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Röfingen

23.01.2019

Bürger wehrt sich mit Banner gegen Baumfällungen

Mit diesem Banner macht ein Bürger auf die aus seiner Sicht ungerechtfertigten Baumfällungen im Raum Röfingen aufmerksam.
Bild: Ernst Mayer

Der Mann kritisiert auf dem Transparent Eingriffe in die Natur rund um Röfingen - anonym. Gegenüber unserer Zeitung aber gibt er zu: „Ja, das war ich“.

Die Vorwürfe sind deutlich und waren nicht zu übersehen – zumindest, bis das Banner, auf denen sie formuliert wurden, noch hing. Es war am Eichenweg beim Feldkreuz in Röfingen von Freitag bis Samstagmittag angebracht. Darauf stand, dass auf Kosten der Steuerzahler seit Frühjahr 2014 „umfangreiche, sinnlose Vergewaltigungs-Umgestaltungsmaßnahmen mit Duldung der Ratsherren in der Gemarkung Röfingen vorgenommen“ worden seien. Sie gingen demnach „in die Zigtausende“. Es gehe unter anderem um Heckenrodungen und das Fällen gesunder Bäume, ohne dass Rücksicht auf die Vogelwelt und das Niederwild genommen werde.

„Nicht alle Bürger sind mit diesen brutalen Umgestaltungsmaßnahmen einverstanden“, heißt es weiter. „Deshalb müssen weitere Fällungen gesunder Bäume unverzüglich gestoppt werden.“ Das Banner, auf dem an den Slogan der Unabhängigen Wähler im Ort verwiesen wird – „Gemeinde sind wir alle“ –, ist durchaus professionell gestaltet. Ein Verfasser ist aber nicht angegeben, es ist somit anonym.

Bürgermeister Brendle: Alles mit den zuständigen Stellen abgestimmt

Bürgermeister Hans Brendle, Mitglied der Unabhängigen Wähler, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, er kenne den Urheber nicht. Er habe zwar eine Vermutung, aber da es nicht mehr sei, wolle er sie nicht äußern. Jedenfalls seien alle Maßnahmen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach, dem Förster und den weiteren zuständigen Stellen abgestimmt. Bei Jagdversammlungen sei das auch mal Thema gewesen, sonst aber nicht.

Es gebe auch keine Briefe diesbezüglich an die Gemeinde oder etwas dergleichen. Der ehemalige Bürgermeister Michael Mayer ist auch der Ansicht, dass die Maßnahmen der vergangenen Jahre verhältnismäßig gewesen seien. Ein Vertreter einer der zuständigen Stellen, der nicht genannt werden möchte, sagt ebenfalls, dass alles korrekt verlaufen sei.

Förster: Vor allem Buchdrucker und Kupferstecher wurden zum Problem

Uwe Jiranek kümmert sich im Auftrag der Gemeinde als Förster um die Bäume und andere Gewächse. Er betont, dass der Wald entsprechend aller Vorschriften bewirtschaftet werde, zudem gebe es einen Forstbetriebsplan, in dem alles erfasst sei und die Maßnahmen der nächsten zehn Jahre geplant seien. Daran sei er auch gebunden. In der Tat seien vor allem Fichten gefällt worden, um den Wald dem Klimawandel anzupassen, er soll mit Mischbaumarten breiter aufgestellt werden. „Das kommt allen Lebewesen zugute“, und so könne das Risiko eines „Totalausfalls“ verringert werden.

Weil Bäume im vergangenen Jahr stark von Käfern befallen gewesen seien – wie auch in benachbarten Wäldern –, habe man 2018 in der Tat viel fällen und die betroffenen Bäume schnell entfernen müssen, „bevor der Käfer uns den Wald auffrisst“. Es ging vor allem um Buchdrucker und Kupferstecher. Im Frühjahr werde nachgepflanzt, vor allem mit Eichen, Ahorn und Tanne. Manchmal komme man auch nicht umhin, Bäume zu fällen, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Wenn etwas morsch ist und droht, zur Gefahr für Leib und Leben oder Gebäude zu werden, müsse man handeln, so wie beispielsweise an der Kapelle. Dort habe man verhindern müssen, dass Bäume darauf fallen.

Amt: Foto auf dem Banner stammt nicht einmal aus der Region

Wie im Ort zu hören ist, gefällt auch anderen Bürgern das Abholzen sowohl im Wald als auch an Wiesen und Feldern nicht. Ebenso ist offenbar nicht jeder begeistert, dass der Baggersee zwischen Röfingen und Burgau am Kreisel zugeschüttet werden soll – was aber keine Maßnahme der Gemeinde ist. Bei der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Günzburg gibt es jedoch keine Anhaltspunkte, dass sowohl im einen als auch im anderen Fall etwas nicht rechtmäßig vonstatten geht, sagt Carola Bollinger.

