dem Blasrohr eine Schützenscheibe herausgeschossen. Gewonnen hat sie Helmut Konrad, Gauschützenmeister des Gaues Krumbach, aufgehängt wird sie bei den Schützen in Burtenbach.

Ein gemeinsamer Kirchgang ist gute Tradition beim schwäbischen Schützentag. In der Johanneskirche in Burtenbach predigte Pfarrer Norbert W. Riemer.
Bild: Sandra Kraus

Dort fand in der Burggrafenhalle (und damit genau über dem Burtenbacher Schützenheim) der Schützentag statt. Er begann Sonntagfrüh mit einem Kirchzug zur Johanneskirche, wo Pfarrer Norbert W. Riemer von der Kanzel herunter von seiner vergeblichen Suche nach einer Bibelstelle berichtete. Zwar werde dann und wann in der Bibel mit Pfeil und Bogen geschossen, aber nicht im Sinne der Schützenvereine. Doch da die Schützengesellschaften ihren Ursprung als mittelalterliche Wehr- und Schutzgemeinschaft hätten, wüsste die Bibel doch viel im Sinne von „Gottes gutem Wort als Schutz und Schild“.

Dreifacher Salut der Böllerschützen

Angeführt vom Musikverein Burtenbach ging es mit Marschmusik und Applaus von einigen wenigen Anwohnern zurück zur Burggrafenhalle. Ein dreifacher Salut der Böllerschützen aus der Region, ein schwungvoller Fahnen- und Standarteneinmarsch mit Abordnungen und Schützenkönigen ließ die viel gelobte und von allen geschätzte Schützentradition aufleben.

Der Schützentag bewahrte den Glanz und ehrte seine Macherinnen und Macher, legte aber auch Versäumnisse offen. Deutschlands Vize-Schützenpräsident Gerhard Furnier bekannte etwa ganz offen: „Mir ist es mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio etwas mulmig. Wir haben zu wenig Quoten- und damit Startplätze. Es muss mehr fachliche Jugendarbeit betrieben werden.“

Furnier ist sich sicher, dass es durchaus Jugendliche gibt, die bereit wären, Leistung zu bringen. Ein Schritt in diese Richtung ist das neue Talentförderzentrum, das in Balzhausen eingerichtet wird. Zweimal im Monat treffen sich dort künftig ambitionierte Talente mit Landestrainern und Europameister Maximilian Dallinger als Pate des Zentrums. „Da sollen Anfänger kommen. Und es ist keine Konkurrenz zu den Gau- und Bezirksstützpunkten“, stellte Jan-Erik Aeply, Sportdirektor des Bayerischen Sportschützenbundes, klar.

Minus bei den Mitgliedern

Einen weiteren Sorgenpunkt sprach Schwabens Schützenpräsident Karl Schnell an: „Wir haben bei den Mitgliedern wieder ein Minus zu verkraften. Am 31. Dezember 2019 waren es 96293 Mitglieder, 556 weniger als im Vorjahr. 17 Gaue haben minus gemacht.“ Die drei Gaue im Landkreis Günzburg gehören zu ihnen (Gau Burgau -68, Gau Günzburg -23, Gau Krumbach -231 Mitglieder), wobei in Krumbach der Schützenverein Unterwiesenbach und in Burgau der Schützenverein Schöneberg aus dem Gau ausgetreten sind.

Rein ideeller Art und trotzdem wichtig sind die Ehrungen, die am Schwäbischen Schützentag ausgesprochen werden. Aus den drei Landkreis-Gauen wurden geehrt Franz Bonk, stellvertretender Gauschützenmeister Krumbach mit dem Ehrenkreuz des Deutschen Schützenbundes in Silber Stufe II und Erwin Stöffel, stellvertretender Gauschützenmeister Gau Burgau mit dem Großen Ehrenzeichen des Bayerischen Sportschützenbundes in Silber.

