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Jettingen-Scheppach

24.11.2018

Bürger und Planer haben viele Ideen für Jettingen

Die Kreuzung von Haupt- und Weberstraße könnte umgestaltet werden und im ehemaligen Gasthaus Adler eine gastronomische und kulturelle Nutzung installiert werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Bei einer Projektwerkstatt haben die Planer ihre Ideen für eine Umgestaltung konkretisiert. Und auch die Bürger konnten sich wieder einbringen.

Vor ziemlich genau zwei Monaten konnten die Bürger im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für die Städtebauförderung auflisten, was ihnen am Altort Jettingen gefällt und was nicht. Viele nutzten die Chance. Am Donnerstagabend waren erneut viele dabei, als Mitarbeiter des Architektur- und Stadtplanungsbüros Schirmer detailliertere Vorschläge für eine Umgestaltung des Ortes machten, in die auch die Anregungen eingeflossen waren. Alexandra Franzke stellte fünf Handlungsfelder vor: die „Neue Mitte“ mit dem Rathaus inklusive Anbau und der Umgebung, Wohnen im Altort, Versorgung, Freizeit und Tourismus sowie den Verkehr. Unter anderem geht es darum:

Neue Mitte Das „Areal Stock“ spielt bei den Überlegungen eine Schlüsselrolle. Das eingeschossige Gebäude, das wie ein Fremdkörper in der Umgebung wirke, sollte am besten abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, der die Formen umliegender Häuser aufgreift. Dort könnten ein Haus der Senioren sowie ein Bürgergarten entstehen, auch könnte der Rieder Bach wieder erlebbar gemacht werden.

Dieser Flachbau passt nach Ansicht der Planer nicht ins Ortsbild. Er sollte verschwinden zugunsten eines neuen Gebäudes, das sich besser einfügt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Marktplatz sollte von einem Parkplatz zu einem begrünten Begegnungsort werden, wozu auch ein funktionierender Brunnen beitrage. Die Fahrbahn sollte im Bereich der Hauptstraße reduziert werden, um eine Verkehrsberuhigung zu ermöglichen. Wenn der Rathaus- und Kirchplatz umgestaltet sind, könnte ein anderes Pflaster signalisieren, dass hier ebenfalls ein Aufenthaltsbereich beginnt. Ein einheitliches Beleuchtungskonzept für die Ortsstraße mit hervorgehobenen besonderen Gebäuden würde die Umgestaltung unterstreichen.

Neue Grünflächen schaffen, alte erhalten - und neu bauen

Wohnen Das Baudenkmal Hauptstraße 66 ist in einem schlechten Zustand, erklärte Franzke. Es sei zwar wünschenswert, es zu erhalten, aber falls das nicht machbar wäre, sollte ein Neubau entstehen, der sich in die Umgebung einfügt. Hinter dem Gebäude gebe es zudem sehr große Potenziale bei den Flächen, ebenso bei der landwirtschaftlichen Hofstelle in der Nähe. Mit einer Nachverdichtung könnten neue Wohnmöglichkeiten geschaffen werden, wobei die bestehenden Grünflächen erhalten und neue geschaffen werden sollten. Ebenso sei es vorstellbar, einen Wohnanger an der Bischofstraße und ebenfalls neues Wohnen an der Färberstraße zu schaffen. Ein Gestaltungshandbuch wäre dann die Grundlage für eine Förderung dieser Maßnahmen.

Versorgung Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von leeren Ladenlokalen. Es müsse überlegt werden, wo man in der Zukunft in diesen Gebäuden überhaupt noch Gewerbeflächen braucht, oder wo stattdessen Wohnungen geschaffen werden könnten. Besondere leerstehende Gebäude könnten auch für eine Nutzung etwa mit Arztpraxen umgestaltet werden. Gerade gegenüber vom Rathaus hält Franzke einen Dorfladen für wünschenswert.

