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Kötz

25.03.2020

Corona: Wie Hausärzte um jeden Tag ringen

Dr. Wolfgang Stolle schützt sich vor Ansteckung bei Corona-Infizierten.
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Dr. Wolfgang Stolle schützt sich vor Ansteckung bei Corona-Infizierten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Fehlende Schutzausrüstung könnte das Ende des Praxis-Betriebs bedeuten. Doch die Not macht die Menschen in Kötz erfinderisch.

Der Wartebereich ist im Freien, die Türen sind geschlossen, das Personal trägt Schutzkleidung – Alltag in den Arztpraxen in Zeiten der Corona-Krise. In der Gemeinschaftspraxis Kötz-Bibertal von Dr. Wolfgang Stolle, Dr. Bärbel Pfeiffer-Zeller und Wolfram Bock in der Frühlingsstraße in Kötz wurde der Empfangstresen zur Sicherheit mit Plexiglas verkleidet. „Einer unserer Patienten hat eine professionelle Verblendung gebaut und unser provisorisches Wartezimmer sturmsicher verankert“, sagt Stolle über die Hilfe erfreut. Er lobt den Gemeinschaftsgeist: „Weil viele Menschen zusammenarbeiten, können wir den Praxisbetrieb noch aufrecht erhalten. Aber wenn wir nicht bald neue Schutzausrüstung bekommen, müssen auch wir schließen.“

Unterstützung kommt aus allen Richtungen

Dabei sind die Ärzte erfinderisch und versuchen in Eigeninitiative neue Masken zu organisieren. „Unser weitester Patient kommt aus Peking. Er hat Atemmasken auf den Weg geschickt, die uns jeden Tag erreichen sollen“, sagt Stolle. Er ist auch Betriebsarzt bei Alko und nutzt die internationalen Kontakte. Der ortsansässige Apotheker darf wieder Hände- und Flächendesinfektionsmittel herstellen, ein Lieferant hat noch Latex-Handschuhe im Angebot und das Seniorenheim in Leipheim half mit waschbarer Schutzkleidung aus.

„Wir versuchen, uns bestmöglich zu schützen. Nachts kochen wir die Kleidung und die Masken verwenden wir mehrfach. Doch das Risiko für uns ist hoch. Sollte sich ein Kollege anstecken, müssen wir schließen“, ist der Arzt realistisch.

Corona: Wie Hausärzte um jeden Tag ringen

"Alles ist auf Notbehandlung ausgerichtet"

Dabei versucht das ganze Dorf, die Risiken der Infektion gering zu halten. „Die Gemeindeverwaltung hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Mitarbeiter liefern Medikamente an ältere Patienten aus, um Wege zur Praxis und zur Apotheke zu vermeiden“, beschreibt Stolle die Maßnahmen. Seit Dienstag gibt es eine Videosprechstunde, in der einer der Mediziner konsultiert werden kann. „Das läuft gut an und wir könnten uns einen Ausbau dieses Service mit einem mobilen Gerät vorstellen, das direkt zu den Senioren oder in Einrichtungen gebracht werden könnte, falls diese nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen“, sagt Stolle.

Die Arbeitstage in der Praxis sind definitiv anders. Es gibt keine Routine- oder Vorsorgeuntersuchungen oder Überweisungen zu Fachärzten mehr. „Alles ist auf Notbehandlungen ausgerichtet. Doch Abstriche bei möglichen Patienten machen wir keine mehr. Das geht nur noch in Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) unter der Telefonnummer 116117“, berichtet der Mediziner.

Die Ärzte der Praxis stehen in engem Kontakt mit Kollegen, doch von der KVB wünschen sie sich mehr aktuelle, zeitnahe Informationen. Und Hilfe: Bislang ist von versprochenen Materiallieferungen nichts angekommen.

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