Große Ehrennadel verliehen

Über die Große Ehrennadel des Bayerischen Sportschützenbundes freuten sich Anton Glas, Gau-Ehrungsreferent Burgau, Margot Schenkel, Gauschatzmeisterin Burgau, Karl-Heinz Schmidt, Gau-Organisator Zeltlager Burgau, Leonhard Seibold, Gau-Rundenwettkampfleiter Burgau, und Christian Tillmann, Gaujugendleiter Günzburg. Für seine Arbeit als schwäbischer Vizepräsident erhielt Wolfgang Majewski die Goldene Verdienstnadel des Deutschen Schützenbundes.

Über 1000 Euro aus der schwäbischen Schützenkasse freute sich der Schützenverein Waldkirch. Das Geld ist nötig für die Bundesliga-Heimkämpfe.
Bild: Sandra Kraus

Ganz unaufgeregt managte Majewski mit seinem Organisationsteam diese zweitägige Großveranstaltung. Seine Einschätzung: „Ich sitze oben auf der Bühne im Präsidium und kann eh nicht eingreifen. Das läuft schon.“ Ein großer Schlussapplaus war ihm und seinen Helfern sicher.

Nächstes Jahr trifft sich die schwäbische Schützenfamilie zum Schützentag in Nördlingen.

Wo stehen die Schützenvereine? Brauchen wir ein schärferes Waffenrecht?

Karl Schnell, Präsident des Schützenbezirks Schwaben, sagt ganz klar Nein. Man habe das schärfste Waffengesetz der Welt. Auf die Gesinnung und Motivation der Mitglieder werde geachtet, ist sich Schnell, der seit 1979 bei den Schützen ein Amt hat, sicher. Landesschützenmeister Christian Kühn sagte zur Gräueltat von Hanau: „Das war kein Sportschütze, sondern ein psychisch gestörter Rechtsradikaler.“ Kühn erklärte das neue, ab Februar gültige Waffengesetz zum Thema Bedürfnis für scharfe Waffen: „Im ersten und zweiten Jahr nach Genehmigung muss einmal pro Quartal oder sechsmal im Jahr trainiert oder ein Wettkampf geschossen werden. Nach fünf Jahren und nach zehn Jahren müssen diese Zahlen noch einmal erfüllt werden.“

Landrat Hubert Hafner wertete das Engagement der „Schützenhilfe gegen Rechtsextremismus – bunt statt braun“, das ausgedruckt auf allen Tischen auslag, als sehr wertvoll. „Schütze zu sein bedeutet, sich zu jeder Zeit zu unserem freiheitlichen Staat zu bekennen. Den Schützen muss klar sein, dass die Waffe einzig und allein dem Sport dient. Schützenvereine sind Orte voll von integrativer Kraft.“

Schützen leisten große Dienste an der Gesellschaft

Bayerns Verkehrsminister a. D. Hans Reichhart meinte: „Es steckt mehr als Sport dahinter, bei den Schützen geht es um ein Miteinander. Sie leisten große Dienste an dieser Gesellschaft.“ Landtagsabgeordneter Maximilian Deisenhofer ist sich sicher: „Tradition, Gemeinschaft und die Freude am Sport sind der Klebstoff, der sie alle in dieser sich so rasant verändernden Welt miteinander verbindet.“

Pfarrer Norbert W. Riemer sagte in seiner Predigt: „Die Werte der Schützen sind Tradition und Brauchtum, Zusammenarbeit und Gemeinschaft stiften, das Ziel kennen und mit der nötigen Vorsicht agieren.“ Hans Reichhart, Bürgermeister in Jettingen-Scheppach, äußerte sich beim Kameradschaftsabend: „Bei all den schlimmen Ereignissen ist der zweite Satz oft, es war ein Sportschütze. In dieses Licht gehören der Schießsport und seine Vereine nicht!“ Burtenbachs Bürgermeister Roland Kempfle war sich sicher: „Der Versammlungsort ist treffend gewählt. Jeder Ortsteil hat einen Schützenverein, Burtenbach, Kemnat und Oberwaldbach. Das ist gut so.“


Eine Bildergalerie finden Sie hier

Schwabens Schützenfamilie war im Gau Burgau zu Gast. Fahnen, Schützenkönige und Geehrte standen im Mittelpunkt.
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70. Schwäbischer Schützentag in Burtenbach
Bild: Sandra Kraus
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