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Günzburg

25.03.2020

Corona: Chance für kleinen Lebensmittelladen Milch Mayer?

Silvia Mayer, hier mit ihrem Mann Martin, merkt das gestiegene Interesse an ihrem Lebensmittelgeschäft in Reisensburg im Zeichen der Krise.
Bild: Michael Lindner (Archiv)

Plus Während viele Geschäfte geschlossen sind, können die Bürger weiter in Supermärkte gehen. Ein vor der Schließung stehender Laden merkt ebenfalls mehr Betrieb.

Dass sich die Leute einen kleinen Vorrat anlegen, merkt Silvia Mayer schon. Von „Hamstern“ zu sprechen, gehe aber zu weit. Ihr Lebensmittelgeschäft namens Milch Mayer im Günzburger Stadtteil Reisensburg soll bis Mitte des Jahres schließen (wir berichteten) – und das ändere sich auch nicht dadurch, dass momentan mehr Leute als sonst bei ihr einkauften. Sie ist sich sicher: Wenn die Normalität wieder einkehrt, höre das auch auf. Schließlich zeige die Kurve bei der Entwicklung des Geschäfts jedes Jahr nach unten. Auch wenn die Menschen in Zeiten der Corona-Krise die kürzeren Wege schätzten und dass hier nicht so viel los ist wie in einem Supermarkt, werde mit Sicherheit kein grundsätzliches Umdenken einsetzen. Deshalb werde an dem Entschluss, den Laden nach gut 80 Jahren aufzugeben, nicht gerüttelt.

Abstand halten ist in beengten Räumen schwierig

Momentan sei übrigens Hefe sehr gut nachgefragt, vorher war es Toilettenpapier. Grundsätzlich kauften die Leute gerade alles, was man für den täglich Bedarf so braucht. Aber alles mit Maß und Ziel, „es war noch keiner hier, der zehn Päckchen Nudeln auf einmal mitgenommen hat“. Engpässe gebe es nicht, es werde genug geliefert. Die Öffnungszeiten würden jedenfalls nicht ausgeweitet.

Mayer ist ohnehin um jeden Tag froh, an dem sie öffnen kann in diesen Zeiten. Denn sie steht mit zwei Mitarbeiterinnen allein im Laden, und sollte jemand krank werden, bleibe ihr nichts anderes übrig, als zuzusperren. Sie versuchten, Abstand von den Kunden zu halten, aber in den beengten Räumen sei das gar nicht so einfach. Manche Leute denken auch nicht so weit, sagt Mayer, etwas auf Distanz zu bleiben. Aber spätestens beim Kassieren müssten sie ja näher kommen. Als Vorsichtsmaßnahme wäscht sie sich zumindest häufiger die Hände.

Corona: Chance für kleinen Lebensmittelladen Milch Mayer?

"Alle arbeiten am Limit"

Und wie sieht es im Vergleich bei den „Großen“ aus? Rewe beispielsweise antwortet auf die Anfrage unserer Zeitung nur allgemein, etwa dass die Versorgung gesichert sei, man mit den Ämtern zusammenarbeite und keinen Anlass für andere Öffnungszeiten sehe. Edeka äußert sich ähnlich, verweist aber darauf, dass die Mehrzahl der Märkte von selbstständigen Kaufleuten geführt werde, man könne daher nichts zu einzelnen Läden sagen.

Die Georg Jos. Kaes GmbH, Betreiberin der V-Märkte auch im Landkreis Günzburg, schickt hingegen keine Standardantwort. So heißt es, dass die Sicherstellung der Warenverfügbarkeit eine Herausforderung sei. „Die (Un-)Mengen an Ware müssen kommissioniert, zu den Märkten transportiert und vor Ort in die Regale eingeräumt werden. Alle arbeiten am Limit, deshalb klappt es bisher recht gut. Viele Kunden ermuntern die Mitarbeiter vor Ort, loben die Organisation. Selbst Einschnitte wie die Schließung der Sitzplätze im Brothaus-Imbiss werden akzeptiert.“ Eine Ausweitung der Öffnungszeiten sei derzeit nicht geplant, auch nicht am Sonntag. Für alle Mitarbeiter im Markt seien es bereits herausfordernde Tage und Wochen. „Jeder ist über sich hinausgewachsen. Da braucht es auch einen Ruhetag.“

Gefragt sind vor allem haltbare Produkte

Das Kaufverhalten der Kunden mache sich auch im gestiegenen Umsatz bemerkbar. Die Situation sei vergleichbar mit Tagen vor Feiertagen. Gefragt seien alle Produkte im Sortiment, von haltbaren Lebensmitteln wie Mehl über Nudeln bis hin zu Konserven. „Drogerieartikel wie Toilettenpapier und Küchenrolle sind ein Dauerrenner.“ Es sei für alle eine besondere Zeit, physisch und psychisch. Es werde auch länger gearbeitet – im gesetzlichen Rahmen und wie es die eigene Verfassung zulässt. „Alle halten zusammen und helfen untereinander, ein Vorteil eines gelebten Familienunternehmens“, erklärt Martin Glöckner. Mit Marktdurchsagen, Bildschirmen und Plakaten werde auf die Sicherheitsempfehlungen hingewiesen. Bodenmarkierungen unterstützen die Einhaltung der Abstandsregelung. „Im Eingangsbereich haben wir Hygienestationen zur Handdesinfektion für unsere Kunden aufgestellt. Ein zusätzlicher Spuckschutz für den Kassenbereich wird installiert.“ Auf der anderen Seite gebe es auch Ängste und Sorgen. Dies müsse man respektieren und darauf reagieren, beispielsweise durch andere Aufgabengebiete. Im Logistikbereich konnten kurzfristig bereits externe zusätzliche Personal-Kapazitäten gewonnen werden.

Welche längerfristigen Folgen die Corona-Krise für das Unternehmen Georg Jos. Kaes GmbH hat, zu dem unter anderem auch die Baumärkte gehören, die erst einmal geschlossen bleiben müssen, könne noch keiner seriös sagen. Was sich die Mitarbeiter neben einer wieder hergestellten Planungssicherheit wünschen: „Freundlichkeit und respektvoller Umgang mit Kunden und Mitarbeitern.“ Außerdem solle man sich an die Sicherheitsempfehlungen halten, also Abstand sowie die Husten- und Niesetikette.

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