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Atommüll

04.10.2020

Castoren noch Jahrzehnte im Zwischenlager Gundremmingen

In Reih und Glied stehen die Castorbehälter im Standortzwischenlager auf dem Gelände des Atomkraftwerks Gundremmingen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Bis zum Jahr 2046 ist das Atommüll-Zwischenlager in Gundremmingen genehmigt. Doch für die zuständige Bundesgesellschaft ist klar: Die Einrichtung wird länger benötigt. Ein Besuch.

In der aktuellen Debatte um die Suche nach einem Endlager für atomaren Abfall hat Günzburgs Landrat eines bereits deutlich gemacht: Hans Reichhart ( CSU) erwartet vom Bund, dass das Zwischenlager am Kernkraftwerk Gundremmingen nicht länger als bis zum Jahr 2046 betrieben wird. Dann läuft die Genehmigung aus, und länger will er es hier nicht stehen haben. Doch da derzeit für die Fertigstellung eines Endlagers bereits das Jahr 2050 angepeilt wird, dürfte daraus nichts werden. Dieser Tage wurde im Zwischenlager Castorbehälter 77 eingelagert – und bei einem Besuch unserer Zeitung machen auch die dort Verantwortlichen klar: 2046 ist nicht zu halten.

Seit 1992 arbeitet Ulrich Kastner in Gundremmingen. Bis zur Abschaltung von Block B im Atomkraftwerk (AKW), zuletzt als Schichtleiter, und seit dem 1. März 2019 bei der BGZ, der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung. Er leitet das Zwischenlager, das sich noch auf dem Gelände des Kraftwerks befindet. Perspektivisch, frühestens aber 2026 oder 2027, soll sich das ändern. Dann wird es autark sein, mit eigener Versorgung, eigenem Wachschutz – auch wenn der wie schon jetzt im AKW wohl von einer Fremdfirma gestellt werden wird – und einem Zaun.

Nächstes Jahr wird eine Halle des Zwischenlagers Gundremmingen voll sein

Derzeit hat die BGZ elf Mitarbeiter in Gundremmingen, die meisten wechselten aus dem Kraftwerk hierher, es sollen einmal 18 werden. Hinzu kommen die Wachen. Kastner hätte wie Kollegen in seinem Alter aus dem Kraftwerk in den Vorruhestand gehen können, doch dafür fühlt er sich noch zu jung. Er hat hier eine Aufgabe gefunden, die ihn interessiert – und die mit einem Auf- statt wie nebenan mit einem Abbau zu tun habe.

Jeder Behälter ist beschriftet – auch mit dem Hinweis auf den Prüftermin.
Bild: Bernhard Weizenegger

Im nächsten Jahr, prognostiziert der 53-Jährige, wird die 92 Plätze bietende Halle 1 voll mit Castoren sein. Halle 2 hat 100. Fürs Beladen ist die Kraftwerksmannschaft zuständig, für das sichere Unterbringen die BGZ. Deren Personal arbeitet in einem Container-Provisorium neben dem Zwischenlager, im Laufe der nächsten Jahre wird hier ein festes Verwaltungsgebäude errichtet.

Ein Castorbehälter wiegt gut 125 Tonnen - und leer schon 120

Per Lastwagen kommen regelmäßig leere Behälter vom Hersteller – verwendet wird nur ein Typ – nach Gundremmingen. Während einer in der Regel zwei bis drei Monate dauernden Belade-„Kampagne“ wird im Schnitt alle acht Tage ein neuer Castorbehälter ins Lager gebracht. Vorher stand er dann für zwei bis drei Tage zum Vorwärmen in einer Schleuse des Reaktorgebäudes. Stichprobenartig werden alle zehn Jahre die Behälter überprüft, aber ständig überwacht, um einem Druckabfall vorzubeugen.

