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Corona-Tests sind kein Ruhekissen

Kommentar Von Till Hofmann
28.08.2020

Die Tests sollen auch im Landkreis Günzburg intensiviert werden. Doch dabei bleiben viele Fragezeichen.

Es mutet schon seltsam an, was auf den verschiedenen politischen Ebenen alles geboten wird. Da brechen vor Monaten bereits immer wieder einzelne Bundesländer aus der Phalanx einheitlicher Regelungen aus, weil sich das Corona-Geschehen in Bayern eben anders darstellt als das in Mecklenburg-Vorpommern.

Und dann schlägt das Pendel und der Ruf wird wieder lauter, den Flickerlteppich endlich zusammenzuführen.

Ein weiteres Beispiel: Da scheint ein Mehr an Corona-Tests das Maß aller Dinge zu sein, um zwei, drei Wochen später vom Bundesgesundheitsminister zu vernehmen: Besser auf Quarantäne setzen. Ein Grund dafür ist, dass die Laborkapazitäten doch nicht ausreichen könnten.

Dieses „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ nervt. Doch auch die bayerische Lösung, allen Bürgern kostenfreie Tests anzubieten und deshalb die Kapa-zitäten vor allem in der Fläche auszudehnen, ist nicht unproblematisch. Denn es müssen ja nicht nur die Abstriche bei den Menschen gemacht, sondern diese auch analysiert und das Resultat den Betroffenen zeitnah gegenüber kommuniziert werden.

Die Pläne der Landespolitik müssen vor Ort umgesetzt werden

Wie es nicht geht, wurde in Bayern kürzlich offenkundig, als etwa an Autobahnen getestete Menschen tagelang nicht mitgeteilt wurde, ob sie denn nun Corona haben oder nicht.

Das hat Gesundheitsministerin Melanie Huml und Regierungschef Söder in Bedrängnis gebracht. Noch eine Panne in dieser Größenordnung dürfte politisch nicht folgenlos bleiben.

Die ehrgeizigen Pläne aus München müssen vor Ort umgesetzt werden. Die Vorlaufzeit spricht nicht unbedingt dafür, dass alles reibungslos klappen wird.

In Windeseile entstehen im Landkreis an den Medizinischen Versorgungszentren, die den Kreiskliniken in Günzburg und Krumbach angeschlossen sind, diese kommunalen Zentren. Personal muss dafür rekrutiert werden. Nur die Online-Anmeldung stellt sicher, dass täglich bis zu 250 Tests (und später 300) überhaupt möglich sind.

Wie aussagekräftig sind die Tests eigentlich?

Es bleibt abzuwarten, ob die Labore (derzeit fast eine Lizenz zum Geld drucken) Schritt halten können mit einer Nachfrage nach freiwilligen Tests, von der keiner weiß, wie hoch sie ausfallen wird.

Und man darf sich auch fragen, wie aussagekräftig freiwillige Corona-Tests jetzt von Lehrern sind, die im Landkreis bis Mitte des Monats angesichts des nahenden Schulbeginns bevorzugt Termine erhalten.

Diese Momentaufnahme kann gleich wiederholt werden, wenn Schüler und Lehrer nach den Sommerferien ab 8. September wieder zusammenkommen. Sonst bleibt ein negativer Test allenfalls ein Beruhigungströpfchen, das seine Wirkung bald wieder verliert.

An dem Hin und Her der Politik und den Streit um den effizientesten Weg ist gut ablesbar: Die Balance, mit welchen prophylaktischen, diagnostischen und therapeutischen Mitteln, in welchem Verhältnis und mit welcher Intensität auf das Virus reagiert wird, ist lange noch nicht erreicht.

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