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Bürger, auf in den Sitzungssaal: Rats-Realität statt Reality-TV!

Bürger, auf in den Sitzungssaal: Rats-Realität statt Reality-TV!
Kommentar Von Christian Kirstges
06.03.2020

Das Interesse an Wahlveranstaltungen im Kreis Günzburg ist groß. Was bleibt, wenn die Kreuzchen gemacht sind? Nicht viel. Auch Sitzungen können spannend sein.

Das Forum am Hofgarten in Günzburg war voll, als sich die Landratskandidaten den Fragen unserer Zeitung stellten. In der Burgauer Kapuziner-Halle mussten einige Bürger die Runde mit den Bürgermeisterbewerbern im Stehen verfolgen, weil die Sitzplätze nicht reichten. Bei der Veranstaltung mit Kommunalpolitikern und die es werden wollen in Jettingen-Scheppach waren es gut 250 Zuhörer, in Dürrlauingen musste bei mehr als 100 Gästen ebenfalls nachbestuhlt werden, in der Großen Kreisstadt Günzburg waren hingegen auch nur etwas mehr als 100 Besucher dabei.

Das zeigt: Kommunalpolitik ist insgesamt angesichts der bevorstehenden Wahlen am Sonntag nächster Woche vielerorts gerade in und scheint zu interessieren. Doch was übrig bleibt, sobald die Kreuzchen verteilt und die Sieger sowie Verlierer feststehen, ist fraglich.

Warum bleibt die Zuhörerbank im Ratssaal leer?

Denn ein anderes Beispiel macht deutlich, dass Kommunalpolitik eben doch nicht so zieht, wenn der Reiz des Neuen verpufft ist – auch wenn es um Themen geht, die jeden Bürger betreffen. So wurde am Dienstagabend im Burgauer Stadtrat der Haushalt vorberaten. Ja, allein dieses Wort klingt nicht gerade sexy, hat es doch mit vielen Zahlen zu tun. Aber wer den Bericht des Burgauer Kämmerers Tobias Menz verfolgt, merkt schnell: Dahinter verbirgt sich viel mehr als langweilige Theorie. Und so, wie er das aufbereitet, kann jeder verstehen, worum es geht – um die Zukunft von Stadt und Einwohnern.

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Auf der Zuhörerbank hatte jedoch kaum jemand Platz genommen. Und nachdem ein späterer Tagesordnungspunkt, für den sie gekommen zu sein schienen, abgearbeitet war, verließen die wenigen den Sitzungssaal. Warum war der Raum nicht voll? Warum scheint es langweilig zu sein, wie viel Geld für die Feuerwehr ausgegeben wird, wie viel für die Kinderbetreuung, oder warum die Jugendarbeit eine untergeordnete Rolle spielt? Es passt nicht zusammen, vor den Wahlen zu schauen, wer denn da antritt – und danach nicht mehr mitbekommen zu wollen, was die Gewählten tun. Schließlich sind auch Kommunalpolitiker Volksvertreter.

Die Sitzungssäle müssten voll sein

Sie kümmern sich um das, was ihre Mitbürger, ihre Nachbarn betrifft. Und die sollten Interesse daran zeigen, wie das läuft. Das hat nicht nur mit Kontrolle zu tun. Vielmehr würde es Wertschätzung zeigen. Und gerade die ist das Thema unserer Zeit: Viele fordern diese Wertschätzung etwa in sozialen Netzwerken, doch wenn es ans Konkrete geht, bleibt nicht viel davon.

Wenn also nächste Woche gewählt wird oder auch schon jetzt per Brief, drückt die Beteiligung daran aus, wie groß das Interesse ist. Aber dabei darf es nicht bleiben. Die Sitzungssäle müssten voll sein. Wenn Reality-Fernsehen boomt, sollte die Realität es erst recht tun.

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