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Landkreis Günzburg

12.03.2020

Coronavirus: Besuchsverbot in Kliniken und Altenheimen

Mitarbeiter der Kreisklinik in Günzburg müssen sich in bestimmten Bereichen besonders schützen. Ab Freitag gilt für Krankenhäuser und Seniorenheime im Landkreis Günzburg bis auf Weiteres ein Besuchsverbot.
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Mitarbeiter der Kreisklinik in Günzburg müssen sich in bestimmten Bereichen besonders schützen. Ab Freitag gilt für Krankenhäuser und Seniorenheime im Landkreis Günzburg bis auf Weiteres ein Besuchsverbot.
Bild: Bernhard Weizenegger

Das Landratsamt reagiert mit drastischen Maßnahmen auf die Ausbreitung des Erregers. Welche Halle für zwei Tage zur Untersuchungsstation wird.

Die seit Mittwoch im Landratsamt Günzburg eingesetzte Koordinierungsgruppe „ Corona“ trifft für den Landkreis weitreichende Entscheidungen, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen. So tritt mit Wirkung ab Freitag ein striktes Besuchsverbot für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im gesamten Kreis Günzburg in Kraft.

Das betrifft nicht nur kreiseigene Einrichtungen. Die Allgemeinverfügung schließt alle Altenheime und Kliniken ein. Nach Auskunft von Landratsamtssprecher Karl-Heinz Thomann sind zwölf Seniorenheime an neun Standorten ( Burgau, Burtenbach, Günzburg, Ichenhausen, Jettingen-Scheppach, Krumbach, Leipheim, Thannhausen und Ursberg) betroffen. Dazu kommen die Kreiskliniken in Günzburg und Krumbach, das Therapiezentrum Burgau, die Fachklinik in Ichenhausen und das Krankenhaus St. Camillus in Ursberg. Eingeschlossen in das Verbot ist auch das Bezirkskrankenhaus in Günzburg. Wie lange es bestehen wird, kann momentan nicht gesagt werden.

Ein Zelt steht seit Donnerstagabend vor der Notaufnahme

Der Direktor Klinikmanagement am Günzburger Kreiskrankenhaus, Andreas Mugler, weist darauf hin, dass am Donnerstagabend ein Zelt des Katastrophenschutzes vor der Notaufnahme aufgestellt worden ist. Direkt in die Notaufnahme kann niemand mehr. Im Zelt selbst werden mögliche Patienten auf Symptome hin gesichtet und befragt, ob sie in Risikogebieten waren. Besteht ein Verdacht, wird derjenige direkt in die Station zwei gebracht, die für solche Patienten ab Montag komplett zur Verfügung stehen wird. Erst dann wird getestet. Im Zelt vor der Klinik gibt es solche Untersuchungen nicht.

Coronavirus: Besuchsverbot in Kliniken und Altenheimen

Auch die ärztliche Bereitschaftspraxis versieht ihren Dienst nicht mehr im Gebäude der Notaufnahme, sondern ist in die Baucontainer, die vor der Kreisklinik stehen, umgezogen.

Im Krankenhaus in Krumbach entfallen Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchungen (Mammografie-Screening) bis auf Weiteres.

Regelung in der Heiliggeist-Spitalstiftung

Für das städtische Alten- und Pflegeheim der Heiliggeist-Spitalstiftung Günzburg gilt bereits seit Donnerstag ein Besuchsverbot bis 30. April. Ausnahmen sind therapeutisch oder medizinisch notwendige Besuche, das Betreten durch Handwerker für nicht aufschiebbare bauliche Maßnahmen am Gebäude sowie durch Angehörige bei Vorliegen eines dringenden Notfalls.

