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Kammeltal

01.03.2019

Der Hochwasserschutz wird verschoben

In der Gemeinde Kammeltal wird es ein Schutzkonzept gegen Hochwasser so schnell nicht geben. Weil andere große Investitionen anstehen, soll das „Hochwasser-Audit“ auf die Zeit nach der nächsten Kommunalwahl verschoben werden.
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In der Gemeinde Kammeltal wird es ein Schutzkonzept gegen Hochwasser so schnell nicht geben. Weil andere große Investitionen anstehen, soll das „Hochwasser-Audit“ auf die Zeit nach der nächsten Kommunalwahl verschoben werden.
Bild: Wolfgang Widemann

Die Kommune Kammeltal stellt das Konzept auf die Zeit nach der Kommunalwahl zurück. Das steckt dahinter.

In der Gemeinde Kammeltal wird es ein Schutzkonzept gegen Hochwasser vorerst nicht geben. Angesichts millionenschwerer Investitionen in der laufenden Wahlperiode soll das vom Freistaat angeregte und bezuschusste „Hochwasser-Audit“ auf die Zeit nach der nächsten Kommunalwahl verschoben werden.

Es geht um ein Thema, das „bei schönem Wetter immer mal wieder schnell aus dem Blickwinkel verschwindet“, so Matthias Kiermasz. Die Gemeinde sei zwar verpflichtet, für den Schutz der Bevölkerung zu sorgen, sagte Kammeltals Rathauschef in der jüngsten Gemeinderatssitzung, aber die Bevölkerung sei selbst auch gefordert, sich zu schützen. Landrat Hubert Hafner hatte die Kommunen auf diese Hochwasser-Vorsorge hingewiesen. Für das „Hochwasser-Audit“ mithilfe eines Fachmannes würde der Freistaat 75 Prozent der Kosten übernehmen, die für eine Gemeinde von der Größe Kammeltals bei 12500 Euro liegen. „Wenn dabei was rauskommt“, so Kiermasz, „müssen die Maßnahmen auch umgesetzt werden.“

Ist das Kammeltal wirklich so gefährdet?

Genau an diesem Punkt hakte Gemeinderat Jürgen Kornelli ein. Da könnten schnell Summen von einer halben Million Euro und mehr zusammenkommen, befürchtete er und fragte: „Können wir’s stemmen?“ Außerdem sei er skeptisch, ob das Kammeltal so gefährdet sei, dass die durch das Audit angezeigten Maßnahmen auch umgesetzt werden müssten: „Wenn wir da in ein Wespennest stechen, kommen Konsequenzen“, glaubt Kornelli.

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Bürgermeister Kiermasz verwies auf das Problem Krähenbach in Ettenbeuren, wo allein der Grunderwerb für Hochwasserschutz eine Million Euro verursachen würde. Wegen anderer großer Investitionen, die derzeit in der Gemeinde anstehen, wie Straßenausbau, Wasserversorgung und Kindergartensanierung in Wettenhausen glaubt er, dass das Hochwasser-Audit in der laufenden Wahlperiode wohl nicht mehr umgesetzt werde.

Abgeschnitten: Im Zeitalter der Informationstechnologie ist ein Störfall der digitalen Kommunikation ein höchst unangenehmer Zustand. Betroffen davon waren jetzt einige Ortsteile von Kammeltal, wie in der Gemeinderatssitzung bekannt wurde. Weder telefonisch noch per elektronischer Datenverbindung war das Rathaus erreichbar, mehr als 24 Stunden war es gewissermaßen von der Außenwelt abgeschnitten.

Das Rathaus der Gemeinde Kammeltal war wegen Arbeiten an Datenleitungen mehr als 24 Stunden lang nicht erreichbar.
Bild: Wolfgang Kahler

„Eine Katastrophe“, sagte Geschäftsleiterin Monika Schneider dazu gegenüber unserer Zeitung. Grund für die Störung waren offensichtlich Wartungsarbeiten einer Elektronikfirma an der Kommunikationstechnik, wie auf der Homepage der Gemeinde informiert wird. Die Benachrichtigung per Kurznachricht erfolgte laut Zweitem Bürgermeister Johann Anwander erst, als die Störung schon begonnen hatte.

Sichtschutz: Eine erfreuliche Bautätigkeit in der Gemeinde stellte Bürgermeister Kiermasz fest. So werde in einigen Ortsteilen Wohnraum durch Verdichtung geschaffen, „eine positive Entwicklung“, auch wenn nachbarliche Interessen berührt werden. Fünf Bauanträge wurden im Gemeinderat behandelt, bis auf einen wurden alle einstimmig befürwortet.

Einen 27 Meter langen, 1,75 Meter hohen Sichtschutz aus Plastik im Ortsteil Ried lehnten drei Gemeinderäte ab. Der Bauherr hatte dort, wie berichtet, zunächst eine ebenso hohe Betonmauer als Abgrenzung zum Nachbarn errichten wollen. Zwischenzeitlich erfolgte zwischen den streitenden Parteien ein Schlichtungsverfahren, wie Bürgermeister Kiermasz informierte. In dem erzielten Vergleich wurde dem in der Höhe reduzierten Sichtschutz vom Nachbarn zugestimmt. Nach Ansicht der Verwaltung würde sich der beantragte Doppelstabmattenzaun „verträglicher ins Baugebiet einfügen“. Eigentlich sind dort Einfriedungen lediglich als Maschendrahtzaun bis 90 Zentimeter Höhe zulässig.

Zuschuss: Der im Zentrum von Ettenbeuren geplante Bau einer Tagespflege (wir berichteten) wird von der Gemeinde Kammeltal mit 65000 Euro bezuschusst. Damit unterstreiche die Kommune ihr Engagement für diese Einrichtung, wie Kiermasz den Gemeinderat informierte. Die Baugenehmigung erfolgte bereits im vergangenen Jahr, wann der Startschuss erfolgt, ist noch offen.

Investitionen: In nicht öffentlicher Sitzung hat der Gemeinderat Investitionen in Höhe von gut 112000 Euro beschlossen. Der größere Anteil entfällt auf die Straßenbeleuchtung im Ortsteil Egenhofen im Zuge des dortigen Straßenausbaus und im Rathaus wurde eine neue „Server-Landschaft“ für 33500 Euro installiert. Im Ortsteil Keuschlingen hat die Deutsche Telekom mit dem Ausbau der Breitbandversorgung begonnen, so der Bürgermeister. Bis zum Spätsommer könnten die im Gemeindebereich noch fehlenden Lücken dann endlich schnellere Internetanschlüsse erhalten.

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