Noch ist das Zwischenlager (die rechte Halle unterhalb des Kühlturms) Teil des Kraftwerksgeländes. Das soll sich ändern.
Bild: Christopher Mick/BGZ

Gut 125 Tonnen schwer ist einer, sein Leergewicht beträgt schon gut 120 Tonnen. Denn er selbst soll seinen Inhalt am besten schützen können, die Wände der Halle sollen ein zusätzlicher Schutz sein. Und die Überwachungskameras, die hier hängen, werden per Fernleitung von der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom bedient, erklärt der studierte Produktionstechniker.

Die Öffentlichkeit muss für eine längere Genehmigung beteiligt werden

Wenn die beiden Hallen voraussichtlich Ende 2026 voll und das Kraftwerk somit brennstofffrei sein wird, können dort – wenn die Aufsichtsbehörde es gestattet – die Sicherheitsvorkehrungen zurückgefahren werden, um den Rückbau zu erleichtern. 20 Jahre wären es dann noch bis zum Auslaufen der Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager.

Auf dem Areal von Kraftwerk und Zwischenlager werden die Behälter (hier ein leerer) auf der Schiene transportiert, innerhalb des Lagers dann per Kran.
Bild: Bernhard Weizenegger

Für die Verlängerung wird ein neues Verfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig werden, erklärt Pressesprecher Stefan Mirbeth. „Darauf bereiten wir uns schon vor.“ In anderen Lagern wird die Betriebserlaubnis bereits in den 30er-Jahren auslaufen, da hier früher mit der Arbeit begonnen wurde. Alle Standorte, sagt Mirbeth, müssten mit einer Verlängerung rechnen. Deshalb hat die BGZ bereits eine Forschungsabteilung aufgebaut, um zu untersuchen, was zu tun ist, um die Castorbehälter weiter sicher zu halten. Und auch wenn das Endlager fertig ist, könnten die Zwischenlager nicht innerhalb von zwei Monaten geräumt werden. „Das ist ein sukzessiver Prozess.“

Künftig sollen auch Besuchergruppen empfangen werden

Und was die Autarkie der Einrichtung angeht: Da kann die Bundesgesellschaft etwa von Grafenrheinfeld lernen, weil das Kraftwerk früher als Gundremmingen abgeschaltet wurde und somit alle Prozesse früher begannen.

Im nächsten Jahr sollen mindestens 23 Castorbehälter im Zwischenlager Gundremmingen eingelagert werden. Wenn einer „frisch“ hier steht, strahlt er noch spürbar Wärme ab, im Laufe der Zeit ist sie dann nicht mehr wahrzunehmen. Wenn Corona kein Thema mehr ist, will sich die BGZ auch mehr öffnen, kleinere Besuchergruppen ins Lager führen und sich der Diskussion stellen – „natürlich auch der kritischen“, sagt Mirbeth.

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05.10.2020

Die Castoren in einem ehemaligen Fliegerbunker in einem Berg sicher lagern und gut ist! Vor allem kommt man zukünftig einfach an die Castoren ran. Es kann sein, dass man in 100 oder 1000 Jahren sehr froh ist, wenn man die Brennstäbe als Rohstoff wieder verwerten kann. Die Technik ist sogar jetzt schon soweit! In etlichen Jahren gibt es keine Kohle, kein Öl, kein Gas mehr. Und wenn die Speicherung der erneuerbaren Energien bis dahin nicht gelöst ist, dann wird es z.B. beim Ausbruch eines Supervulkans für Jahre dunkel und es bricht Anarchie aus! Alles schon dagewesen die letzten paar tausend Jahre und es wird wieder vorkommen, das sagt jeder Geologe!

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05.10.2020

>>Vor allem kommt man zukünftig einfach an die Castoren ran. Es kann sein, dass man in 100 oder 1000 Jahren sehr froh ist, wenn man die Brennstäbe als Rohstoff wieder verwerten kann.<<

Während der 100 oder 1000 Jahre können dann Terroristen diesen "Rohstoff" nutzen, um eine Nuklearbombe zu bauen. Ohne sehr viel Aufwand eine schmutzige Nuklearbombe oder mit viel Aufwand, der für die Abtrennung des Plutoniums erforderlich wäre, eine Atombombe.

