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Günzburg

22.02.2018

Der Landkreispreis ist fest in Frauenhand

Off-Art-Vorsitzender Ralf Strassner (links) und Landrat Hubert Hafner übergaben den Landkreispreis im Rahmen der Artik. Erste Preisträgerin Radmilla Curcic (Mitte) freut sich mit der Zweitplatzierten Bea Stoppa (Zweite von links) und Theresa Birkner (dritter Preis).
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Off-Art-Vorsitzender Ralf Strassner (links) und Landrat Hubert Hafner übergaben den Landkreispreis im Rahmen der Artik. Erste Preisträgerin Radmilla Curcic (Mitte) freut sich mit der Zweitplatzierten Bea Stoppa (Zweite von links) und Theresa Birkner (dritter Preis).
Bild: Gertrud Adlassnig

Die Artik ist in die Günzburger Kreisklinik zurückgekehrt. Werke dreier Künstlerinnen stechen heraus.

Nach mehreren Jahren Auszeit ist es endlich wieder soweit. Im Jubiläumsjahr kann die Artik zurück in die Günzburger Kreisklinik ziehen. Im Rahmen der nun eröffneten Kunstausstellung des Vereins Off Art vergab Landrat Hubert Hafner auch wieder den Landkreispreis.

Vor 25 Jahren wurde in Günzburg der Off Art Verein gegründet, in dem akademische Künstler und Autodidakten, hauptberufliche Künstler und Laien sich gemeinsam für die Kunst einsetzen. Das erste große Abenteuer des Off Art Vereins war in seinem Gründungsjahr eine dreitätige Kunstausstellung im Festsaal des BKH, erfuhren die Gäste zur Vernissage der diesjährigen Artik. Vorsitzender Ralph Strassner erinnerte zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung in einem kleinen Rückblick an die Geschichte von Verein und Artik. Die Idee, Kunst ins Krankenhaus zu bringen, kam von Strassner, der damals noch als Chefarzt an der Klinik tätig war. Doch eine echte Heimat fanden die Künstler schließlich durch Rudi Fickert, der den ehemaligen, zwischenzeitlich nutzlos gewordenen Bunker in den Katakomben der Klinik als Ausstellungsraum entdecke. Dort etablierte sich nach unzähligen ehrenamtlichen Renovierungsstunden eine echte Kunstgalerie, die Artik mit Landkreispreis wurde zum festen Bestandteil der Günzburger Kulturszene, bis das Krankenhaus im Zuge von Umbauarbeiten die Räume als Archiv benötigte.

Die Artik in der Klinik wurde für mehrere Jahre auf Eis gelegt, zwischenzeitlich stellte Off Art unter anderem im Stadtschloss aus. Nun ist sie zurück, glänzender, besser zugänglich, großzügig. Wie Andreas Mugler als Vertreter des Klinikvorstands betonte, sei es ein wahres Vergnügen, durch die Gänge der Klinik zu laufen. Vergessen sind die heißen Diskussionen um Angemessenheit von Bildinhalten und -ausgestaltungen im Krankenhausbereich. Zurück bleibt eitel Freude über eine Ausstellung, die frei zugänglich für jedermann ist, an der sich Patienten wie Besucher erfreuen können, ohne Eintrittskontrolle, ohne Eintrittskarte. Wegweiser führen die Interessierten durch die Gänge im Erd- und Untergeschoss.

Dort können sie 135 Bilder von 98 Künstlern entdecken, 240 Einreichungen für die überregional bekannte Ausstellung waren aus ganz Bayern, vereinzelt sogar aus Norddeutschland eingegangen. Eine Vorauswahl musste getroffen werden und die ausgesuchten Bilder waren dann so zu platzieren, dass sie einen Sinnzusammenhang mit ihrer Umgebung bilden: kulinarische Abbildungen in der Nähe der Cafeteria, Kinder, Clowns und fröhliche Szenen rund um die Gynäkologie und Geburtshilfe. Eine besondere Herausforderung für den Verein, der bei dieser speziellen Ausstellung in einem Krankenhaus vielen Erwartungen gerecht werden musste. Doch an oberster Stelle stand die künstlerische Qualität der zu zeigenden Werke.

Und da kann sich der Off Art Verein durchaus sehen lassen. So war es auch nicht einfach, die Preisträger für den Landkreispreis zu ermitteln. Die Jury, bestehend aus für akademisch gebildeten Künstlern, den Gymnasialkunsterziehern Julia Karmann, Nikolaus Kugelmann und Theo Krötzinger, unterstützt von der Nachwuchslehrerin Felicitas Kennel, die gerade ihr Examen abgelegt hat, musste mehrmals die langen Ausstellungsgänge abschreiten und abwägen, bis sie sich auf die diesjährigen Preisträgerinnen einigen konnten.

Mit einem abstrakten Werk voller Feuer und Dynamik überzeugte Radmilla Curcic die Jury. Das „Bild ohne Titel“, es sind zwei sehr ähnliche in der Ausstellung, die eine kleine Serie bilden, aber nicht gemeinsam gehängt wurden, zieht den Betrachter an. Wie Nikolaus Kugelmann in seiner Würdigung hervorhob, sind es sowohl die raffinierten künstlerischen Techniken, mit denen Curcic ein einzigartig flammendes, feurigen Rot erzeugte, aufgetragen in vielen Schichten, als auch die Thematik selbst, in der der Betrachter immer wieder Neues auch über sich selbst erfahren kann, was die Jury davon überzeugte, in ihr die würdige Trägerin des Landkreispreises zu erkennen. Landrat Huber Hafner übergab ihr mit Glückwünschen Urkunde und Preisgeld.

Ein Doppelbild brachte Bea Stroppa den zweiten Preis: eine Frau im kleinen Schwarzen. Doch im Kontrast zur offiziellen, distanzierenden Kleidung ist diese Frau barfuß. Körperhaltung und Blick unterscheiden sich auf den beiden Bildern, brechen mit den Erwartungen des Betrachters, erläuterte Julia Karmann, die die differenzierte Malweise der Künstlerin hervorhob.

Theresa Birkner erhielt für ihr Doppelbild „Neid Wohlwollen“ den mit 500 Euro dotierten dritten Preis. Wie ihre Laudatorin Felicitas Kennel darlegte, war es die Ambivalenz des Bildinhaltes – einer scheinbar symmetrischen Darstellung einer Transgender-Figur – die parallel geht mit der Maltechnik, die gleichermaßen vielseitig ist zwischen fotorealistischer Raffinesse und bewusster Flachheit.

Die Kunstausstellung im Krankenhaus „Artik“ ist noch bis zum 20. Juli zu sehen. Alle Werke sind während der Öffnungszeiten des Krankenhauses frei zugänglich.

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