Kabarett

29.04.2016

Deppen sind überall

Sein aktuelles Programm „Deppenmagnet“ präsentierte der Kabarettist Günter Grünwald im ausverkauften Forum am Hofgarten. Das Publikum fühlte sich mehr als zwei Stunden bestens unterhalten.
Bild: Greta Kaiser

Günter Grünwald spricht die Dinge aus, die sich der Zuschauer im ausverkauften Günzburger Forum nicht selten denkt. Darum kommt sein Programm so gut an

Wer kennt das nicht? Man sitzt beisammen, erzählt alte Witze und banale Geschichten oder lästert über die vielen Deppen um einen herum. Fazit nach zwei Stunden: Wieder einmal kostbare Lebenszeit verplempert. Günter Grünwald steht auf der Bühne der ausverkauften Stadthalle, erzählt alte Witze und banale Geschichten oder lästert über die vielen Deppen um ihn herum. Fazit nach zwei Stunden: selten so gelacht.

In seinem Programm „Deppenmagnet“ sagt der Kabarettist aus Ingolstadt Dinge, die unsereins nicht selten denkt. Aber so nicht äußert, weil es beleidigend wäre. Grünwald spricht Klartext, die Botschaft kommt an. Aber immer mit einem charmanten Augenzwinkern und ironischer Selbstdistanz. So nimmt er den verbalen Frontalangriffen die Schärfe.

Klar, die Volltätowierten sehen seltsam aus. Aber Grünwald will sich nicht erheben. „Das könnte mir auch passieren, wenn ich mal total besoffen wäre“. Irgendwie Deppen sind auch die verwöhnten Fratzen, die selbst beim Essen das Handy nicht aus der Hand legen. Oder jene, die im Backshop Billigteiglinge aus China aufwärmen lassen, obwohl es noch Bäcker gibt, die zum Teil sogar noch hauptberuflich backen. Gestörte sind auch die alten Weiber, die im Supermarkt Obst und Gemüse befummeln, ohne je ein Stück zu kaufen. Grünwald käme derart Ekelerregendes nie in den Sinn - außer bei Avocado. Die muss man drücken. Ebenso Pfirsiche oder Zwetschgen. Der Kabarettist dreht seine Bosheiten mit Witz und Charme ins Heitere. Außerdem: Auf Oberbayerisch klingen Affronts nur halb so schlimm.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Vieles hat sich auch zum Besseren gewendet. Früher war „Du schwule Sau“ die schlimmste aller Beleidigungen. Außer im Männerfußball ist Schwulsein heute kein Problem mehr. Es soll inzwischen sogar Friseure geben, die offen bekennen: „Ja, ich bin heterosexuell“. Das Publikum ist begeistert. Gebannt folgt man selbst den banalsten Geschichten – der Reinigung eines Siphons, der Entfernung von Fischgräten aus dem Hals, der Abrechnung mit den smarten Fernseh-Köchen, der Urlaubsplanung im Reisebüro oder den immer wiederkehrenden Stereotypen in Cowboy-Filmen. Würde unsereins derlei erzählen, es gäbe nur zwei Reaktionen: „Komm zum Punkt“ und „Wo ist der Witz?“ Grünwald könnte man ewig zuhören, seine Mimik und Gestik noch Stunden genießen.

Gelegentlich wird er auch politisch. In einer seiner Fernseh-Sendungen hatte sich Grünwald über die islamfeindlichen „Pegida-Heinis“ in Dresden lustig gemacht. Die Folge waren böse Beschwerdebriefe. Grünwalds Antwort: „Ihr könnt Eure Moslems nach Bayern schicken, wenn Ihr die Sachsen zurücknehmt“. Beliebte Worthülsen dieser Tage sind „Ich habe nichts gegen, aber…“ beziehungsweise „Das wird man wohl noch sagen dürfen“. Sie nimmt Grünwald als betrunkener, gleichwohl anständiger Bayer auf die Schippe, der nach zahlreichen Halben und ebenso vielen Sechsämtertropfen in der Kneipe eines Negers ansichtig wird, der seelenruhig seinen Schweinsbraten und ein Spezi zu sich nimmt. „Obwohl der in seinem Leben vermutlich noch nie was gearbeitet hat“. Was man wohl noch sagen darf. „Ich habe ja nichts gegen Neger, aber sind wir jetzt schon so weit“?

Als Zugabe erzählt Grünwald noch lang und ausschweifend eine Geschichte von der buckligen Verwandtschaft. Irgendwie waren das ebenfalls Deppen. Aber wenigstens originelle. Originell ist das mindeste, was auch über Günter Grünwald zu sagen wäre.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren