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Günzburg

16.08.2020

Corona-Großdemo in Günzburg schrumpft gewaltig

Die Veranstalter hatten 2000 Teilnehmer angemeldet. Zum Start hatten sich aber nicht mehr als 200 Protestierende auf dem V-Markt-Parkplatz in der Augsburger Straße in Günzburg eingefunden.
Bild: Till Hofmann

Plus Zum Start der Veranstaltung waren anfangs mehr Ordner als Protestierende. Was die Menschen am heißen Sonntagnachmittag bewegt, auf die Straße zu gehen.

War es das heiße Wetter, das an den Badesee lockte, oder dazu animierte, ein schattiges Plätzchen aufzusuchen? War das Interesse der Menschen von Haus aus gering, sich an einer Demonstration zu beteiligen, die sich gegen die Corona-Einschränkungen wandte?

Fakt ist: Die Organisatoren von „Querdenken 8221“ hatten 2000 Teilnehmer für ihre „Großdemo“ angemeldet. Tatsächlich waren etwa 200 am Sonntagnachmittag vor Ort auf dem Parkplatz des Günzburger V-Markts. Die rund 80 Ordner – eine Bedingung des Landratsamtes als Versammlungsbehörde – sind in dieser Zahl schon eingerechnet.

Polizei zeigt Präsenz

Etwa 60 Polizeibeamte, die meisten davon von der Bereitschaftspolizei, hatten Dienst in Günzburg. Sie sicherten den Demonstrationszug und überwachten, dass die „Spielregeln“, die die Organisatoren mit der Kreisverwaltungsbehörde vereinbart hatten, auch eingehalten wurden.

Ein Streitpunkt vor Beginn der Veranstaltung war die Verpflichtung, dass jeder Teilnehmer eine Mund-Nase-Bedeckung tragen oder das Attest eines negativen Corona-Tests nachweisen muss, wenn sich der Zug in Bewegung setzt. Eine Frau weinte, als sich der Günzburger Inspektionschef Stefan Müller zunächst unnachgiebig zeigte und auf die Bedingungen pochte, die beide Seiten ausgehandelt hatten.

Am Ende steht ein Kompromiss

Das Landratsamt wollte eine mögliche Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus ausschließen – womöglich hervorgerufen durch dichtes Gedränge während des Zuges durch Günzburg. Doch die tatsächliche Zahl der Teilnehmer war dann so gering, dass der Einsatzleiter das Infektionsrisiko als vertretbar ansah. Bei dieser überschaubaren Menge konnten Mindestabstände eingehalten werden. „Wir sind als Polizei versammlungsfreundlich, wenn es die Bedingungen zulassen“, sagte Müller über seinen Meinungswandel.

Über die Augsburger und die Dillinger Straße, die B16, die Donaubrücke und den Auweg marschierten die Demonstranten zum Volksfestplatz. Vom Band gab es Rap, Schlager und Freude, schöner Götterfunke, auch ein Dudelsackpfeifer hatte sich unter die Teilnehmer gemischt. Hin und wieder erklangen Trillerpfeifen oder Rufe nach Frieden und Freiheit. Nur wenige Passanten verfolgten den Zug durch die Stadt am Straßenrand.

Das Werk des Teufels?

Auf Plakaten, T-Shirts oder Schirmen waren die inzwischen bekannten Parolen zu lesen: „1933/2020: Der Tod der Demokratie, keine Tyrannei, keine Diktatur“ oder „Immunsystem schützen statt Impfpflicht“. Ein Kind trug einen Schirm mit der Aufschrift „Spanische Grippe 1918 – Spanische Grippe 2020“. Der Ettenbeurer Bio-Bauer Hubert Krimbacher hatte ein Plakat „Wer die Menschen verwirrt und Angst macht, der betreibt das Werk des Teufels“ in der Hand, angeblich ein Ausspruch von Franz Josef Strauß. In Gesprächen mit unserer Zeitung wurde die Bundeskanzlerin als Kriegsverbrecherin bezeichnet, die sich für Menschenleben nicht interessiere. Rundweg abgestritten wurde, dass es eine Corona-Pandemie gebe.

Es gab auch einige wenige „Gegenplakate“. Ein Hausbewohner am Auweg stellte einen Karton auf seine Gartenmauer. „Ihr missachtet das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit“ hielt er den Demonstranten, die fast ausnahmslos keine Maske trugen, entgegen. Er wurde ebenso in Diskussionen verwickelt wie ein Paar aus Kötz, das ein Transparent mit der Aufschrift „Wer eine Maske unangenehm findet, wird ein Beatmungsgerät hassen“ zum Volksfestplatz brachte.

Warten in der Gluthitze

Da der Zug schneller als geplant am Ort der Kundgebung angekommen war, musste die inzwischen nach Polizeiangaben auf rund 400 Demonstranten angewachsene Menge mehr als eine Stunde in der Gluthitze warten, ehe die für 16 Uhr angekündigten Redner das Podium betraten. Ihre Ausführungen waren ähnlichen Inhalts. Corona sei lediglich der Deckmantel, um Unternehmen und Wirtschaft an die Wand zu fahren, erklärte die Zimmerermeisterin Petra Kühner, die in Leipheim ähnliche Kundgebungen organisiert hat.

Bis aus Augsburg und Mindelheim sind am Sonntagnachmittag Aktivisten nach Günzburg gekommen, denen die Corona-Einschränkungen deutlich zu weit gehen.  Die Organisatoren der ersten Günzburger Corona-Demo hielten sich nicht lange mit Teilnehmerzahlen auf. Sie freuten sich, dass nun diejenigen ihre Stimme erheben, die nicht der veröffentlichten "Mainstream-Mehrheit" entspricht.
30 Bilder
Corona-Demo in Günzburg: 400 auf dem Volksfestplatz
Bild: Ernst Mayer

Corona-Zahlen würden gefälscht und Corona-Hotspots konstruiert, „um uns für dumm zu verkaufen“. Es gebe kompetente Mediziner, die glaubhaft erklärten, dass es in Deutschland schon seit Wochen keine Neuinfektionen mehr gebe. Die rund 800.000 Corona-Toten weltweit machten lediglich 0,02 Prozent der globalem Bevölkerung aus.

Wer alles angeblich unter einer Decke steckt

Alles in allem steckten Politik, Pharmaindustrie und Mainstream-Medien unter einer Decke, um im September einen weiteren Lockdown zu inszenieren, erklärte Thomas Bayer, ein Kinobetreiber aus Hessen. Er informiere sich fast ausschließlich über Youtube. Ein weiterer Sprecher erklärte, die Kinder müssten ohne Maske und Abstand in die Schule, um wieder „ein trauma- und angstfreies Leben führen zu können“.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Till Hofmann:

Augenmaß in Corona-Zeiten

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