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Das lukrative Geschäft mit Hundewelpen

Das lukrative Geschäft mit Hundewelpen
Kommentar Von Michael Lindner
30.06.2020

Plus Auf der A8 bei Leipheim haben Zöllner einen Kleintransporter kontrolliert und einen Husky-Welpen gefunden. Das illegale Geschäft mit den kleinen Hunden aus Osteuropa boomt.

Ein Blick auf den in Leipheim vom Zoll entdeckten Husky-Welpen löst vermutlich bei jedem von uns eine ähnliche Reaktion hervor: „Wie süß ist der denn?!“, entspringt den meisten wohl über die Lippen. Doch schon kurz danach machen sich Wut und Ärger breit.

Wie kann man nur so etwas machen? Einen wenige Wochen alten Welpen in einem Kleintransporter quer durch Europa kutschieren, eingesperrt in einer Transportbox und im eigenen Erbrochenen sitzend. Dass der Zoll den Husky während einer Kontrolle im Juni an der Autobahn entdeckt hat, ist für den Hund erfreulich. Er wartet nun im Tierheim auf einen neuen Besitzer, der ihm hoffentlich die schweren ersten Wochen seines Lebens schnell vergessen lässt. Dieser Fall zeigt aber auch eines deutlich: Das Geschäft mit Hunden aus Osteuropa scheint lukrativ zu sein.

Hundeschmuggel aus Osteuropa ist finanziell lukrativ

Nach dem Drogen- und Waffenhandel könnte es sogar das ertragreichste illegale Geschäft sein, mutmaßen Experten. Die Gewinnspannen sind exorbitant. In osteuropäischen Zuchtstationen werden Hunde unter oft katastrophalen Bedingungen gezüchtet. Viel zu früh werden sie dann von ihren Müttern getrennt – oft schon nach fünf Wochen. Denn je jünger der Hund, desto lukrativer das Geschäft. Dabei dürfen Welpen aus dem Ausland laut Gesetz erst mit 15 Wochen nach Deutschland eingeführt werden. Nur so kann ihre gesunde Entwicklung gewährleistet werden.

Das lukrative Geschäft mit Hundewelpen

Das interessiert die skrupellosen Händler, es ist mitunter von einer Hundemafia die Sprache, überhaupt nicht. Die Hunde werden so früh wie möglich nach Westeuropa gekarrt – Ziel ist oftmals Deutschland. Aber auch Fahrten nach Frankreich und Belgien sind für die Schmuggler lohnenswert. Die Hunde werden in Westeuropa zu „Schnäppchenpreisen“ von mehreren Hundert Euro angeboten oder an die zuvor online tätigen Käufer übergeben. Schutzimpfungen sucht man bei den Welpen vergebens; sie stehen meist nur auf dem Papier und müssen später beim Tierarzt nachgeholt werden.

Strafen für illegalen Hundehandel schrecken nicht ab

Wenn die Hunde bei einer Kontrolle entdeckt werden, kommen sie ins Tierheim. Dort haben die Mitarbeiter dann alle Hände voll damit zu tun, sie wieder aufzupäppeln – die Einrichtungen kommen schnell an ihre finanzielle Belastungsgrenze. Und die Schmuggler? Die kommen meist mit relativ niedrigen Geldstrafen glimpflich davon. So lange das so bleibt, und Käufer in Westeuropa das illegale System – teils unbewusst – unterstützen, so lange wird sich nichts an der schlimmen Situation für die Hunde ändern.

Lesen Sie dazu auch: Zoll befreit bei Leipheim eingesperrten Husky-Welpen aus Moldawien

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