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10.05.2020

Bitte weniger verbalen Müll verbreiten

Nach Auskunft von Krumbach Polizeichefin Susanne Höppler hatten sich im Krumbacher Stadtgarten rund 350 Menschen versammelt.
Bild: Peter Bauer

In Krumbach haben wieder viele Menschen demonstriert. Ihr Anliegen ist aller Ehren wert. Die Regierung und die Medien pauschal zu kritisieren, ist nicht korrekt.

Müll produziert jeder von uns. Manches wandert in die Restmülltonne, andere Teile machen Karriere auf dem Wertstoffhof. Doch um diesen Abfall geht es diesmal nicht, sondern um verbalen Müll, der am Samstag in Krumbach von dem einen oder anderen Redner produziert worden ist.

Die beste Nachricht aus dem Stadtgarten ist die, dass alles friedlich blieb. Und während in Krumbach die Menschen so vernünftig waren, sich an Abstandsregeln zu halten, kamen andernorts deutlich mehr Personen zum Protestieren als angemeldet worden waren – in München zum Beispiel 3000 statt 80. Mit der nötigen Distanz in Corona-Zeiten war’s am Marienplatz dann vorbei. Die Polizei ließ dennoch laufen, wie sie sagt aus Gründen der Verhältnismäßigkeit. Eine umsichtige Entscheidung.

Das Anliegen der Kundgebung im Krumbach ist ehrenwert. Dass der Geduldsfaden bei einer wachsenden Anzahl von Menschen dünner wird, ist nachvollziehbar. Und dass Gesundheitsschutz in der Corona-Krise ein überaus wertvolles Gut ist, aber eben nicht das einzige, das in diesem Abwägungsprozess eine Rolle spielen darf – ja, da können viele wohl mitgehen. Seinen Mund darf man da gerne aufmachen.

Es taugt höchstens für eine schlechte Satiresendung

Dass den Regierenden aber pauschal Täuschung, Angst und Panikmache vorgeworfen wird, dass die Medien Statistiken mit Absicht oder aus Dummheit fälschten und vor allem, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder durch sein Gebaren zum politischen Wiedergänger von Erich Honecker geworden sei, taugt allenfalls für eine eher schlechte Satiresendung.

Das Anliegen, das hier seit zwei Wochen vorgetragen wird, ist ernsthafter Natur. Menschen, die zum Mikrofon greifen, sollten das auch sein: ernsthaft. Kritik unbedingt, aber bitte nicht vermischt mit kruden Verschwörungstheorien, denen es an Substanz nachhaltig fehlt. Bilder aus norditalienischen Krankenhäusern und New York im Hinterkopf könnten hilfreich sein, um sich daran zu erinnern, was uns zum Glück bislang erspart geblieben ist. Dafür gibt es vermutlich mannigfache Gründe: Ein trotz aller Unzulänglichkeiten gut funktionierendes Gesundheitssystem, die Disziplin der Bürger, Diagnostikmöglichkeiten, um die uns viele Länder beneiden, viele verantwortungsbewusst handelnde Politiker.

Der Weg zurück in die Normalität dauert an. Deshalb sind ständige Neubewertungen wichtig, ob die Einschränkung von Grundrechten noch zulässig ist. Diesen Prozess kritisch zu begleiten, gehört auch zu den Grundrechten, für die wir dankbar sein dürfen. Meinungsfreiheit schließt das Recht auf verbalen Müll ein. Aber es darf gerne etwas weniger sein.

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Krumbacher Demo: „Die Regierung ist total entgleist“

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