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Günzburg

06.12.2018

Das Minholz-Areal soll bald Geschichte sein

Aus einer Industriebrache wird ein Neubaugebiet. Auf dem großen Areal im Herzen des Günzburger Stadtteils Wasserburg - das sogenannte Minholz-Areal - sollen 25 bis 30 Wohnhäuser für junge Familien entstehen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Bebauungsplan für das ehemalige Fabrikgelände im Günzburger Stadtteil Wasserburg kommt voran. Was jetzt noch zu tun ist.

„Manchmal bekommt man gerade zum Ende des Jahres Briefe, über die man sich nicht so freut. Aber diese Zuschriften freuen mich sehr.“ Es sind Stellungnahmen zu einem Vorhaben, das die Stadt seit weit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt, die bei Oberbürgermeister Gerhard Jauernig für eine derart gute Stimmung sorgen: zum Wasserburger Minholz-Gelände. Hinter dem neuen, etwas sperrigeren Namen „Zwischen Bahnlinie Günzburg-Mindelheim und der Straße Am Rain“ verbirgt sich ein neuer Bebauungsplan der – mit etwas Glück – bereits im nächsten Jahr die Grundlage für Bauarbeiten auf dem ehemaligen Firmengelände sein wird.

Seit seinem Amtsantritt vor 17 Jahren sei er nun schon mit der Angelegenheit befasst, sagte Jauernig im Bau- und Umweltausschuss des Stadtrats. „Die dortige Gemengelage hatte zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner dort geführt.“ Das habe an der – lange Zeit noch zulässigen – gewerblichen Nutzung auf dem Areal gelegen, das in Wasserburg direkt an den Bahnschienen angrenzt. Nun sei es mit den neuen Grundstücksbesitzern gelungen, zu einer guten Lösung zu kommen: 25 bis 30 Häuser für junge Familien, die gute Wohnqualität schätzten, sollen nun dort entstehen. „Kurz vor Weihnachten ist das eine gute Sache.“

Der Grund dafür, dass sich der Oberbürgermeister über die in diesem Zusammenhang eingegangenen Schreiben freut, ist ganz einfach: Der Großteil der Stellungnahmen von Behörden und Unternehmen muss – wenn diese überhaupt etwas einzuwenden hatten – nicht abgewogen werden.

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Züge sollen dort mit 80 Stundenkilometern fahren

Ein Einwand dagegen trübte die Vorweihnachts-Stimmung ein wenig: Die DB Immobilien der Deutschen Bahn nahm die Einwendung zum Anlass, um Pläne der Bahn zu offenbaren, auf der Strecke zwischen Wasserburg und Kleinkötz Züge mit 80 Stundenkilometer fahren zu lassen. Dazu müsse ein Bahnübergangskonzept in Abstimmung mit der DB Netz AG ausgearbeitet werden. „Offenbar wird hier versucht, das Bebauungsplanverfahren zu nutzen, um das Thema anzubringen“, ärgerte sich Jauernig. Immerhin habe die Stadt schon „zähe und langwierige Gespräche“ mit der Bahn bezüglich des Wasserburger Bahnübergangs hinter sich. Wie berichtet, war unter anderem nach mehreren Unfällen beim Wasserburger Sportheim der Wunsch nach einer Sicherung des Bahnübergangs laut geworden – die Bahn hatte damals angegeben, dass bei der derzeitigen Situation eine Sicherung mit Schranken nicht möglich sei. „Das alles hat aber nichts mit dem Bebauungsplan zu tun“, betonte der Oberbürgermeister. Aus diesem Grund wird das Verfahren – so beschloss es der Bauausschuss einstimmig – dennoch so weitergeführt wie von der Stadt vorgesehen.

Einwendungen des Landratsamts haben jedoch eine Auswirkung auf die Planungen: Grund dafür ist die nahe Wasserburger Chemiefabrik. Die Untere Immissionsschutzbehörde des Landratsamts hatte darauf hingewiesen, dass die Bebauung in Riegelform auf dem Areal als potenzieller Schutz vor Druckwellen bei Explosion angedacht sei – zumindest ein Teil der Häuser deswegen selbst ungeschützt blieben. Ein Statiker-Gutachten liegt zwar noch nicht vor, der Investor verzichte jedoch aufgrund der schwierigen Gestaltung darauf, den Bereich innerhalb des Sicherheitsabstands zu bebauen, sagt die Stadtverwaltung. Der nach einem TÜV-Gutachten von 2017 errechnete Sicherheitsabstand von 176 Metern zur Bebauung werde damit eingehalten.

Schall- und Artenschutzgutachten fehlen noch

Das TÜV-Gutachten trifft auch Aussagen über die toxische Gefährdung durch das Gebiet im Falle eines Chemieunfalls. Davon wären einige wenige Häuser im östlichen Teil des Bauriegels betroffen. Eine Problematik, die bei Verwaltung und Bauausschuss nicht als gravierend angesehen wurde. Günter Treutlein regte an, die betroffenen Häuser auf den Grundstücken ein Stückchen zu versetzen, damit sie außerhalb des auf den Plänen eingezeichneten Radius liegen können. Angelika Fischer (GBL) sah dies nicht als notwendig an. „Das ist nur eine Linie – wenn sich toxische Gefahr ausbreitet, dann durch die Luft. Sie macht an keiner Linie halt.“ Sollte tatsächlich etwas passieren, müsse das Gebiet ohnehin vollständig evakuiert werden.

Was nun noch fehlt, sind Schall- und Artenschutzgutachten – und ein städtebaulicher Vertrag, den die Stadt mit dem Investor schließt und bei dem auch die soziale Bodenordnung zum Tragen kommen wird. „Im Frühjahr 2019 wollen wir zur Auslegung der Pläne kommen“, skizzierte der OB den Zeitplan. „Im Laufe des Jahres könnte dann schon gebaut werden.“

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