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Kötz

28.07.2020

Bund Naturschutz lehnt Ausbau der Munasenke bei Kötz ab

Die Verkehrsführung in der sogenannten Munasenke auf der B16 zwischen Günzburg und Kleinkötz soll verändert werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Naturschützer im Landkreis Günzburg fürchten den Verlust vieler Tierarten. Und sie sagen: Die Anwohner hätten auch nichts von dem Projekt.

Die Günzburger Kreisgruppe des Bunds Naturschutz (BUND) lehnt den geplanten Ausbau der B16 im Bereich der Munasenke nördlich von Kötz ab. Der Sinn und der reale Nutzen stünden in einem großen Missverhältnis zu den Eingriffen in Naturstrukturen und zu den entstehenden Kosten. „Eine Verbesserung der Lebensqualität der Anwohner der angrenzenden Waldsiedlung ist ebenfalls nicht zu erwarten“, teilt die Kreisgruppe mit.

Die Maßnahme sei im derzeit gültigen Bedarfsplan 2030 für Bundesfernstraßen nicht vorgesehen, die Begründung für den Planungsansatz erschließe sich einem nicht. „Unserer Ansicht nach ist die derzeit vorhandene Trasse nicht in einem baulich so schlechten Zustand, dass ein Neubau erforderlich wäre. Eine Sanierung der bestehenden Trasse ist aus unserer Sicht ausreichend.“

Vor allem unter Berücksichtigung der im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2030 tatsächlich eingestellten Maßnahme einer Ostumfahrung von Ichenhausen mit einem bisher geplanten Anschlussbauwerk auf Höhe des Legoland-Parkplatzes, würde das den geplanten Straßenneubau durch die Munasenke gänzlich unnötig machen, da der Großteil des B16-Verkehres wohl über die Umfahrung fließen sollte.

Mehr als 1,8 Hektar Fläche gingen verloren im Bereich der Munasenke

Die Neubautrasse verursache einen Flächenverlust von mehr als 1,8 Hektar. Zerstört würden naturnahe Waldstrukturen, die wertvolle Lebensraumbereiche für viele verschiedene Tierarten darstellen. Dass Ringelnattern und Waldeidechsen betroffen wären, sei nicht gänzlich auszuschließen. Bei den Amphibien seien definitiv Lebensraumverluste und Tötungsfälle von Individuen verschiedener Arten anzunehmen, die sich in ihrem Jahreslebensraumbereich aufhalten und durch die Erdbewegungen der Baumaßnahme auf der Fläche im Winterhalbjahr erdrückt würden. Dies sei für Erdkröten, Grasfrösche und den Bergmolch zu erwarten.

Bei Vögeln entstünden durch die Trassen-Schneise im bisher geschlossenen Waldbestand Kreuzungskorridore mit einem Kollisionsrisiko mit Fahrzeugen, unter anderem auch für besondere Arten wie den Eisvogel oder den Grünspecht. Bei den Fledermäusen sei ein Verlust von Habitatbäumen und Spaltenquartieren durch das Fällen von Altbäumen auf der geplanten Neutrasse anzunehmen.

Die Naturschützer sprechen von einer Alibi-Maßnahme

Ein Ausgleich durch künstliche Quartierkästen sei lediglich als eine Alibi-Maßnahme einzustufen, da die Annahme dieser künstlichen Quartiere nach eigenen Erfahrungen unter drei Prozent liege. Auch für Fledermäuse sei ein Kollisionsrisiko mit Fahrzeugen anzunehmen – und somit, dass Tiere geschützter und gefährdeter Arten sterben. Betroffen seien die Arten Großer Abendsegler, Braunes Langohr, Großes Mausohr, Zwergfledermaus und Wasserfledermaus.

Das Anpflanzen von Gehölzen zur Überleitung der Fahrbahn bringe erst nach Jahren den gewünschten Effekt, da die Gehölze erst ab einer geschlossenen, hohen Bestandssituation ihre Leitwirkung entfalten würden. Insgesamt seien die Maßnahmen nach Ansicht des Bund Naturschutz nicht ausreichend, da durch die Baumaßnahme und die entstehende neue Waldschneise hohe Verluste bei den genannten Tiergruppen zu erwarten seien. Neue Populationen könnten sich aufgrund der mittlerweile zahlenmäßig kleinen Individuenzahlen der Einzelarten nur schwer wieder aufbauen.

Alles in allem handele es sich somit „um eine inhaltlich unnötige, steuergeldverschwendende Baumaßnahme, die den Anliegern keine Erhöhung der Lebensqualität bringt, im Gegenzug aber massive Auswirkungen auf die vorkommenden Lebensraumstrukturen und viele dort vorkommende Arten verschiedenster Tiergruppen hat. Eine Ablehnung dieser Maßnahme ist aus unserer Sicht eindeutig.“ (zg)

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