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Kötz

08.11.2019

Das Kötzer Nein zur Osttrasse der B16 wackelt

Im September 2014 hatte sich der Kötzer Gemeinderat einstimmig gegen die Osttrasse der B16-Umfahrung ausgesprochen, Anwohner hatten ihre Ablehnung seitdem auch auf Schildern geäußert. Jetzt diskutiert das Gremium darum, ob er an seinem Beschluss festhalten will.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Im Kötzer Gemeinderat ging es wieder einmal um die geplante Ortsumgehung zwischen Ichenhausen und Kötz. Diesmal ging es darum, ob das Gremium an dem Beschluss aus dem Jahr 2014 und der Ablehnung der Osttrasse festhalten will.

Die Eröffnung der Gemeinderatssitzung hatte durchaus Charme, wenn gleich die Themen auf der Tagesordnung nicht gerade einfach waren. „Nicht normal, dass so viele Leute da sind“, sagte Dritter Bürgermeister Valentin Christel, der für den längerfristig erkrankten Kötzer Bürgermeister Ernst Walter die Sitzung leitete, und er fügte schalkhaft hinzu: „Hoffentlich nicht wegen mir.“

Etwa 20 Zuhörer waren gekommen, es mussten noch Stühle geholt werden. Eines der herausragenden Themen kam denn auch sofort zur Sprache. Gemeinderat Michael Seitz bat darum, Beratung und Beschluss über die geplante Ortsumgehung Ichenhausen-Kötz zu vertagen, „auf Grund fehlender Info“, wie er sagte. Unterstützung bekam er von Werner Wöhrle, dem die vorliegenden Informationen ebenfalls zu dürftig waren.

Keine endgültige Entscheidung

Zwar wurde der Antrag auf Vertagung mit sechs Ja-Stimmen und neun Gegenvoten abgeschmettert, letztlich fiel im Kötzer Gemeinderat aber doch keine endgültige Entscheidung über die zukünftige Umgehungsstraße für Kötz und Ichenhausen.

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Im Oktober war die grundsätzliche Haltung des Gemeinderats zur Ortsumfahrung angefragt worden, Grund dafür war ein Bericht in der Günzburger Zeitung, in dem der Grünen-Kreisrat und Landtagsabgeordnete Maximilian Deisenhofer davon gesprochen hatte, dass von fünf beteiligten Kommunen vier gegen die Ostumfahrung seien.

Soll der Beschluss des Jahres 2014 revidiert werden?

In den Sitzungsunterlagen für die Gemeinderäte war dazu ein Gemeinderatsbeschluss zitiert, den das Gremium im September 2014 einstimmig gefasst hat: „Der Gemeinderat spricht sich gegen die Wahllinie 1 (Osttrasse) der geplanten Ortsumgehung B16 im vorliegend vorgesehenen Verlauf innerhalb des Bereichs der Gemeinde Kötz aus, da durch die vorgenannte Trasse keine befriedigende Verkehrsentlastung für Kleinkötz mit Waldsiedlung erreicht werden kann. Die Gemeinde Kötz wird sich deswegen zu gegebener Zeit um eine kommunale Lösung bemühen.“ Die große Frage lautete also: Will der Gemeinderat an diesem Beschluss festhalten oder ihn revidieren?

Gegenüber der Linienbestimmung von 2014 habe es Verbesserungen für Kötz, speziell für die Waldsiedlung, Kleinkötz und Ebersbach gegeben, sagte Geschäftsstellenleiterin Sabine Ertle. Dabei nannte sie unter anderem die Tieferlegung der Umgehungsstraße bei Ebersbach, die außerdem von ursprünglich 180 auf 280 Meter von diesem Ortsteil abrücken soll. Auch der Abstand zur Waldsiedlung wurde vergrößert, von ursprünglich 120 auf 190 Meter. Die Distanz zwischen Kleinkötz und der Umfahrungsstraße im Osten soll anstatt 274 nach neueren Planungen 765 Meter betragen.

Informationen über die aktuelle und nachgebesserte Linienführung, die erst am Sitzungstag im Kötzer Rathaus eingetroffen sind, waren den Gemeinderäten aber zu dürftig, um wie von der Verwaltung vorgeschlagen, der Ostumfahrung jetzt doch grundsätzlich zuzustimmen. Man wisse gar nicht, worüber man beschließen solle, sagte Gemeinderat Alois Gast: „Ich habe gehofft, dass mehr kommt.“ Auch Michael Seitz wollte vor einem Beschluss „den aktuellen Stand“ haben, ebenso wie Thomas Wöhrle, damit eventueller Nachbesserungsbedarf geäußert werden kann.

Gemeinderat sieht Probleme für jeden Ortsteil

Außerdem befürchtet Thomas Wöhrle durch die Ostumfahrung zusätzlichen Quellverkehr in der Ebersbacher Straße, auch darüber müsse man mit dem Staatlichen Bauamt sprechen. Er sieht „in jedem Ortsteil Probleme“ und kritisierte: „Wir verlassen uns nur auf andere Stellen“, die Gemeinde selber habe keinen Plan, wie sie den Verkehr in erträgliche Bahnen lenken wolle. Werner Wöhrle pflichtete dem bei: „Wir sollten uns um kommunale Lösungen bemühen.“

Ratsmitglied Michael Mairle wies auf Befürchtungen von Großkötzer Bürgern hin, dass die geplante Verlegung der Kreisstraße GZ5 mehr Verkehr bringe. Er plädierte dafür, die Ostumfahrung entgegen dem Gemeinderatsbeschluss von 2014 nicht mehr grundsätzlich abzulehnen und sagte: „Mir gefällt die auch nicht. Aber wir kriegen nichts anderes.“ In dieselbe Kerbe hieb Gemeinderätin Yvonne Hartmann. Sie äußerte die „Sorge, dass wir gar nichts kriegen“, wenn alle sich gegen die Ostumfahrung aussprechen, deren Bau das Bundesverkehrsministerium weiter voranbringen will. Derzeiterstellt das Staatlichen Bauamt Krumbach den Vorentwurf.

Einige Nachbesserungen gab es bereits

Einen salomonischen Weg rückte Dritter Bürgermeister und Sitzungsleiter Valentin Christel in den Blick: „Vielleicht kann man sich mit dem Plan mal anfreunden“, sagte er, immerhin habe man schon einige Nachbesserungen an der Ostumfahrung zugunsten der Gemeinde Kötz erreicht.

Ein abschließender Beschluss über ein Ja oder ein Nein zur Osttrasse aber wurde nicht gefasst. Zuvor wollen die Kötzer Gemeinderäte einen Vertreter des Staatlichen Bauamts in eine Sitzung einladen, um ganz aktuelle Informationen aus erster Hand zu bekommen.

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