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Beues Theater

07.03.2016

Das ist so ein Kerl doch nicht wert

Begeistert das Publikum mit ihrem großartigen Soloauftritt in der Komödie „Männer und andere Irrtümer“: Marion Wessely auf der Bühne des Neuen Theaters Burgau.
Bild: Wolfgang Kahler

Marion Wessely zeigt ein facettenreiches Solo mit der Komödie „Männer und andere Irrtümer“

„Man bringt sich doch nicht wegen eines Kerls um“, sagt die verlassene Ehefrau und lässt die Pistole fallen. Marion Wessely zeigt im neuen Solostück des Neuen Theaters Burgau, wie es um die zwischenmenschlichen Beziehungen so steht, wenn der Mann in die Midlife-Crisis kommt. Das Premierenpublikum applaudierte der „One-Women-Show“ begeistert.

Eigentlich hat das Paar sein ganz und gar bürgerliches Leben nett eingerichtet. Das Reihenhäuschen in der Stadt, das Ferienhäuschen in Garmisch und auch sonst scheint alles perfekt. Er um die 45, sie 40: „Ich war immer eine glückliche Frau, die alles hat“, sinniert die Darstellerin. Er kam heim und fragte: „Was gibt’s zu essen“, war liebevoll, feinfühlig, „ein richtiger Schatz“. Dabei bleibt es nicht. Auf einmal ist der Fernseher wichtiger als die gemeinsame Unterhaltung: „Der Strom fließt nicht mehr.“

Dann kommt der Knall und eines Tages steht „sie“ ganz allein da. Er muss dringend Überstunden machen, ruft an: „Ich habe eine Autopanne in Donauwörth“, kommt also erst morgen zurück. Er hat ein Verhältnis. Aber mit wem, fragt ihn die Gattin beim klärenden Gespräch, mit welcher ihrer Freundinnen. Marion Wessely schlüpft souverän in die etwa 20 Rollen der Komödie als Ehemann, dessen Freundin „Fee“ und in die mehrerer Liebhaber. Aber nicht nur die Männer bekommen in dem erfolgreichen Boulevardstück ihr Fett weg: „Ich bin hässlich, dämlich, bin selbst schuld, hab’ mich gehen lassen“, bedauert sich die Verlassene. Ihre Freundin: „Immerhin hat er fünf Jahre durchgehalten.“ Sie empfiehlt: „Such dir doch auch einen Liebhaber.“ Gesagt, getan. Doch die Ernüchterung folgt schnell.

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Marion Wessely spielt alle Figuren als Solistin facettenreich, von ernsthaft bis saukomisch mit der ganzen Bandbreite einer engagierten Darstellerin. Da kommt nie Langeweile auf. Und das Publikum geht mit. Als sie in ihrer Verzweiflung, nachdem sie schon zur Flasche und zur Droge gegriffen hat, fragt: „Was soll ich machen, die Scheidung einreichen“, kommt von einer Zuschauerin trocken zurück: „Ja.“

Das Einzige, was der Betrogenen noch bleibt: „Ich werde mich umbringen, sterben ist die einzige Lösung.“ Aber mit so einer Verzweiflungstat endet die Komödie natürlich nicht.

Das Premierenpublikum im Neuen Theater, das im Herbst in Burgau ein neues Domizil in der Robert-Bosch-Straße bezieht, spendet intensiv Beifall und Bravorufe. „Eine reife Leistung“, sagt ein männlicher Zuschauer, „das war schon kein Laientheater mehr, das war professionell“. „Toll, so ein langer Text ohne Hänger“, bestätigt ein weiblicher Premierengast. Inszeniert hat die von den Französinnen Michèle Bernier und Marie Pascale Osterrieth geschriebene Komödie Jörg Liljeberg. Der Berliner hat bereits für das Kramerhof-Theater, dem Vorgänger des Neuen Theaters gearbeitet. Marion Wessely, gebürtige Oettingerin, kommt eigentlich aus dem Journalismus, hat unter anderem als Radiomoderatorin gearbeitet und gehört seit 2004 zum Ensemble des früheren Kramerhof-Theaters und seit 2011 zum „Neuen Theater Burgau“. Natürlich sei ein Soloauftritt schwieriger als im Ensemble, gibt sie freimütig zu, aber „es war spannend für mich, in die verschiedenen Rollen zu switchen, eine schöne Anforderung“. Regisseur Liljeberg ergänzt: „Ich wollte Menschliches auf die Bühne bringen und keine Theaterklamotte.“

Das Stück ist im Neuen Theater noch an folgenden Tagen zu sehen: Freitag, 11., Samstag, 12., Freitag, 18., Samstag, 19. März; Freitag, 8., Samstag, 9., Donnerstag, 14., Freitag, 22. und Samstag, 23. April, 20 Uhr.

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