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Für rechtes Medium gearbeitet

18.01.2012

Bischof verbietet Ichenhausens Stadtpfarrer das Schreiben

„Er ist aufgefordert worden, dort nicht mehr zu publizieren.“Markus Kremser, Sprecher des Bischofs, über Oblingers Tätigkeit für die Junge Freiheit.
Bild: Weizenegger

Ichenhausens Stadtpfarrer Georg Alois Oblinger schrieb jahrelang für eine Wochenzeitung, die als „Leitmedium der Neuen Rechten“ gilt. Nun hat sich der Bischof eingeschaltet.

Die publizistische Tätigkeit des Ichenhauser Stadtpfarrers Georg Alois Oblinger ist dem Bistum Augsburg ein Dorn im Auge. Weil Oblinger unter anderem jahrelang für die rechtsgerichtete Wochenzeitung Junge Freiheit schrieb, wurde er jetzt von Bischof Konrad Zdarsa gerügt.

„Er ist aufgefordert worden, dort nicht mehr zu publizieren“, sagt Markus Kremser, Sprecher des Bistums. Am 16. Dezember sei Oblinger dies mitgeteilt worden. Zuvor hatte es mehrere Gespräche gegeben. Das Bistum schätze das journalistische Engagement des Stadtpfarrers – jedoch nicht bei der Jungen Freiheit, so Kremser. Zu den näheren Gründen wollte sich das Bistum nicht äußern. Ob ein spezieller Text Oblingers oder seine generelle Arbeit bei der Jungen Freiheit dem Bistum nicht passt, bleibt somit unklar.

Wochenzeitung wird vom Verfassungsschutz beobachtet

Als Kolumnist schrieb Oblinger, der an mehreren Schulen im Landkreis – unter anderem am St.-Thomas-Gymnasium in Wettenhausen und der Mittelschule Ichenhausen – unterrichtet, regelmäßig für die Junge Freiheit. Die Wochenzeitung, die sich als unabhängiges, konservatives Medium versteht, wird von Wissenschaftlern seit vielen Jahren untersucht und vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Journalist und Ex-Landtagsabgeordnete der SPD in Baden-Württemberg, Stephan Braun, bezeichnet sie als „Leitmedium der Neuen Rechten“. Er hat mehrere Bücher zu diesem Thema und auch speziell zur Jungen Freiheit veröffentlicht.

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Ziel der Neuen Rechten mit ihrem Sprachrohr Junge Freiheit sei es, den gesellschaftlichen Diskurs zu ändern und nach rechts zu verschieben, sagt Braun im Gespräch mit unserer Redaktion. Plumpe Ausländerfeindlichkeiten oder offene Holocaustrelativierungen finde man in der Jungen Freiheit nie, so der Experte. „Das passiert eher versteckt“, sagt Braun. Dass ein Pfarrer und Lehrer dort publiziert, will er nicht kommentieren: „Wer für so ein Blatt regelmäßig schreibt, identifiziert sich in gewisser Weise mit ihm. Ich würde meine Kinder nicht zu ihm in den Religionsunterricht schicken.“

"Eine dezidiert konservative Zeitung"

Pfarrer Oblinger weist gegenüber unserer Redaktion die Vorwürfe, die Junge Freiheit bewege sich an der Grenze zum Rechtsextremismus, vehement zurück. „Es gibt viele, die da anderer Meinung sind.“ Oblinger sagt: „Die Junge Freiheit sehe ich klar auf demokratischem Boden stehend.“ Natürlich sei das Wochenblatt eine dezidiert konservative Zeitung.

Der Stadtpfarrer stellt aber auch eines klar: „Selbstverständlich werde ich mich an die Weisungen der Diözese halten.“ Gehorsam sei eine ganz wichtige Tugend für einen Geistlichen. „Der Gehorsam fängt dort an, wo ich anderer Meinung bin“, sagte Oblinger auf die Frage, ob er die Ansicht des Bischofs teile, der ihm Publikationsverbot erteilt hat. Der Ichenhauser Stadtpfarrer hat von 2002 bis 2011 für die Wochenzeitung gearbeitet, zuletzt im Dezember des vergangenen Jahres. Oblinger schrieb gegen gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften, Frauen im Priesteramt, die Pille und Abtreibung. Auch alltägliche Erlebnisse mit Gläubigen anderer Religionen aus Ichenhausen sind dort zu lesen.

Die meisten seiner Beiträge beschäftigen sich mit dem Katholizismus. „Wir brauchen eine Kirche, die eine ganz klare Meinung in der Öffentlichkeit vertritt“, betont Oblinger. Aufgabe eines Priesters sei es, den Glauben zu verkünden. „Bei einer Predigt muss nicht jeder meiner Meinung sein“, sagt Oblinger. Bequemlichkeit dürfe kein Kriterium sein, Kirche müsse auch, wenn es notwendig ist, provokant sein und die Menschen zum Nachdenken bringen. Die katholische Kirche sollte schon mehr Profil zeigen, meint Oblinger.

Name taucht bei Enthüllungsportal im Internet auf

Leser unserer Zeitung hatten darauf hingewiesen, dass der Ichenhauser Geistliche regelmäßig als Autor bei der Jungen Freiheit publiziere. Auch im Internet gibt es bereits eine Diskussion über den Ichenhauser Stadtpfarrer. Oblingers Name tauchte jetzt auch in einem gegen die rechte Szene gerichteten Enthüllungsportal im Internet auf. Aktivisten der Hacker-Gruppe Anonymous hatten zu Jahresbeginn auf der Website nazi-leaks.net Listen mit angeblichen NPD-Spendern und Autoren der Jungen Freiheit veröffentlicht. Oblinger publizierte auch in anderen Zeitschriften.

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