Newsticker
Impfkommission Stiko empfiehlt AstraZeneca jetzt auch für über 65-Jährige
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. DGB-Chef erklärt, warum sich Gewerkschaftsarbeit lohnt

Landkreis Günzburg 

31.01.2019

DGB-Chef erklärt, warum sich Gewerkschaftsarbeit lohnt

Günzburger Gewerkschafts-Triumvirat im Gespräch mit unserer Zeitung (von links): Helga Springer-Gloning (Verdi-Ortsvorsitzende), Günter Frey (1. Bevollmächtigter der IG-Metall Region Neu-Ulm/Günzburg) und Werner Gloning (DGB-Kreisvorsitzender).
Bild: Bernhard Weizenegger

Drei Gewerkschaften stecken im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Ziele für 2019 ab. Sie treffen auch auf einen „Feind der Demokratie“.

Gewerkschaftlich organisiert zu sein, lohnt sich. Das findet jedenfalls Werner Gloning, Günzburger Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Und er wartet mit Zahlen auf, die allerdings nicht für die Region gelten, sondern sich auf das gesamte Bundesgebiet beziehen: Danach habe es zwischen den Jahren 2000 und 2017 in tarifgebundenen Betrieben 43 Prozent Tarifsteigerungen gegeben. Bei den nicht tarifgebundenen Unternehmen sei es dagegen nur eine 17-prozentige Erhöhung gewesen.

Beim Weihnachtsgeld geht es in die gleiche Richtung. 77 Prozent der Betriebe, die sich tariflichen Vereinbarungen verpflichtet fühlen, haben es ausbezahlt. In der Kategorie „Firmen ohne Tarifbindung“ seien es hingegen nur 48 Prozent gewesen – „und das oft nur, weil die Betriebsräte für die Belegschaft das rausgeholt haben“. Das Fazit des 69 Jahre alten Gloning: „Wo die Tarifforderungen höher sind als der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Belegschaft, gibt es keine Aussicht auf Erfolg.“

Die Qualität des Arbeitsmarktes wird nicht beleuchtet

Die Arbeitsmarktzahlen sind für den DGB-Kreischef „zweifellos gut“. Man müsse aber endlich dahin kommen, dass nicht nur die Quantität statistisch abgefragt wird. „Es geht vor allem um Qualität.“ Damit meint Gloning prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Leiharbeit, Aufstocker, Scheinselbstständigkeit und Werkverträge. Nur diese umfassende Darstellung sei ein ehrlicher Blick auf den Arbeitsmarkt. Die Forderung erhebt der Gewerkschafter für 2019. Er hat das auch schon in der Vergangenheit getan. „Darin sieht man, dass der Fortschritt eine Schnecke ist.“ Die Kommunen und deren Spitzenverbände, findet Gloning, sollten im eigenen Interesse die Zahlen einfordern.

Damit die Altersarmut nicht stärker um sich greife, müsse sich dringend etwas ändern. Für ihn ist es weniger eine Generationenfrage als vielmehr eine Verteilungsfrage, die klug geklärt werden müsse. „Es wird häufig vergessen, dass die Produktivität heute viel höher ist als in der Vergangenheit.“ Für ihn ist deshalb „Geld da“. Ansetzen würde DGB-Mann Gloning bei der Erbschaftssteuer. Die gehöre erhöht, denn der Vorgang des Erbens habe ja „nichts mit Leistung zu tun“.

Gloning: Das Kapital der AfD ist die Verunsicherung der Menschen

Kein Pardon kennt er bei der AfD. Die Partei bezeichnet er als „rassistisch, fremdenfeindlich und Gegner der Demokratie“. Deshalb kann er nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet überdurchschnittlich viele Gewerkschaftsmitglieder eine Partei wählen, „die aus der Verunsicherung der Menschen ihr politisches Kapital schlägt. Dabei befinden wir uns noch nicht einmal in einer Wirtschaftskrise“, warnt er vor dem offenbar noch nicht ausgeschöpften AfD-Potenzial.

Günter Frey, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Neu-Ulm/Günzburg, hat in den beiden Landkreisen zu rund 180 Betrieben Kontakt – in zwei von drei Fällen sind Gewerkschaftsmitglieder die Verbindungsleute, bei etwa 60 Unternehmen ist es der Betriebsrat. Die Zeiten, in denen der Flächentarif die erste Wahl war, sind vorbei. Frey verhandelt häufig bilateral. Arbeitnehmer- und Arbeitgeber versuchen, sich betriebsspezifisch tariflich zu einigen. Mit Agco Fendt (vormals Lely) in Waldstetten sei dies mit einem Stufenmodell gelungen. Derzeit laufen mit Wanzl (Leipheim) in kleinem Kreis Verhandlungen.

Für Verdi bleibt die Pflege Großbaustelle

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi (knapp 1000 Mitglieder im Kreis Günzburg) ist nach wie vor an der „Großbaustelle Pflege“ tätig, berichtet die Ortsvorsitzende Helga Springer-Gloning. Aufgabe der eingesetzten Pflegekommission war und ist es, Arbeitsbedingungen in den Kreiskliniken zu verbessern. Der Personalmangel in Günzburg hat dazu geführt, das internistische und intensivmedizinsche Betten in dem Krankenhaus über einen längeren Zeitraum gar nicht belegt worden sind.

Springer-Gloning zieht sich 2020 aus der Stadtpolitik zurück

Im Frühjahr will die Kommission eruieren, was sich alles getan hat. Wenig später ist für Springer-Gloning nach über 30-jähriger Tätigkeit als Personalratsvorsitzende in der Kreisklinik Schluss. Am 1. August beginnt die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Und ihren Rückzug als Günzburger SPD-Stadträtin hat sie gegenüber unserer Zeitung auch angekündigt. 2020 wird sie nach 24 Jahren nicht mehr kandidieren.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren