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Theater

07.07.2014

Das ganze Kloster ist eine Bühne

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7 Bilder
Die Wilden: Puck (Joshua Hupfauer) mit den Elfen Spinnweb (Maria-Rosa Vogele) und Erbsenblüte (Sophia Maas).

Shakespeares „Sommernachtstraum“ wird zum sommerlichen Rundgang über das Wettenhauser Klosterareal. Dabei muss man manches nicht immer verstehen – aber alles genießen

„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler.“ Shakespeare hat das geschrieben, allerdings nicht in seinem Sommernachtstraum, sondern einige Jahre später, in „Wie es Euch gefällt“. Zum Wettenhauser Sommernachtstraum, der am Freitag seine Premiere feierte, passt der Satz allerdings hervorragend – denn das Stück, das Philipp J. Neumann in Zusammenarbeit mit dem Neuen Theater Burgau, dem St. Thomas Gymnasium, der Berufsfachschule für Musik, dem Freundeskreis und nicht zuletzt der Klostergemeinschaft selbst präsentiert, macht die ganze Kloster-Welt zur Bühne für das Verwirrspiel um Menschen und Elfen.

Wer in der Region gerne ins Theater geht, dem sind viele der Darsteller vertraut – die „Handwerker“ Dörte Trauzeddel, Marion Wessely und Vera Hupfauer hat man schon im Neuen Theater Burgau gesehen. Elke Schneidmadl (Hippolyta) spielte im Wintertheater Bubesheim. Olaf Ude (Theseus) und Helmut Kircher (Demetrius) zuletzt in Ichenhausen in „Der Gott des Gemetzels“.

Spannende Neuentdeckungen sind freilich die jungen Schauspieler, die Hauptrollen in Shakespeares Komödie spielen: Da ist Lotta Thoms als Titania, der man jede Laune der Königin der Elfen abnimmt, die sie glucksend preisgibt – ein junges Talent mit großer Spielfreude. Ihr Oberon, Mathias Heim, macht nicht nur in seiner tänzerischen Interpretation des Elfenkönigs eine gute Figur. Voller jugendlichem Überschwang ist Joshua Hupfauer in der Rolle des Puck – er gibt den Hofnarren des Oberon mit einer solchen körperlichen Präsenz, dass sich vor Ungestüm manchmal nicht nur die Stimme, sondern gleich der ganze Puck überschlägt. Eine beeindruckende Naturgewalt auf den aus Naturstämmen gezimmerten Bühnen, welche die Zuschauer wie bei einem Rundgang durch die Klosteranlage besuchen.

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Kaisersaal, Kriegsdenkmal, Waschhaus, Bienenstock, Wiese und Klosterhof bilden die Stationen des Stücks, die Zuschauer und Künstler gemeinsam bereisen. Ein geschickter Schachzug, denn natürlich verfolgt auch das Theaterprojekt den Zweck, Aufmerksamkeit auf die historische Klosteranlage zu ziehen, das Gebäudeensemble ins Bewusstsein des Publikums zu bringen, um die Voraussetzungen für sein Fortbestehen und seine künftige Nutzung zu schaffen. Und so geht es zwischen Bäumen, Gebäuden und Gewächshäusern immer hinter dem Pferdegespann her, auf dem die Band (Veronika Fraidling, Jan Kollmann, Korbinian Kugler, Susan Pobielski, Sonja Wagner) die modern arrangierte Musik Felix Mendelssohn-Bartholdys spielt. Den berühmten Hochzeitsmarsch darf die Blasmusik aus Wettenhausen und Ettenbeuren zum Besten geben – bei der standesgemäß im Klosterhof gefeierten Heirat des Herzogs von Athen und der Königin der Amazonen. Überhaupt spielt die Musik – wie sollte es anders sein am Standort eines musischen Gymnasiums – eine große Rolle. Und die radelnden, kreischenden, rennenden Elfen, allesamt Grundschüler und Unterstufenchormitglieder des Gymnasiums, tun dazu ihren Teil, wenn sie die Elfenkönigin in den Schlaf singen und am Ende den Paaren ihren Segen geben.

Warum dabei immer wieder Müllsäcke eine Rolle spielen, warum sich Oberon und Titania um einen Atommüll-Behälter streiten – man muss es nicht verstehen. Genießen sollte man diese Interpretation des vor mehr als 400 Jahren entstandenen Stückes aber auf jeden Fall. Denn dass das ganze Kloster zur Theaterbühne wird, gibt es mit Sicherheit nicht alle Tage. Genossen haben den Premierenabend auch die Bewohnerinnen des Klosters – einige der neun Dominikanerinnen verfolgten das Stück. Und Priorin Schwester Amanda Bauer wurde zum begeistert beklatschten Gaststar an der Gitarre auf der Bühne, die diesen Sommer in ihre Welt kam.

am 10., 12., 18., 19., 20., 22. und 30. Juli jeweils um 20 Uhr in der Klosteranlage Wettenhausen. Karten unter 0172/4722204 oder im Internet unter

www.neues-theater-burgau.de

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Mehr Bilder vom Sommernachtstraum im Kloster Wettenhausen gibt es online unter

guenzburger-zeitung.de/bilder

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