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Landkreis Günzburg

22.02.2021

Commerzbank und Co.: Wollen Banken auch im Landkreis Günzburg Filialen schließen?

Noch gibt es eine größere Vielfalt an Banken in der Region. Die Frage ist, wie lange das so bleibt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Im Kreis Günzburg sind schon viele Zweigstellen aufgegeben worden. Nun haben Großbanken weitere Einschnitte angekündigt. Das sagen sie und regionale Geldhäuser zu den Standorten im Kreis.

Die Commerzbank will gut die Hälfte ihrer Filialen in Deutschland schließen, die Deutsche Bank und die Postbank haben ebenfalls umfangreiche Standortaufgaben angekündigt. Ist davon auch der Landkreis Günzburg betroffen – und planen auch andere hier ansässige Kreditinstitute, weitere Zweigstellen zu streichen? So ist die Lage.

Das sagt die Commerzbank zum Standort in Günzburg

Die einzige Filiale im Kreis hat die Commerzbank in Günzburg an der Ecke Marktplatz/Augsburger Straße. Sie gehört zu den Standorten, die für den allgemeinen Publikumsverkehr – bis auf den SB-Bereich – wegen der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen sind (wir berichteten). Viele dieser Filialen will das Unternehmen nicht mehr öffnen. Im September hatte Sprecherin Renate Christ gesagt, dass es keinen Plan gebe, den Standort aufzugeben – doch nun hat die Commerzbank eben angekündigt, das Filialnetz zusammenzustreichen. Generelles Ziel sei es, erklärt Christ auf erneute Anfrage, „für frühestmögliche Klarheit und Transparenz über Betroffenheiten, Zeitabläufe und Perspektiven zu sorgen“. Bis zur Hauptversammlung am 5. Mai wolle man den Rahmen-Interessenausgleich und Rahmen-Sozialplan mit dem Gesamtbetriebsrat abschließen. Wann eine Aussage zu Standorten getroffen werden kann, stehe noch nicht fest.

Das sagt die Postbank zu den Standorten im Kreis Günzburg

Das Unternehmen, das zur Deutschen Bank gehört, hat an der Sedanstraße in Günzburg ein Finanzcenter mit integrierter Postfiliale. Derzeit habe man nicht die Absicht, den Standort zu schließen oder zu verlagern, erklärt Sprecher Oliver Rittmaier. Doch das Filialnetz werde immer geprüft. Partnerfilialen der Post mit Bankdienstleistungen gibt es in Burgau, Jettingen-Scheppach und Krumbach, wo derzeit keine Veränderungen geplant seien, und in Leipheim. „Hier hat diese Prüfung ergeben, dass Bankdienstleistungen nicht mehr wirtschaftlich nachhaltig angeboten werden können. Daher haben sich Postbank und Deutsche Post verständigt, diese Services voraussichtlich zum 5. Mai 2021 aus der Partnerfiliale Leipheim herauszunehmen.“ Aber es gebe ja Partner wie Tankstellen und Supermärkte, wo sich Kunden mit Bargeld versorgen könnten, auch gebe es das Online- und Telefonbanking.

Die Postagentur in Leipheim an der Von-Richthofen-Straße im Lottogeschäft von Anne Wolf. Die Postbank will hier ihren Schalter abbauen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Bürgermeister Christian Konrad sagt, er sei vom Unternehmen nicht informiert worden. Und Anne Wolf, die an der Von-Richthofen-Straße das Lottogeschäft mit der integrierten Post- und Postbankstelle betreibt, ist vom Datum der Schließung überrascht. Der für sie Zuständige bei der Postbank gehe auch davon aus, dass es erst in der zweiten Jahreshälfte so weit ist, es gebe ja eine Kündigungsfrist. Seit 1990 ist Wolf mit Lotto selbstständig, davor war sie 16 Jahre bei der Sparkasse. Seit 2003 hat sie den Post- und Postbankschalter, sie habe immer gerne mit der Postbank zusammengearbeitet. Doch leider würden die kleinen Standorte aufgegeben. Sie habe viele Kunden, gerade seit Filialen in der Umgebung geschlossen wurden. Auf Nachfrage kann die Postbank das genaue Datum noch nicht verifizieren, sondern nur, dass man sich in diesem Jahr aus Leipheim zurückziehe.

Das sagt die Deutsche Bank

In Günzburg gab es einmal eine Filiale, doch die ist längst Geschichte. In Dillingen gibt es eine Finanzagentur, in Ulm eine Filiale. Ob es dort weitergeht? In diesem Jahr will die Deutsche Bank ein Netz in der Größenordnung von rund 400 Standorten erreichen. Man stelle sicher, dass die Kunden die Bank weiter in ganz Deutschland schnell erreichen können, überwiegend gehe es um Standorte in städtischen Räumen, in denen man mehrere Filialen hat. Zu Einzelheiten könne man sich noch nicht äußern.

Das sagt die Hypo Vereinsbank zu Filialen in Günzburg und Krumbach

Im Kreis Günzburg gab es einmal vier Filialen: in Günzburg, Krumbach, Burgau und Thannhausen. Die beiden letzteren gibt es nicht mehr, doch an den beiden anderen Standorten werde derzeit nicht gerüttelt.

Die Hypo Vereinsbank in Krumbach.
Bild: Monika Leopold-Miller (Archiv)

Filialen seien ein wichtiger Bestandteil im Angebotsmix, sagt ein Sprecher. So könne man Experten per Videokonferenz in die Zweigstelle zuschalten, die einzelnen Standorte seien papierlos, was die Bearbeitung von Kundenwünschen beschleunige.

