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Landkreis Günzburg

31.08.2020

Der Ärger mit dem Borkenkäfer und was mit dem Holz geschieht

Auf einem Polter sind mehrere Markierungen angebracht.
Bild: Michael Lindner

Plus Sind Bäume einmal vom Borkenkäfer befallen, müssen sie schnell gefällt werden. Doch was passiert dann mit den Bäumen? Experten aus dem Kreis Günzburg zeigen es.

Sie sind nur wenige Millimeter groß, doch der Schaden, den sie anstellen können ist enorm. Ganze Bäume bringen sie innerhalb kürzester Zeit zum Absterben. Die Rede ist vom Borkenkäfer. Buchdrucker und Kupferstecher heißen die beiden Käferarten – und vor allem die Gefährdung durch den Buchdrucker ist, wenn man sich die aktuelle Karte des bayerischen Käfermonitorings ansieht, besonders hoch.

Vielerorts ist dort die Farbe Rot zu sehen. Und rot bedeutet: In diesen Regionen gibt es gerade enorm viele Borkenkäfer. In Franken, aber auch in Teilen des Allgäus sowie im Landkreis Dillingen ist es derzeit besonders schlimm. Im Landkreis Günzburg gilt momentan die Warnstufe gelb mit vereinzelten befallenen Bäumen. Die Bedeutung des Befalls durch den Borkenkäfer ist deshalb so hoch, weil die von ihnen bevorzugten Fichten – mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent die mit Abstand häufigste Baumart in Bayern – absterben.

Der Borkenkäfer liebt trockenes Wetter

Bereits die Sommer 2018 und 2019 waren überdurchschnittlich trocken und warm. Auch das Frühjahr 2020 zählte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zu den niederschlagsärmsten seit Aufzeichnung der Wetterdaten im Jahr 1881. Während der Hochsommer Stress für die Waldbäume bedeutet, sind das für die Schädlinge dagegen gute Vermehrungsbedingungen.

Der Borkenkäfer ist wegen seiner hohen Verbreitungsgeschwindigkeit eine große Gefahr für die Fichten in den Wäldern in der Region. Der regelmäßige Regen in den Wochen vor August hat die Verbreitung des Borkenkäfers zunächst etwas verzögert, doch aufgrund der Wärme schwärmten danach die erwachsenen Käfer auf der Suche nach neuen Brutstätten aus.

So ist der Befall mit Borkenkäfern zu erkennen

Sind die Bäume gesund und ausreichend mit Wasser versorgt, werden die sich einbohrenden Käfer mit Baumharz überschüttet und verklebt. Sind Bäume aber geschwächt, wie in den vergangenen trockenen Sommern, oder sind es zu viele angreifende Insekten, können die Borkenkäfer die Barriere schnell überwinden. Zu erkennen ist der Befall am sogenannten Bohrmehl, das sind kaffeepulverähnliche Krümel an der Rinde und am Stammfuß der Bäume. Die Käfer bohren sich in die Rinde ein und legen Brutgänge für die nächste Generation an. Die Fraßgänge der Larven verlaufen quer zur Faserrichtung des Holzes. Der lebenswichtige Nährstofftransport von der Krone zur Wurzel wird dadurch unterbrochen, der Baum stirbt ab.

Ein vom Borkenkäfer befallener Baum wird von den Bayerischen Staatsforsten mit einem „X“ gekennzeichnet. „Um die Ausbreitung und damit das Absterben weiterer Fichten zu verhindern, müssen befallene Bäume schnell gefunden, gefällt und aus dem Wald gebracht werden – bevor die nächste Generation ausfliegt“, sagt Linda Madl, Leiterin des Forstbetriebs Weißenhorn. Ziel sei es, die befallenen Bäume innerhalb von sechs Wochen aus dem Wald zu bringen und damit eine Verbreitung der Käfer zu verhindern. Doch wohin mit dem ganzen Holz?

Wie können befallene Bäume im Kreis Günzburg gelagert werden?

Die befallenen Bäume stellen für Forstwirte einen mitunter großen finanziellen Schaden dar. Bis zu 20 Euro weniger pro Festmeter Holz müssen in Kauf genommen werden. Ist das Holzangebot zu hoch, sinkt der Preis weiter. Also könnte das Holz gelagert werden, doch wo? Eine Lagerung am Wegesrand hat einen großen Nachteil: Wenn der dortige Holzstapel – man spricht von einem Polter – durch den Käfer zerfressen wird, kommen leicht Pilze hinein und das Holz verfärbt sich. Die Folge: Die Preise sinken. Besser sei eine nasse Lagerung – beispielsweise bei Leipheim –, wo das Holz künstlich beregnet wird. Doch das koste entsprechend mehr. Holzzerstörende Pilze und Insekten finden dort keinen Lebensraum.

Josef Jäckle vom Revier Oberrohr der Bayrischen Staatsforsten in Weißenhorn sowie Christoph Kohler als stellvertretender Betriebsleiter zeigen einen Polter, der zum Abtransport bereit liegt. Dieses Holz ist für einen Kunden gedacht, der daraus Paletten herstellt. „Das ist Holz minderer Qualität, das sieht man sofort an der Kürze“, sagt Jäckle. Nur 2,5 Meter sind die unterschiedlich dicken Baumstämme lang. Damit jeder weiß, wofür der Polter gedacht ist, sind daran mehrere farbliche Markierungen angebracht.

Polter am Wegesrand wird nicht nur im Kreis Günzburg oft geschäftzt

Der gesamte Polter ist etwa 7,6 Meter breit, diese Info wird auf einem der Bäume vermerkt. Mithilfe weiterer Daten – der Polter wird in Ein-Meter-Segmente unterteilt und die jeweilige Höhe ermittelt – lässt sich berechnen, um welche Holzmenge es sich insgesamt handelt. Im vorliegenden Fall sind es zehn Festmeter. „Wir erheben in diesem Fall nur ein Schätzmaß. Beim Kunden wird das aber vor Ort auf geeichten Maschinen genau bestimmt“, sagt der stellvertretende Betriebsleiter in Weißenhorn Christoph Kohler.

Damit die Waldarbeiter genau wissen, welcher Polter wohin gebracht werden muss, wird an einem Baum ein Auftragszettel angebracht. Die ersten beiden Ziffern bestimmen das Haushaltsjahr. Die „20“ steht also für das Jahr 2020. Die nächsten beiden Ziffern benennen den Forstbetrieb – die „49“ steht für Weißenhorn. Die nächsten beiden Ziffern zeigen das Revier an. Mit „04“ wird Oberrohr gekennzeichnet. Den Abschluss bildet eine vierstellige Polternummer „P“. All diese Zahlen werden zusätzlich auf einen der Bäume aufgesprüht. Sozusagen als Absicherung gegen einen vom Sturm oder gar absichtlich abgerissenen Zettel.

Eine besondere Markierung ist auf dem Polter angebracht – eine rote Sicherungslinie auf den Bäumen am Rand. Ein Diebstahl kann zwar so nicht verhindert werden, aber es fällt sofort auf, wenn ein oder mehrere Stämme plötzlich fehlen.

Lesen Sie dazu auch: Was steckt hinter den geheimen Symbole und Zeichen im Wald?

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