Auf den Ausbruch eines Supervulkans (Beispiel Tambora im Jahr 1815) sind wir in der Tat nicht vorbereitet. Ähnlich wie auf Super-Sonnenstürme www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/sonnenstuerme-forscher-warnen-vor-katastrophalen-stromausfaellen-a-840859.html , die vermutlich unter anderem unser Stromnetz kollabieren lassen würden. Oder Pandemien. ...
Vermutlich ist eine dezentral strukturierte und versorgte Gesellschaft in solchen Mega-Katastrophen widerstandsfähiger als eine zentral strukturierte und versorgte Gesellschaft.

Raimund Kamm

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06.10.2020

Man muss sich halt überlegen, ob man Terroristen dauerhaft neutralisiert oder zur Delfintherapie schickt.

Der Mörder von Walter Lübcke wurde auch nach einem Attentat (Rohrbombe!) auf ein Asylbewerberheim als "resozialisiert" entlassen. Das tragische ist, dass ein linksliberales Spektrum wirklich an Resozialisierung glaubt.

Mit solchen Leuten bekommt man natürlich keinen politischen Konsens für die wirksame Sicherung von Nuklearmaterial zusammen.

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06.10.2020

@Peter P.

Ihr Kommentar zur dauerhaften Neutralisierung von Terroristen scheint mir schon sehr grenzwertig zur Meinungsfreiheit zu sein.

Wollen sie die Todesstrafe einführen oder die Terroristen gleich am nächsten Baum aufhängen? Es braucht schon viel krude Fantasie um daran zu glauben, dass damit irgendetwas besser wird.
Im Übrigen hat niemand das Recht ein Menschenleben ohne Notwehr auszulöschen, denn dann ist man um nichts besser aus der Terrorist selbst.

"Das tragische ist, dass ein linksliberales Spektrum wirklich an Resozialisierung glaubt."

Schlägt die linksliberale Phobie wieder mal zu? Resozialisierung ist gesetzlich vorgeschrieben, leider fehlt oft das Geld für eine erfolgreiche Resozialisierung

Das tragische ist, dass immer noch Menschen wie sie nicht an Resozialisierung glauben und Mord gleichsam mit Mord begleichen möchten.

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07.10.2020

Herr M. Sie sind in Afghanistan gefragt, um dort gewaltfrei Terror zu bekämpfen ;-)

Der Atommüll ist nun mal da und wir brauchen kompromisslos sichere Lösungen! Das Risikoszenario ist ja von Herr Kamm zutreffend geschildert worden.

>> Während der 100 oder 1000 Jahre können dann Terroristen diesen "Rohstoff" nutzen, um eine Nuklearbombe zu bauen. Ohne sehr viel Aufwand eine schmutzige Nuklearbombe oder mit viel Aufwand, der für die Abtrennung des Plutoniums erforderlich wäre, eine Atombombe. <<

Und natürlich ist die Neutralisierung von Terroristen die sich gewaltsam Nuklearmaterial aneignen wollen in einer Gefechtssituation mit Wachsoldaten moralisch völlig unbedenklich.

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07.10.2020

Lieber Peter P,

"Herr M. Sie sind in Afghanistan gefragt, um dort gewaltfrei Terror zu bekämpfen ;-)"

Wie wäre es mal mit etwas Sachlichkeit lieber Peter P, anstatt dummdreister Sprüche? Resozialisierung ist gesetzlich vorgeschrieben und sie haben wohl ein großes Problem damit.

"Man muss sich halt überlegen, ob man Terroristen dauerhaft neutralisiert oder zur Delfintherapie schickt."

Damit teilen sie mit, dass sie weder Gefangene noch Verletzte möchten. Sie bevorzugen, dass Verletzte und Gefangene abgeknallt werden wie räudige Hunde. Dies ist nach unserer Gesetzlage allerdings kriminell. Auch wenn sie mittlerweile zurückrudern, nehme ich ihnen das nicht ab.





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08.10.2020

Also nochmals, Herr Kamm hat hier das Szenario nuklearer Terroristen aufgestellt!