Die Bürger wünschen sich mehr Einkehrmöglichkeiten - und einen Biergarten

Freizeit/Tourismus Viele Bürger beklagten beim vorherigen Termin, dass Einkehrmöglichkeiten fehlen, und auch ein schöner Biergarten. Die Planerin griff den bereits vorgestellten Vorschlag auf, die Brauerei beim Gasthof Sonne zu reaktivieren und die leere Fläche daneben für einen Biergarten zu nutzen. Beim ehemaligen Gasthof Adler könnte eine kulturelle und gastronomische Nutzung ermöglicht werden, und wenn die Kreuzung Hauptstraße/Weberstraße umgestaltet ist, wäre dort eine Außenbestuhlung sinnvoll. Darüber hinaus sollte es ein Radwegnetz geben und der Schlossgarten zumindest ab und an für die Öffentlichkeit geöffnet werden. „Sollten sich hier die Eigentumsverhältnisse irgendwann einmal ändern, sollte der Markt sofort zuschlagen“, riet Franzke. Wenn die Maßnahmen erst einmal umgesetzt sind, sollte für den Altort auch bei den Outlets geworben werden.

Der Rathausanbau nimmt Gestalt an. Auch die Umgebung soll umgestaltet werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Verkehr Durch Veränderungen des Straßenverlaufs und gestalterische Effekte könnte der Verkehr im Bereich der Ortsdurchfahrt gebremst werden, ein Parken könnte unter zu pflanzenden Bäumen ermöglicht werden. Auch eine Parkscheune wäre denkbar, in der Anwohner ihre Wagen abstellen.

Welche Projekte den Bürgern besonders wichtig sind

Im Anschluss an Franzkes Präsentation waren wieder die Bürger gefragt. An Stellwänden hing eine Übersicht der Handlungsfelder, und dort konnte mit maximal drei Punkten pro Person markiert werden, was einem besonders wichtig ist. Auch konnten eigene Anmerkungen notiert werden. Bürgermeister Hans Reichhart betonte, „Zukunft braucht Mut“, Ideen seien keine Grenzen gesetzt. Jedoch werde sich auch nicht alles umsetzen lassen. Die Gewerbetreibenden hätten zudem die Sorge, dass der Verkehr ganz aus dem Ort verbannt werden solle, doch das sei nicht das Ziel, „sonst ist der Markt tot“. Es gelte, die richtige Balance zu finden.

Reger Verkehr auf der Hauptstraße in Jettingen: Die Ortsdurchfahrt soll umgestaltet werden, um den Verkehr dort zu verlangsamen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Besonders viele Punkte erhielten die Umgestaltungen bei den Gasthöfen Sonne und Adler, eine Nachnutzung des Gebäudes Hauptstraße 66 in Form eines neuen Baus, ein Mehrgenerationenhaus in einer leeren Hofstelle, die Neugestaltung des „Areals Stock“, die Veränderung des Rathaus- und Kirchplatzes, die Verkehrsberuhigung der Hauptstraße und das Thema Versorgung.

Jetzt ist der Gemeinderat am Zug

Vorschläge gingen unter anderem in die Richtung, eine öffentliche Toilette anzubieten, Fördergelder für Investoren bereitzustellen, den Rathausparkplatz in eine kleine Tiefgarage umzuwandeln, Ruftaxis gerade für Senioren anzubieten oder ortstypische Gebäude, die nicht mehr stehen, zu rekonstruieren. Auch wurde angemerkt, dass nun einmal viele Gebäude in Privatbesitz sind, wer eigentlich die Grünflächen pflege und dass die Hauptstraße nicht zu schmal werden dürfe, schließlich dient sie auch als Umleitungsstrecke im Falle einer Autobahnsperrung.

Im nächsten Schritt werden die Planer die eigenen und die Vorschläge der Bürger mit dem Gemeinderat diskutieren, der dann darüber befinden muss. Auch werde es ein Gespräch mit der Regierung von Schwaben geben. Möglichst im Januar soll das Sanierungsgebiet festgelegt werden, es könnte aber auch März werden, sagte Franzke.

Lesen Sie hier, wie die vorherige Veranstaltung zur Städtebauförderung in Jettingen verlief.

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