Ebenfalls neu ist, dass eine „zentrale Abstrichstelle“ eingerichtet wird. Gesucht wurde ein im Kreis möglichst zentral gelegener Ort. Herausgekommen ist die Stadt Ichenhausen – und dort das Gelände der Probst Bus GmbH & Co. KG in der Alois-Probst-Straße. In einer Halle geschieht das. Die Zufahrt erfolgt auf der einen Seite, die Abfahrt auf der anderen. Am Freitag und Samstag werden dort diejenigen Personen auf das Coronavirus getestet, die vom Gesundheitsamt vorgeladen worden sind. Eine Untersuchung soll etwa acht Minuten dauern. Der Abstrich wird vom Personal des Gesundheitsamtes vorgenommen, sagt Thomann und betont noch einmal, „dass niemand ohne Vorladung getestet wird. Andere Personen werden abgewiesen.“

115 Kontaktpersonen von Infizierten identifiziert

Das ist schlichtweg eine Frage der Kapazität: Denn im Augenblick gibt es 115 Kontaktpersonen von Infizierten, die vordringlich überprüft werden müssten. Außerdem liegt die derzeitige Anzahl von Verdachtsfällen bei ungefähr 20.

Das alles ist noch geschehen:

Arztpraxis Eine Ausnahmesituation gibt es derzeit in der Arztpraxis Rommel in Burtenbach. Die Praxis ist zwar geöffnet, eine Ärztin sucht man allerdings vergeblich. Allgemeinmedizinerin Maren Rommel arbeit nämlich von daheim aus. Sie behandelte eine Patientin, die während der Untersuchungen positiv auf das Coronavirus getestet wurde. „Sie war kein Verdachtsfall, kam also aus keinem Risikogebiet und war keine Kontaktperson“, sagt Ärztin Rommel.

Praxis offen, Ärztin zu Hause

Die Medizinerin und eine Angestellte waren die einzigen Personen in der Praxis, die in Kontakt mit der Frau kamen. Rommel und die Arzthelferin sind seitdem nicht mehr in der Praxis. Sie sind nicht infiziert, sie zeigen auch keine Erkältungssymptome wie Husten, erklärt Rommel. Sie wird nun vom Gesundheitsamt auf das Virus getestet. Am Mittwoch war ihre Praxis geschlossen, seit Donnerstag ist sie wieder geöffnet. Rezepte und Folgebescheinigungen können also wieder abgeholt werden, geplante Blutentnahmen und EKGs werden weiterhin durchgeführt.

Die Ärztin schaut sich die Untersuchungsergebnisse der Patienten zu Hause am Rechner an, Rezepte und Ähnliches werden zwecks der benötigten Unterschrift zu Rommel nach Hause und dann wieder in die Praxis gebracht. „Damit kann ich den Betrieb einigermaßen aufrecht halten“, sagt Rommel. Sie will so schnell wie möglich ihre Arbeit wieder aufnehmen, da die Verunsicherung in der Bevölkerung sehr groß sei und viele Praxen überlaufen seien. Ihrer Meinung nach sei eine zweiwöchige Quarantäne bei negativem Ergebnis des Abstrichs in Anbetracht der medizinischen Versorgungslage zu lange.

Ein Spritzer Desinfektionsmittel

Zahnarzt Die Zahnarztpraxis in Krumbach gleicht einem Sicherheitstrakt. Kaum hat man sie als Patient betreten, wird man zum gründlichen Händewaschen geschickt. Sodann erhält man einen Klecks Desinfektionsmittel von einer Helferin in die Hände gespritzt, den man verreiben soll. Erst danach nimmt die Fachkraft an der Anmeldung die Krankenkassenkarte entgegen. Mit einem Tuch, nicht wie sonst einfach mit der Hand. Alle, außer der Patient, tragen Mundschutz. An der Tür und am Wartezimmer hängen laminierte DIN-A4 große Hinweise, auf denen mitgeteilt wird, dass man aufgrund der Krankheitswelle im Moment davon absehe, zur Begrüßung oder Verabschiedung die Hände zu schütteln.

Auch außerhalb der Behandlung werde man sich vermehrt mit Mundschutz sehen. Nur mit einem gesunden Team könne man den Patienten die bestmögliche Betreuung zukommen lassen, heißt es auf dem Hinweisplakat. Bei der Behandlung selbst trägt die Fachkraft zusätzlich zu ihrer eigenen Brille noch einen Plexiglas-Schild vor dem Kopf zum Schutz vor möglichen Keimen, die in die Augen gelangen können.