Zur Bewirtschaftung eines Waldes gehöre es nun einmal auch dazu, gesunde Bäume zu fällen, und Pflegeschnitte seien zur richtigen Zeit auch wichtig. Die Arbeiten am Baggersee seien mit dem Landratsamt abgestimmt. Beim Amt für Forsten in Krumbach ist ebenfalls nichts zu den Vorwürfen bekannt. Für Heckenrodungen gebe es strenge Vorschriften, aber auch hier gebe es keine Hinweise auf deren Missachtung. Das Bild auf dem Banner stamme wohl nicht einmal aus der Region, erklärt Eva-Maria Birkholz. Hier seien Fichten charakteristisch, das Foto zeige einen Buchenwald.

Der See soll nur teilweise verfüllt werden

Was das Verfüllen des Sees angeht: Nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes sind sowohl diese Behörde als auch das Landratsamt involviert, es gebe hier einen Kompromiss zwischen Gewässer- und Naturschutz. Der See werde auch nur teilweise verfüllt, erläutert Dominikus Findler, teilweise würden wechselfeuchte Wiesen und Flachwasserzonen entstehen, was einen idealen Standort für Vögel darstelle. Grundsätzlich würden Kiesgruben ohne offenes Grundwasser verfüllt und in den Zustand vor der Ausbeute zurückversetzt, bei den anderen gebe es Kompromisse.

Bei der Burgauer Ortsgruppe des Bunds für Umwelt und Naturschutz, BUND, ist auch nichts zu den Vorwürfen bekannt, sagt Vorsitzende Inge Näveke. Dem schließt sich Stefan Böhm für seine Organisation, die Günzburger Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, an. Der Jagdschutz- und Jägerverein Günzburg betont, dass ihm keine Fälle bekannt seien, in denen Gemeinden bewusst gegen die Natur gearbeitet hätten. „Wir appellieren immer an sie, auf die Tiere Rücksicht zu nehmen, und das tun sie auch“, betont Vorsitzender Manfred Borchers. Er wüsste, falls das nicht der Fall wäre, sagt er. Es komme aber natürlich immer wieder vor, dass Menschen das anders sehen und anders beurteilen.

Ein Jäger pflichtet dem Banner-Verfasser zu

Ein Jäger, der seinen Namen hier nicht genannt sehen möchte, sagt aber, dass der Verfasser des Banners durchaus einen sinnvollen Anstoß zum Nachdenken gegeben habe. In der Tat seien in den vergangenen Jahren im westlichen, nördlichen und jetzt im südlichen Teil der Gemeinde Hecken entfernt worden, was nicht gut für die Tiere sei. Als Gegenargument werde genannt, dass Hecken nachgepflanzt würden. Das sei auch getan worden, aber es dauere natürlich viele Jahre, bis die Lücke wieder gefüllt ist.

Mehrere der Gesprächspartner äußern im Gespräch mit unserer Zeitung den Namen eines möglichen Urhebers des Banners: Manfred Geier. Und auf Anfrage unserer Redaktion sagt der 73 Jahre alte Schäfer aus Röfingen: „Ja, das war ich.“ Beide Seiten bescheinigen sich ein schwieriges Verhältnis zueinander.

Schäfer Geier: „Es wird gewissenlos abgeholzt“

1958 habe er mehrere Birken in der Gemarkung gepflanzt, sagt er, doch viele seien inzwischen gefällt worden. „Da blutet einem das Herz. Mit Natur haben diese Leute nichts am Hut, gewissenlos wird abgeholzt.“ 45 Jahre lang sei er auch der örtliche Jagdpächter gewesen, und während dieser Zeit sei gegenüber der Stelle, wo er das Transparent aufhängte, immer eine schöne Hecke gewesen. Auch die sei jetzt weg. „Das ist ein Frevel an der Natur.“ Darauf habe er hinweisen wollen. Im Nachhinein, sagt er, hätte er seinen Namen dazu schreiben sollen, „aber die Leute wissen ja sowieso, dass es von mir stammt“. Und er fügt hinzu: Früher hätten sich Förster um den Wald gekümmert, heute gehe es dabei nur noch ums Geschäft.

Ein solches Banner ohne Erlaubnis und Hinweis auf den Urheber anzubringen ist übrigens eine Ordnungswidrigkeit, sagt Burgaus Polizeichef Stefan Eska. Und wenn die Polizei von so etwas Kenntnis bekomme, kümmere sie sich natürlich auch darum. (mit em)

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