Wir entscheiden hier nicht über die Einführung der Atomkraft sondern über Nuklearabfall der nach dem beschlossenen Atomausstieg übrig bleibt.

Und Sie plädieren hier für den Einsatz von Wattebällen und Resozialisierung?

Und abschließend zum gefühlt hundertsten Mal in diesen Kommentarspalten; ich bin ein Gegner der Todesstrafe! Echte Lebenslange Haft und ein sinnentleertes Leben sind die viel härtere Strafe. Und ich würde sehr gut aufpassen, dass sich niemand vorzeitig vom Acker macht ;-)

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08.10.2020

"Und Sie plädieren hier für den Einsatz von Wattebällen und Resozialisierung?"

Bleiben sie doch endlich sachlich. Nicht ich, sondern der Gesetzgeber schreibt eine Resozialisierung vor. So schwierig dürfte das auch für sie nicht sein. Eröffnen sie doch eine Petition, aber eiern sie doch nicht so um den Brei herum weil sie keine Resozialisierung wollen. Schließlich haben sie deutlich zu verstehen gegeben was sie unter Neutralisieren verstehen.

Im Übrigen hat das Thema Resozialisierung mit atomaren Abfall und der großen Gefahr damit nichts zu tun. Bleiben sie ganz einfach beim ursprünglichen Thema.


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05.10.2020

Tja, mit der Problematik hat sich schon vor ca. 223 Jahren Johann Wolfgang von Frankfurt befasst - "Der Zauberlehrling"...

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04.10.2020

Nicht das Gewicht eines Castors ist spektakulär sondern der strahlende Inhalt. In einem Castor stecken lt. Genehmigung bis zu 1,2 x 10E18 Becquerel (Bq). 1 Bq bedeutet einen radioaktiven Kernzerfall je Sekunde. Das ist für uns Normalbürger etwas Unvorstellbares.

Nur mal eine Modellrechnung, um das etwas greifbarer zu machen. Wenn im Fall eines Falles nur 1 % der Strahlung eines Castors freigesetzt würde, wäre dies Atommüll mit 1,2 x 10E16 radioaktiven Kernzerfällen jede Sekunde. Das wären pro Einwohner Bayerns rund 1 x 10E9 radioaktive Zerfälle jede Sekunde. Also pro Einwohner Bayerns 1 Milliarde radioaktive Zerfälle jede Sekunde.
Und das, wenn nur 1 % der Strahlung eines Castors entwiche.
(Ich hoffe, beim Rechnen mit diesen großen Zahlen keinen Fehler gemacht zu haben)

Übrigens: In der Genehmigung des Zwischenlagers v. 19.12.2003 wurde mehrfach ausgedrückt, dass die Lagerung höchstens 40 Jahre ab dem Beginn der Einlagerung stattfinden darf. Also höchstens bis zum 24. August 2046 (der erste Castor wurde am 25.8.2006 ins Zwischenlager gestellt). So muss bei jeder Castoreinlagerung der Genehmigungsbehörde ein „Nachweis des frühest möglichen Datums für den Abtransport“ vorgelegt werden.

Raimund Kamm

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05.10.2020

"In der Genehmigung des Zwischenlagers v. 19.12.2003 wurde mehrfach ausgedrückt, dass die Lagerung höchstens 40 Jahre ab dem Beginn der Einlagerung stattfinden darf" - ja Papier ist bekanntlich geduldig... Ich persönlich glaube dass der Atommüll dort sprichwörtlich bis zum "St.-Nimmerleinstag" gebunkert wird. Wo soll er auch hin? Ein Endlager will niemand in seiner Nähe und deswegen glaube ich auch nicht dass ein solches irgendwann existiert. Und sprichwörtlich Tausende bis Millionen Jahre wäre wohl keine Lagerstätte wirklich sicher. Meine persönliche Lösung wäre das Zeug auf dem Mond abzuladen, da stört es niemanden. Müsste man halt nur eine Möglichkeit finden ihn dort sicher hin zu bringen.

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