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Wettenhausen

22.03.2016

Das Kloster wird nach Jahrhunderten nun neu vermessen

Das Kloster Wettenhausen im Kammeltal.
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Das Kloster Wettenhausen im Kammeltal.
Bild: Bernhard Weizenegger

Von außen sieht man dem Gebäudekomplex kaum an, welche Mammutaufgabe drinnen derzeit bewältigt wird: Es geht schlicht um die Zukunft.

Das Jubiläumsjahr mit seinen zahlreichen Feierlichkeiten und Veranstaltungen ist vorüber. Ruhiger ist es seitdem im Kloster Wettenhausen freilich nicht geworden. Denn nach den Feiern zum 150-jährigen Bestehen des Konvents der Dominikanerinnen im vergangenen Jahr, bei dem die Menschen des Klosters im Mittelpunkt standen, geht es seit einigen Monaten verstärkt um Decken, Wände und Böden. Und erstmals seit gut dreihundert Jahren wurden Pläne es Klosters gezeichnet.

Olaf Ude, Geschäftsführer der Kloster-GmbH, erklärt: „Wir haben zwar Pläne, wunderschön handkoloriert, aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Für die jetzigen Zwecke sind sie aber leider sinnlos.“ Denn die historischen Karten zeigen längst nicht alles, was sich in den vergangenen Jahrhunderten an den Gebäuden verändert hat. Und vor allem zeigen sie nicht, wo statische Probleme auftauchen, wo Feuchtigkeit in den Wänden hochkriecht oder Fenster undicht sind. Hier kommt nun Egon Kunz ins Spiel.

Der Architekt aus Neusäß ist spezialisiert auf historische, denkmalgeschützte Gebäude. Das Kurhaustheater in Göggingen, die Ehemalige Synagoge Ichenhausen, oder Schloss Edelstetten stehen bereits auf seiner Referenzliste. Nun macht er sich gemeinsam mit einem Team an die Mammut-Aufgabe, das Kloster Wettenhausen mit seinen Wirtschaftsgebäuden zu katalogisieren. Für Priorin Schwester Amanda Baur führt kein Weg an dieser kostspieligen und langwierigen Arbeit vorbei. „Wir waren genötigt, das zu machen. Uns fehlen die Pläne vom Haus. Und wir fragen uns oft: Wie viele Leute dürfen wir in den Kaisersaal lassen? Und wie sicher ist die Decke?“

Es ist eine Menge zu tun

„Wie ein Arzt, der jemanden untersucht, um herauszufinden, was ihm fehlt“ – so beschreibt Egon Kunz seine Aufgabe in Wettenhausen. Nach den Gebäudeplänen, die ein Ingenieur in den vergangenen Monaten erstellt hat, entsteht darum jetzt ein Raumbuch, das die Ergebnisse von Begehung und Beurteilung der Räume darstellen wird. Wo sind Risse in den Wänden? Wie stabil sind die Auflager über den Fluren? Es ist eine Menge Arbeit, die vor ihm liegt. „Wir sprechen hier über mehr als 100 Räume, ohne die Flure und ohne den Kreuzgang.“

40 000 Kubikmeter umbauter Raum warten auf Begutachtung. Ein Architekt müsse unheimlich fleißig sein, um das alles anzuschauen, sagt Kunz. Und wie für so viele, die in Kontakt mit dem Wettenhauser Kloster kommen, ist auch für ihn die Arbeit hier inzwischen mehr als Arbeit. „Die Schwestern haben es sich zur Aufgabe gemacht, das alles hier zu erhalten. Da kann man auch Architekt nicht einfach so rangehen, da steckt viel mehr drin.“

Geduld und Bedacht sind wichtig für die Arbeit

Trotzdem muss der erfahrene Fachmann mit Geduld und Bedacht an die Arbeit gehen. Die wird dauern: „Danach kommt dann die große Rechnerei.“ Denn all die Untersuchungen dienen natürlich dem einen, großen Ziel, nämlich dem Erhalt des Klosters für die kommenden Generationen, die sich die Schwestern vorgenommen haben. Welche Probleme gilt es anzugehen? Welche Arbeiten sind nötig – vor allem mit Blick auf eine künftige Nutzung der Klostergebäude?

Großes Thema ist dabei der Brandschutz, sagt Egon Kunz. Nicht nur für die Menschen im Gebäude, auch für wertvolle Kunstschätze wie den berühmten Palmesel des Klosters braucht es Rettungswege. Aufzüge müssen eingeplant werden, um die Barrierefreiheit zu sichern, WC-Anlagen ihren Platz finden. Das alles interessiert nicht nur Konvent und Kloster-GmbH, sondern vor allem den Denkmalschutz. Denn die Arbeiten werden große Summen verschlingen, mehrere Millionen Euro, für die dringend Fördergelder gebraucht werden.

Priorin Schwester Amanda: „Ohne Unterstützung des Entschädigungsfonds, ohne das Denkmalamt, können wir das nicht schaffen.“ Die Priorin legt Wert darauf, dass die Klausur als geschlossener Bereich erhalten bleibt – immerhin hat der Konvent im vergangenen Jahr Zuwachs erhalten und blickt auch als Ordensgemeinschaft in die Zukunft. Die anderen Räume aber sollen der Öffentlichkeit zugänglich sein – für Exerzitien, für Tage der Ruhe, für eine Gebetsschule etwa. „Ich bin in der Verantwortung meinen verstorbenen Mitschwestern gegenüber – was wir hier machen, muss hieb- und stichfest sein, damit ich meinen Vorgängerinnen einmal guten Gewissens gegenübertreten kann.“

Es könnte noch viele Angebote geben

Weltlicheren Genüssen könnten dann die Wirtschaftsgebäude einmal offen stehen – neben dem Kindergarten, der bereits hier untergebracht ist, ist an Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher, an Angebote für Wohnen im Alter, vielleicht eine Gastronomie gedacht, in der man zum Beispiel Hochzeit feiern könnte. „Auch der Hof wird in die Untersuchung mit einbezogen“, sagt Architekt Kunz. Denn die Frage, wo künftig geparkt werden kann, oder ob der Klosterhof seinen früheren Charakter der Ruhe wiederbekommen kann, spielt natürlich ebenfalls eine Rolle.

Die künftige Nutzung müsse sich auf den Bestand einstimmen – und die Verantwortlichen müssten sich mit Geduld wappnen, so Kunz. Denn auch für die Ausführung der Arbeiten wird es dann echte Spezialisten brauchen, und Handwerker, die im Umgang mit denkmalgeschützen Bauwerken versiert sind, gibt es nicht so viele. Ein Jahr könne es dauern, bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind und der Bericht vorliegt, den der Denkmalschutz für die Bewilligung von Fördergeldern – auch europäische Mittel seien durchaus denkbar – als Grundlage braucht. So lange wird hinter den Klostermauern fleißig an der Zukunft gearbeitet – auch wenn man das von außen vielleicht gar nicht so sieht.

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