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Konzert

28.04.2015

Chor ist nicht gleich Chor

Der Männergesangverein Liederquell Mindelaltheim fiel beim Kreischorkonzert im Kaisersaal Wettenhausen nicht nur durch die sonoren männlichen Stimmen auf. Dirigent Johann Schramm, der seine Sänger auch mit der „Quetsche“ begleitete, wurde im Rahmen des Konzerts zum stellvertretenden Kreischorleiter ernannt.
Bild: Neuhäusler

Im Wettenhauser Kaisersaal zeigt sich, dass sich die Ensembles nicht nur in ihren Outfits unterscheiden. 18 Männer ernten besonderen Beifall

Unter dem Motto „So singen wir!“ präsentierten am Sonntagabend im Kaisersaal in Wettenhausen vier Chöre des Kreis-Chorverbandes Mittelschwaben eine große, abwechslungsreiche Bandbreite des Chorlebens. Vor allem aber hinterließen der Gesangverein Liederkranz an der Günz, der Gesangverein Burtenbach, der Männergesangverein Liederquell Mindelaltheim und der Cantemus-Chor Krumbach den Eindruck, dass das Singen im Chor offensichtlich Spaß macht. Eine Auszeichnung gab es für Johann Schramm, Dirigent des MGV Mindelaltheim: Die Vorsitzende des Kreischorverbandes, Anja Schinzel, ernannte ihn zum stellvertretenden Kreischorleiter.

Die Zuhörer, unter ihnen Schwester Priorin Amanda und Landrat Hubert Hafner, konnten neben den gesanglichen Fähigkeiten weitere Unterschiede der einzelnen Chöre erkennen: nicht nur beim Outfit der Sänger – meist schwarz, bei den Frauen mit Schals und bei den Männern mit Krawatten in der gemeinsamen Chorfarbe belebt. Ganz unterschiedlich zeigen sich auch die einzelnen Chorleiter: Mit wechselnder Intensität setzen sie ihren Körper, ihre Mimik und Gestik ein, um ihre Sänger zum feinsten Piano oder wuchtigen Forte zu führen. Gerade der barocke Kaisersaal mit seiner hervorragenden Akustik eröffnet Chören und Chorleitern beste Möglichkeiten, ihren Vortrag dynamisch und wohlklingend zu gestalten.

Mit kurzen und zackigen Fanfaren, einem Menuett, dem „March in G“ und „Easy to enjoy“ markierte die Jugendbläsergruppe Wettenhausen, besetzt mit zwei Klarinetten und drei Trompeten, munter den Beginn des Konzertes und das Ende der Pause. Als erster Chor betraten die neun Herren und 17 Damen des Gesangvereins Liederkranz an der Günz aus Ichenhausen die Bühne. Vorsitzender Fridolin Bissinger verriet, dass der Chor nach Jahren der traditionellen kirchlichen und zeitgenössischen Musikliteratur in diesem Jahr den Schwerpunkt auf „Volksmusik in neuem Gewand“ lege. Die Zuhörer bekamen nun erste Kostproben dieser Chorrichtung zu hören. Bekannte Volkslieder wie „Horch was kommt von draußen rein“, „Jäger und Kuckuck“, „Im schönsten Wiesengrunde“, „Auf freien Bergeshöhen“ und „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ erklangen nicht mehr im bekannten harmonischen Satz, sondern verfremdet mit Molleinschlägen, Dissonanzen oder interessanten Variationen einzelner Textstellen. Großen Wert legte Chorleiterin Schwarzmann auf eine ausgezeichnete Artikulation.

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Den Gesangverein Burtenbach gibt es seit 95 Jahren, erklärte Vorsitzender Heinz Gruber. Der Chor unter Leitung von Wolfram Seitz gefiel vor allem durch das Herausarbeiten feinster Piani und starker Forte. An den Anfang stellten die Burtenbacher mit „Süße Liebe liebt den Mai“ und „Zum Tanze, da geht ein Mädel“ zwei traditionelle Chorwerke. Ausdrucksstark interpretierten sie „I am Sailing“. Mit lautmalerischem Anschwellen von Vokalen wurden die „Träume aus der Kinderzeit“ in Erinnerung gerufen. Der moderne Satz zu „Horch der erste Laut“ verlangte vor allem in den Höhen große Stimmdisziplin. Die größte Bewährungsprobe bestanden sie im letzten Beitrag „Auf de schwäbsche Eisebahne“ als moderne Komposition mit schwieriger Harmonie und Rhythmuswechseln.

Ein Highlight des Konzerts war einer der letzten Männerchöre im Landkreis, der Liederquell Mindelaltheim. Seit 1964 besteht er, erzählte Vorsitzender Johann Huber, und wird, verstärkt mit Männern aus Freihalden und Burtenbach, mit 18 Sängern, denen neben dem Gesang die Kameradschaft sehr am Herzen liegt, am Leben gehalten. Die Vorträge der sonoren männlichen Stimmen, dirigiert und teilweise mit der „Quetsche“ begleitet von Johann Schramm, waren ein Hörgenuss, sehr homogen, wohlklingend, angereichert mit Crescendi vom fast stimmungslosen Laut hin zu leidenschaftlichem Ausdruck. Als Zugabe bejubelt wurde der Männerchor-Klassiker „Es löscht das Meer die Sonne aus“.

Mit großer Stimmkultur ließ am Schluss der Cantemus-Chor Krumbach aufhorchen. Hatte sich dieser Kammerchor, wie Vorsitzende Brigitte Rossdahl darlegte, sich bisher fast ausschließlich auf Kirchenmusik konzentriert, eignen sich seit vergangenem Jahr die 22 Sänger unter Leitung von Dietmar Schiersner auch weltliche Chormusik an. Die rhythmisch und intonatorisch ge-schulten Stimmen der einzelnen Chormitglieder fanden nach divergierender Kontrapunktik immer wieder in schönster Harmonie zusammen.

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