Apotheker: Vorsichtsmaßnahmen beachten!

Apotheken In der Bahnhofsapotheke in Krumbach ist der Informationsbedarf der Kunden unverändert groß, genauso wie die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln, berichtet Apotheker Mathias Müller. Er empfiehlt seinen Kunden, in Sachen Corona „einen kühlen Kopf zu bewahren“ – allerdings bei gleichzeitiger Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen. Handhygiene und das Vermeiden von Menschenansammlungen nennt er dabei an erster Stelle. Nach wie vor habe er sein Lager mit Arzneimitteln gut gefüllt. Außerdem weist er darauf hin, dass Apotheken grundsätzlich in der Lage seien, Desinfektionsmittel selbst herzustellen, und zwar zu einem akzeptablen Preis. Er habe dazu bereits einige Anfragen von größeren Firmen.

Schulen Immer mehr Schulen werden wegen Corona ganz oder klassenweise geschlossen. Schulamtsdirektor Thomas Schulze betonte, dass es sich nach wie vor um einen „vorsorglichen Gesundheitsschutz handle“. Vorgesehen sind die Schließungen jeweils, bis die Testergebnisse vorliegen. Die Hyazinth-Wäckerle-Grundschule Ziemetshausen, die bislang wegen eines Verdachtsfalles geschlossen war, ist am Freitag, 13. März, wieder geöffnet.

Testergebnis ist negativ

Auf der Schul-Website findet sich allerdings der Hinweis der Rektorin Alexandra Hahn, dass der für Freitag geplante Elternabend nicht stattfindet, sondern eine neue Einladung ergehen wird. Der Verdachtsfall hat sich nicht bestätigt, das Testergebnis ist negativ. Das ist auch wichtig im Hinblick auf die Schule als Wahllokal. „Es kann ganz normal gewählt werden in Ziemetshausen“, sagt Bürgermeister Anton Birle, die Wahlkabinen würden auch weit genug auseinander platziert.

Ganz geschlossen sind außerdem das Sonderpädagogische Förderzentrum Ichenhausen und die Theresia-Haltenberger-Grundschule Balzhausen. Von teilweisen Schließungen betroffen sind das Dossenberger-Gymnasium Günzburg, die Realschule Krumbach, die Dominikus-Zimmermann-Realschule Günzburg, das private Förderzentrum (Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) Ursberg, die Grundschule Bibertal, die Grundschule Deisenhausen, die Freiherr-von-Stain-Mittelschule Ichenhausen, die Grundschule Krumbach und die Grundschule Röfingen.

"Zeit gewinnen" ist das Motto

Dominikus-Ringeisen-Werk In Ursberg wurde am Mittwoch ein Mitarbeiter des Dominikus-Ringeisen-Werkes (DRW) positiv auf das Coronavirus getestet. Zwei Werkstattgruppen sind deshalb geschlossen und weitere Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne. Am Stammsitz in Ursberg leben etwa 900 Menschen mit Behinderung. Dabei handle es sich mit Blick auf Corona um eine Risikogruppe, betont Pressesprecher Manuel Liesenfeld, da die Menschen oft mehrfach gehandicapt seien. „Zeit gewinnen“ ist auch deshalb sein Anliegen.

Intern wurde ein Pandemieplan aktiviert, Verhaltens- und Hygieneregeln wurden kommuniziert. Interne Veranstaltungen wurden abgesagt und auch die Besprechungsstrukturen auf das zwingend Notwendige reduziert. Vom Besuch der Gottesdienste in den Kapellen des DRW wurde mit Blick auf den Schutz von Menschen mit Behinderung abgeraten.

Große Erfahrung

Walter Merkt, Vorstandsvorsitzender des DRW, vertraut auf seine Mitarbeiter, die „große Erfahrung mit Hygienestandards und Infektionskrankheiten“ haben.

Im Krankenhaus St. Camillus wurde bereits ein eigener Bereich eingerichtet, in dem die Bewohner im Bedarfsfall auf das Virus getestet werden können. (ioa, mili, abi, adö)

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