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30.08.2009

Den Teufelskreis besiegen

Günzburg Der Landkreis hat eine neue Selbsthilfeorganisation. Al-Anon heißt sie. Hinter dem Kürzel stehen die Wörter "Alkoholismus" und "Angehörige", erläutert ein Mitglied der Organisation. Bislang besucht der im nördlichen Landkreis Verheirate die Al-Anon-Gruppe in Neu-Ulm, genauso wie zwei Männer aus Günzburg und eine Frau aus Heidenheim. Warum jede Woche so weit fahren, fragen sie sich. Deshalb treffen sie sich nun am Dienstag, 1. September, um 19.30 Uhr im Günzburger Pfarrheim St. Martin. Und hoffen auf weitere Betroffene, die an kostenfreier Unterstützung, an Meinungs- und Gedankenaustausch interessiert sind.

Al-Anon arbeitet wie die Anonymen Alkoholiker ohne Nennen der Namen. Es gibt weder Mitglieds- noch Anwesenheitslisten. "Wir sind kein Verein und haben bloß einen Sprecher, wir reden uns mit richtigen oder ausgedachten Vornamen an. Wer mag, wer einen ähnlich Betroffenen bei akuter Gefahr ins Vertrauen ziehen möchte, gibt seine Telefonnummer preis", erzählt einer von ihnen.

Erfahrungen austauschen

Der Sinn der Selbsthilfegruppe: Vom gleichen Schicksalsschlag Betroffene finden schon beim Treffen und erst recht in der Aussprache einen Anker des Trostes. Voraussetzung für die Zugehörigkeit: Das Alkoholproblem eines Angehörigen. Der Gewinn der Gemeinschaft bei den wöchentlichen Treffen: Die Angehörigen teilen Erfahrungen, Kraft und Hoffnung miteinander und versuchen, Probleme gemeinsam zu lösen.

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Alkoholismus zählt zu den schwer behandelbaren Süchten. Er zieht in der Regel körperliche und seelische Schäden nach sich. Abhängige brauchen übermäßige Willenskraft, um auszusteigen. Ein Angehöriger weiß aus Erfahrungen mit der alkoholkranken, seit zwei Jahren trockenen Ehefrau: "Ein Schluck Bier, ein Glas Wein oder ein Stamperl Schnaps führt schnurgerade wieder ins Laster zurück." Alkoholismus ist seiner Meinung nach "eine Krankheit, und zwar eine Familienkrankheit".

Belastet doch das Zusammenleben mit einem Alkoholiker die Partnerschaft enorm. "Nicht selten mündet diese Sucht beim Säufer und im Umfeld", sagt eine Ärztin, "in einen Teufelskreis aus gegenseitigem Misstrauen, aus Vorwürfen und vergeblichen Versuchen der Hilfestellung und oft in der Hilflosigkeit."

Am Ende regieren Angst und Unsicherheit, Ekel, Abwehr und Scham unter dem heimischen Dach.

Da helfe es wenig zu wissen, dass Alkoholismus in allen Bevölkerungsschichten verbreitet ist, dass Arbeitslose und Akademiker gleichermaßen betroffen sind, dass heute vermehrt Frauen erkranken und sie ebenso schwer die Voraussetzung der Umkehr schaffen können.

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