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Landkreis Günzburg

20.08.2019

Der Buchsbaumzünsler lässt die Gärtner in der Region verzweifeln

Das bleibt vom Buchs, wenn der Zünsler drauf war: wenig bis nichts.
Bild: Helene Monzer (Archiv)

Der Befall ist im Landkreis Günzburg aktuell so hoch wie nie zuvor. Die gefräßigen Raupen vernichten die Pflanzen innerhalb kurzer Zeit. Was Experten gegen den Schädling raten.

Unbemerkt beginnt die kleine, gelbgrüne Raupe unten am Buchsbaum zu fressen. Langsam arbeitet sich das gefräßige Insekt an der Pflanze nach oben. Die gelben Blätter purzeln reihenweise zu Boden. Wenn der verzweifelte Besitzer den Schädling bemerkt, ist es oft schon zu spät. Der Buchsbaum ist tot – und mit ihm die häufig jahrzehntelange Arbeit. So oder so ähnlich ergeht es derzeit zahlreichen Gärtnern im Landkreis Günzburg.

Denn der Zünslerbefall hat in diesem Jahr deutlich zugenommen, wie Karl-Heinz Wottke sagt. „Das war und ist in diesem Jahr schon extrem.“ Allein am vergangenen Freitagvormittag habe er acht Anrufe von besorgten Bürgern erhalten, deren Buchsbäume von der Raupe arg in Mitleidenschaft gezogen worden sind. „Was dagegen tun?“, lautete der Kern aller Anfragen, wie Wottke, seit 28 Jahren als Gärtner für das Landratsamt tätig, sagt.

Ideale Bedingungen für den Schädling

Der Buchsbaumzünsler, eigentlich ein ostasiatischer Kleinschmetterling, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt und verbreitet sich seitdem auch in Deutschland immer schneller. „Man merkt die Plage auch im Landkreis Günzburg deutlich, besonders in diesem Jahr“, sagt Wottke. Die klimatischen Bedingungen seien für den Schädling ideal gewesen. Die Klimaerwärmung ist eine mögliche Ursache, warum sich der Buchsbaumzünsler hier ausbreitet; der globale Handel eine andere. Wenn sich die Raupe beispielsweise in der Verpackung einer verschifften Handelsware befinde und hier ankomme, gebe es kein Zurück mehr. „Ist der Schädling erst einmal da, bekommt man ihn nicht mehr weg.“

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Einen Befall erkennt man Wottke zufolge nur schwer, denn die Tiere fressen sich von innen nach außen und von unten nach oben durch. Lange genug sieht der Buchs noch gut aus – und wenn der immergrüne Strauch geschädigt ist, dann sei es meistens fünf nach Zwölf.

Bakterien stören die Verdauung der Raupe

Laut Wottke gibt es verschiedene Mittel gegen den Schädling. Zum einen den Bacillus thuringiensis, ein Krankheitserreger, der als Fraßgift wirkt und die Verdauung der Raupen stört. Nach den Angaben Wottkes siedelt sich das Bakterium im Darm des Buchsbaumzünslers an. Der Schädling frisst in der Folge nicht mehr und verhungert. Entsprechende Produkte gibt es zum Teil im freien Handel. Das Mittel ist nicht unbedingt günstig, meint der erfahrene Gärtner.

Er sieht noch zwei Nachteile: Das Bakterium, das zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird, ist nicht auf den Buchsbaumzünsler spezialisiert. Auch Nützlinge gehen zugrunde. Außerdem gehen Experten von drei bis fünf Generationen des Zünslers im Jahr aus. Die Blätter und der Stamm des Buchsbaums müssten mit dem Mittel, dass den Bacillus thuringiensis enthält, öfters besprüht werden.

Mit Hochdruckreiniger oder Staubsauger

Eine andere Möglichkeit sei es, um den Buchsbaum am Boden ein helles Tuch zu legen und mit einem Hochdruckreiniger den Baum von den Raupen zu befreien. Kein leichtes Unterfangen, denn man sollte auch die an der Pflanze haftenden Eier lösen – sonst sind die Anstrengungen nur ein Sieg auf Zeit. Die Raupen kann man, im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner, anfassen und einsammeln. Die Tiere sollten danach verbrannt werden.

Ottmar Frimmel, der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Günzburg, hat vor wenigen Tagen den Tipp eines alten Gärtnermeisters gehört: Der habe empfohlen, zu zweit die Buchsbäume im heimischen Garten zu inspizieren. Einer hält innen am Strauch die Äste auseinander. Und im Falle des Befalls rückt der Andere den Raupen, Larven und Eiern mit einem Staubsauger zu Leibe und saugt sie ein. Auch der Inhalt des Beutels sollte verbrannt werden – ebenso wie die von den Raupen befallenen Teile des Buchsbaumes.

So sieht er aus, der Buchsbaumzünsler. Viele Gärten mit Buchsbäumen im Landkreis Günzburg sind betroffen, dort frisst er sich meist unbemerkt satt. Der Schädling zerstört die Pflanzen dabei innerhalb kürzester Zeit.
Bild: Helene Monzer (Archiv)

Entsorgung über Kompostierung geht nicht

Kleine Mengen von Schnittgut, lautet die Empfehlung, sollen in Plastiksäcken luftdicht verpackt und über die Restmülltonne entsorgt werden. Auf Kompostieranlagen wird durch die offene Lagerung nicht die Temperatur erreicht, bei der die Zünsler verenden würden.

Mindestens 100 Buchsbäume hat der Landkreis Günzburg auf seinen Flächen stehen. Vier geschädigte hat Wottke gestern am Gartenhallenbad Leipheim entfernt. Und weitere dürften aller Voraussicht nach folgen.

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