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Einzelhandel

10.12.2020

DGB kritisiert Forderung nach längerer Ladenöffnung

Warum Gewerkschafts-Kreischef Gloning Schwierigkeiten mit der Haltung von Günzburgs OB Jauernig hat

Mit Erstaunen und völligem Unverständnis hat der DGB-Kreisvorstand Günzburg zur Kenntnis genommen, dass die bayerischen Oberbürgermeister der Großen Kreisstädte nach ihrer Tagung im Oktober in Günzburg vorgeschlagen haben, die Ladenöffnungszeiten auszudehnen. Angeb-lich, um für den Einzelhandel die negativen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern, wie der DGB in einer Mitteilung schreibt.

Das Problem des Einzelhandels, so der Kreisvorsitzende Werner Gloning, seien nicht zu kurze Ladenöffnungszeiten, sondern eine zu geringe Nachfrage. Die Verbraucher seien verunsichert, weil sie nicht wüssten, was die Krise für sie noch an negativen Auswirkungen bringen werde. Eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten würde daran nicht das Geringste ändern, sondern nur zusätzliche Kosten für den Einzelhandel mit sich bringen. Zu wenig Nachfrage auf noch längere Ladenöffnungszeiten zu verteilen, ergebe keinen Sinn.

Damit kritisiert Gloning auch, ohne den Namen explizit zu nennen, seinen Parteigenossen, Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. Der hatte sich im Angesicht der Pandemie wiederholt für weniger restriktive Ladenschlusszeiten eingesetzt, um den Einzelhandel zu stützen.

Die Gewerkschaftsseite beurteilt die Sache anders: In der ersten Corona-Welle sei plötzlich von allen Seiten entdeckt worden, wie systemrelevant die meist schlecht bezahlten Beschäftigten im Einzelhandel seien und wie wichtig deren Arbeit sei, so die Günzburger Vorsitzende der auch für den Handel zuständigen Gewerkschaft Verdi, Helga Springer-Gloning. Die Beschäftigten hätten sich vor Lob kaum noch retten können. Und jetzt sollen „zur Belohnung ihre ohnehin schon schlechten Arbeitsbedingungen noch weiter verschlechtert werden“. Springer-Gloning: „Das ist zynisch gegenüber den Beschäftigten. Und niemand braucht sich zu wundern, wenn dann Reaktionen wie ,Denen da oben kann man sowieso nichts glauben‘, folgen.“

Für die stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende Gabriele Brenner sind die Vorschläge der Oberbürgermeister der Großen Kreisstädte der leicht zu durchschauende Versuch, die Corona-Pandemie zu missbrauchen, um Vorhaben durchzusetzen, die bisher nicht mehrheitsfähig waren und die mit Corona eigentlich nichts zu tun haben.

Von einer Ausweitung der Ladenöffnungszeiten profitieren aus Sicht von Werner Gloning viel-leicht einige große Handelsketten und -konzerne. „Die Zeche dafür zahlen der innerstädtische Einzelhandel, die kleinen und mittleren Fachgeschäfte und die im Handel Beschäftigten.“ Gloning: „Wenn die Oberbürgermeister den Einzelhandel wirksam fördern wollen, sollen sie lieber die Gewerkschaften unterstützen, wenn diese für gute Tarifabschlüsse und dafür, dass möglichst viele Beschäftigte auch nach Tarif bezahlt werden, kämpfen.“ Das sei das beste Förderprogramm für den Einzelhandel, das denkbar sei, so der DGB-Kreisvorsitzende abschließend. (zg)

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