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11.03.2009

DSL auf dem Land: Schelte für die Telekom

Obergessertshausen Alois Kling platzte der Kragen: "Die Telekom missbraucht ihre Monopolstellung brutal", sagte der sonst ruhige Bürgermeister von Aichen, der für seine Kollegen aus dem Landkreis Gastgeber war. Sie hatten sich gestern im Sportheim im Ortsteil Obergessertshausen getroffen. Ein heiß diskutiertes Thema: Breitband auf dem Land.

Kling berichtete von einer Familie, die sich in der Gemeinde niedergelassen hat. Um sicher zu gehen, dass in Aichen tatsächlich DSL verfügbar ist, hätte sie sich bei der Telekom kundig gemacht. Nach dem Einzug erlebte die Familie ein böses Erwachen: kein DSL, keine schnelle Internet-Verbindung. "Man wird nur angelogen und vertröstet", zürnte Kling. Sein Ziemetshauser Kollege Anton Birle sprach von einer "Sauerei", was die Herausgabe von Daten angehe, die Anschlüsse betreffen. Auch Bürgermeister Georg Schwarz aus Thannhausen kochte innerlich: "Die Telekom ärgert mich seit Jahren." Er fragte, warum es für das ehemals staatliche Unternehmen keine Konzessionsabgabe wie beispielsweise für Strom- und Wasserversorger gebe. Sie müssen für das Recht bezahlen, öffentliche Verkehrswege nutzen oder Stromleitungen verlegen zu dürfen. Schwarz zeterte: Dem Infrastrukturauftrag, den die Telekom eigentlich hat, werde sie schon lange nicht mehr gerecht.

Dieser verpflichtet sie aber nicht, flächendeckend Breitbandanschlüsse anzubieten - das erklärte der frühere bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber zum Thema Breitband im ländlichen Raum. Huber: "Anders als herkömmliche Festnetzanschlüsse gehören Breitbandanschlüsse nicht zu den Universaldiensten, zu denen alle Zugang haben müssen."

Doch genau das ist der Punkt, wie am Rande der Bürgermeisterversammlung deutlich wurde - Breitband ist mittlerweile ein Standortfaktor. Wer junge Familien aufs Land locken will, muss ihnen auch Internet anbieten. Und das lässt sich die Telekom kosten. In den meisten Fällen ist das für die Gemeinden kaum zu schultern. Oder doch?

Wie die Kommunen Fördermittel vom Freistaat bekommen können, erläuterte Roland Zeltner von der Breitbandberatung Bayern. Er ist als Projektleiter unter anderem für Schwaben zuständig. Neben dem Förderverfahren erläuterte er die Schritte zu einem Konzept für eine hochbitratige Breitbandanbindung der Gemeinden und ihrer Ortsteile. Es gelte, auch gemeindeübergreifend ein Infrastrukturkataster zu erstellen. Das heißt zum Beispiel: Wo gibt es verfügbare Leerrohre, die für Glasfaserkabel genutzt werden können? Gemeinden sollten außerdem darauf achten, bei Baumaßnahmen vorsorglich genügend Leerrohre einzuplanen. Nur so werde der ländliche Raum für Anbieter attraktiv. "Beim Kabel haben wir bislang überhaupt keinen Wettbewerb", sagte Zeltner.

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