Das sagt die Sparkasse Günzburg-Krumbach

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Günzburg-Krumbach, Daniel Gastl, betont, dass im Gegensatz zu manchen Privatbanken sein Haus aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank rückläufige, aber positive Betriebsergebnisse habe. Die Geschäftsstellenpolitik obliege bei kommunalen Sparkassen dem Verwaltungsrat. „Ich kann berichten, dass es aktuell keinen Verwaltungsratsbeschluss gibt, der vorsieht, Geschäftsstellen zu schließen oder zu eröffnen.“ Aber man werde das Filialnetz an den Kundenanforderungen ausrichten – und sei im Gegensatz zur Commerzbank verlässlich, indem man nicht im einen Jahr Neueröffnungen und im anderen einen Kahlschlag ankündige. Insbesondere während der Pandemie sei in die Onlineberatung investiert worden. Jeder Kunde könne entscheiden, ob er die Beratung in der Filiale nutzt oder den Berater online „trifft“. In jedem Fall müsse man etwas bieten, um Kunden für sich zu interessieren und dürfe nicht einfach sagen, sie kämen ja ohnehin nicht mehr in die Geschäftsstellen.

Das sagt die VR-Bank Donau-Mindel

Nach den Worten von Vorstand Alexander Jall sind derzeit keine weiteren Veränderungen im Filialnetz geplant. Zudem soll es in Bubesheim wieder einen Geldautomaten geben, nachdem der Bank der Mietvertrag für den vorherigen Standort zum 30. November 2019 gekündigt worden war. Man sei auf einem guten Weg, eine Serviceeinheit zu installieren.

Das sagt die Raiffeisenbank Augsburger Land West

Auch hier seien keine Filialschließungen geplant, erklärt Prokurist Christoph Haider. Im Landkreis Günzburg bleibe man mit Standorten in Jettingen und Scheppach sowie mit dem Raiffeisenmarkt in Jettingen präsent.

Das sagt die Raiffeisenbank Aschberg

Sie unterhält in Offingen eine Filiale, die 2017 renoviert und zu einem Kompetenzcenter für das Privatkundengeschäft ausgebaut wurde. „Wir haben uns hier bewusst für die Investition in unserer Region entschieden, obwohl wir wussten, dass sich die Kundenströme perspektivisch von der stationären Filiale hin zur Onlinefiliale und zum Kundendialogcenter verschieben werden“, erklärt Josef Negele, Vorsitzender des Vorstands. Die Filiale Offingen werde den Kunden weiter zur Verfügung stehen. Außerdem könnten sie im Dorfladen Gundremmingen und im Supermarkt der KJF in Dürrlauingen kostenlos Bargeld abheben.

Das sagt die Raiffeisenbank Ichenhausen

Sie gibt keine Auskunft. Vorstand Michael Hösle schreibt, dass man Presseanfragen per Mail oder Telefon seit einem Artikel über das Auflösen langfristiger Sparverträge nicht mehr beantworte.

Das sagt die Raiffeisenbank Mittelschwaben

Die mit der Sparkasse betriebene Filiale in Bühl wird sich verändern. Die Raiffeisenbank zieht zum 1. April ihren Berater ab, er wird dann in Kissendorf arbeiten, erklärt Vorstandssprecher Günther Mayer. Was bleibt, ist ein Selbstbedienungsstandort. Corona habe den Trend beschleunigt, dass die Kunden den Service vermehrt online nutzten. In nur wenigen Kilometern Entfernung gebe es die ganztags geöffnete Zweigstelle Kissendorf, daher würden die Wege nicht wirklich weiter.

Sparkasse und Raiffeisenbank betreiben den Standort in Bühl gemeinsam. Doch die Raiffeisenbank zieht ihren Berater ab.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Man habe das testen können, angesichts der Corona-Schutzvorkehrungen sei der Standort Bühl nicht immer für die Beratung offen gewesen. Weitere Änderungen bei den Filialen seien nicht geplant, was die Standorte angeht, aber Schalteröffnungszeiten würden flächendeckend verkürzt. Konkretes dazu könne er noch nicht sagen. Nach den Worten von Sparkassen-Chef Gastl plane sein Haus in Bühl derzeit keine Veränderung.

Das sagt die Raiffeisenbank Schwaben Mitte

Man habe ein dichtes Geschäftsstellennetz in der Region, wegen der Digitalisierung aber die Aufgabe, es einer regelmäßigen Standortanalyse zu unterziehen, erklärt Prokuristin Sabine Turek. Im Frühjahr 2020 habe man ein Kundenservice-Center aufgebaut, das alle Anfragen des standardisierten Bankgeschäfts beantworte und bearbeite. Man investiere in die Technik sowie die Aus- und Weiterbildung. Ab März 2021 gebe es auch eine Chatfunktion im Service-Center über die Homepage. „Konkrete Beschlüsse zu Filialschließungen in den nächsten Monaten gibt es aktuell nicht“, die Öffnungszeiten der Standorte sollen zum April vereinheitlicht werden.

Das sagt die Raiffeisenbank Thannhausen

Veränderungen bei den Filialen sind nicht geplant, so Vorstandsassistentin Petra Schindler.

Lesen Sie den Kommentar von Christian Kirstges:

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