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Landkreis Günzburg

08.05.2020

Corona: Biergärten sind bald wieder geöffnet – aber wie?

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Liane Schwegler freut sich auf die baldige Öffnung.
Bild: Peter Wieser

Plus Ab 18. Mai ist es soweit. Die Wirte vermissen allerdings Regelungen im Detail. Über gemischte Gefühle und wie sich die Gastgeber auf den Geschäftsstart in gut einer Woche einstellen

Die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder, dass die bayerischen Biergärten am 18. Mai unter Auflagen bis 20 Uhr wieder öffnen dürfen, war wie ein Befreiungsschlag. Seit Wochen warten die Gastronomen auf den Moment, in dem sie wieder Gäste bewirten dürfen – jetzt ist er gekommen. „Wir waren sehr überrascht“, sagt Liane Schwegler, die die Donau-Radlertankstelle bei Offingen betreibt. Gemeinsam mit ihrem Mann Herbert, der im Betrieb mitarbeitet, hat sie die Pressekonferenz am Dienstag verfolgt. Die ersten Nachfragen ihrer Gäste, wann die Radlertankstelle wieder öffnet, sind dann auch direkt eingetrudelt.

Mit ihren Stammgästen ist sie während der vergangenen Wochen über die sozialen Medien in Verbindung geblieben. Immer wieder hat die Familie Schwegler auch nach ihrem Biergarten geschaut, dabei ab und zu Bekannte auf den Bänken sitzen sehen und ein bisschen mit ihnen geplaudert. Darum weiß sie: „Die Leute warten auf die Wiedereröffnung. Vor allem bei dem schönen Wetter.“

Viele Hygienemaßnahmen sind bereits geplant

Auch die Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Günzburg, Ingrid Osterlehner, ist erleichtert. „Es musste langsam etwas passieren, sonst hätte man auf die Pauke gehauen“, sagt sie. Zwar gibt es offiziell noch keine Details – man hat sich jedoch in den vergangenen Wochen bereits Gedanken gemacht, wie eine Wiedereröffnung vonstattengehen könnte. Eine Idee ist, mit Reservierungen die Besetzung zu planen und so sicherzustellen, dass nie zu viele Tische belegt sind. Auch Desinfektionsstationen sind angedacht. Eingewickeltes Besteck und Tische ohne Tischdecken könnten Keimansammlungen verhindern, Geschirr kann so heiß gespült werden, dass man zum Trocknen kein Geschirrtuch braucht, welches Keime verteilen kann. Doch vorschreiben will Osterlehner niemandem etwas: „Jeder Wirt muss die Vorschriften so umsetzen, dass sie zu seinem Haus passen.“

Hilfe und Infos sind schwer zu bekommen

Schwegler steht dafür in Offingen in den Startlöchern – da sie kein Mitglied beim Gaststättenverband Dehoga ist, muss sie sich selbst über die Auflagen informieren. Im Landratsamt Günzburg hat man sie mit ihrem Anliegen an die Staatsregierung in München verwiesen, wo niemand zu erreichen gewesen sei. Erst bei der Industrie- und Handelskammer erhielt Schwegler Hilfe. „Wir treffen jetzt einfach Vorkehrungen in alle Richtungen“, erklärt sie. Salz, Pfeffer und Ketchup dürfen sich die Gäste ab 18. Mai nicht mehr selbst holen, sondern werden von den Mitarbeitern portioniert herausgegeben. Schwegler hat Desinfektionsmittel besorgt, zudem will sie darauf achten, dass sich die Gäste zwischen Bestell- und Abholfenster nicht zu nah kommen. „Abstand ist das A und O“, betont sie. Zusätzlich will sie Hinweisschilder mit den Verhaltensregeln aufstellen.

Biergarten: nur bei schönem Wetter sinnvoll

Im Oberen Riedwirtshaus in Günzburg herrscht eher Unsicherheit. Dass die Gastronomien wieder öffnen dürfen, ist aus der Sicht von Inhaber Gerhard Keil zwar richtig. Doch am 18. Mai will er seinen Biergarten noch nicht öffnen. Schuld ist das Wetter: „Was ist, wenn es anfängt zu regnen oder wenn es kalt wird? Ich darf die Gäste ja nicht reinholen.“ Denn das geht erst ab dem 25. Mai. Deshalb will Keil voraussichtlich erst ab 23. Mai wieder Gäste im Biergarten bewirten – aber nur, wenn das Wetter passt. Ein weiteres Problem: die Vorschrift, nur bis 20 Uhr bewirten zu dürfen. „Was bedeutet das? Müssen um 20 Uhr die Gäste gehen oder darf ich nur nicht mehr ausschenken?“, fragt sich Keil, doch bis jetzt gibt es darauf keine offizielle Antwort. Trotzdem bereitet er sich auf die Wiedereröffnung vor. Denn sobald das Wetter passt, will er bereit sein.

"Improvisation gehört zum Tagesgeschäft"

Anders als Keil ist Bernd Schramm, Geschäftsführer des Klosterbräuhauses Ursberg, sehr positiv gestimmt. „Improvisation gehört in unserer Branche ohnehin zur Tagesordnung“, erklärt er. Und bis die offiziellen Anweisungen von der Regierung kommen, überlegt er mit seinen Mitarbeitern selbst, wie man sich verhalten könnte. So sind etwa kontaktloses Bezahlen, eine Kanalisierung der Laufwege und die Platzierung der Gäste im Gespräch. Schramm sieht die unsichere Situation gelassen: Die Regierung habe eben nicht für jede Eventualität direkt eine Notlösung parat – „man muss ausprobieren, was funktioniert. Und ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht.“


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