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Natur

25.07.2018

Der Landmarke läuft die Zeit davon

Für das alte Sortierwerk auf dem alten Vollmer-Kiesgelände wird die Zeit langsam knapp: Probleme mit der Verfüllung des Areals verzögern weiter seinen Wandel in die „Landmarke Donaukies“.

Bei der Renaturierung des Vollmer-Kieswerks gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadt und Landratsamt. Wie im Stadtrat um eine Lösung gerungen wurde

Das Bild von der „unendlichen Geschichte“, es wurde an diesem Abend öfter bemüht. Das alte Vollmer-Kieswerk bei Riedhausen macht den Günzburgern schon eine ganze Weile Kopfzerbrechen. Von 1995 stammt der Bescheid, der eigentlich die Rekultivierung regeln sollte. Zuletzt hatte der Stadtrat im Februar einen Beschluss verabschiedet, wonach die Rekultivierung bis 30. Juni 2018 abgeschlossen werden und die Grundstücke an die Stadt übergeben werden sollen. Gut drei Wochen später ist alles noch beim Alten, die Zukunft der alten Sortieranlage als mögliches Industriedenkmal weiter ungewiss – und der Stadtrat hatte das Thema wieder auf dem Tisch.

Das wollte GBL-Stadträtin Angelika Fischer eigentlich vermeiden – zumindest vorerst. Sie stellte den Antrag, den Tagesordnungspunkt erst einmal zu vertagen. Nach längerer Diskussion wurde das abgelehnt. Denn tatsächlich ist die Lage offenbar sehr verworren: Im Mai hatten sich Vertreter der Firma Vollmer, der Stadt Günzburg und der Fachbehörden getroffen, um abzusprechen, was für die Rekultivierung bis Ende Juni noch zu tun ist. Was dann geschah, darüber gingen die Meinungen in der Stadtratssitzung auseinander.

Friederike Kurtenbach, die Juristin der Stadt, berichtete, dass es einen Dissens zwischen den Belangen von Stadt, Wasserrecht und Naturschutz gebe. Bei jedem Ortstermin auf dem Gelände in den vergangenen Wochen und Monaten sei bisher Material aufgefunden worden, das zur Verfüllung angeliefert wurde, aber dafür nicht geeignet sei. Für die Verfüllung der Kiesweiher darf nur Material der Kategorie Null verwendet werden – Bauschutt, wie er auf dem Gelände zuletzt vergangene Woche wieder entdeckt worden sei, gehöre nicht dazu. Laut Kurtenbach sei es ohnehin extrem schwierig, geeignetes Material für die Verfüllung zu bekommen. „Das, was der Verfüllungsplan von 1995 vorsieht, werden wir noch in 20 Jahren nicht erreichen“, erklärte Kurtenbach.

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Angelika Fischer, die sich gemeinsam mit der Arge Donaumoos auch für den Erhalt des Sortierwerks auf dem Gelände als „Landmarke Donaukies“ stark gemacht hat, betonte, dass der jetzige Firmeninhaber aus fachlicher Sicht hervorragende Arbeit geleistet habe. „Das Problem ist: Da kommen am Wochenende Privatleute an und laden Material ab.“ Das für die Verfüllung ungeeignete Material komme also bestimmt nicht vom Unternehmen selbst. Außerdem habe sie andere Informationen war die Verfügbarkeit von Füllmaterial anbelange – „aufgrund des derzeitigen Baubooms ist genug da.“

„Jeder Tag, an dem weiter verfüllt wird, ist für uns ein haftungsrechtliches Problem“ entgegnete Friederike Kurtenbach. Außerdem haben die Beteiligten unterschiedliche Interessen, wenn es um die Verfüllung von Seebereichen zur Schaffung von Flachwasserzonen geht. So würden die Vertreter des Naturschutzes sich mit einer reduzierten, aber weiteren Verfüllung am östlichen Nordufer von See 1 und See 2b zufriedengeben. Die Stadt hingegen fürchtet, dass genau hier enorm viel Material notwendig wäre, um überhaupt einen sichtbaren Effekt zu erzielen. Doch den Gegenvorschlag der Stadt, stattdessen eine bereits bestehende Vorschüttung an einem Zwischendamm weiter aufzufüllen, wurde wiederum abgelehnt: Das würde die geplante Wasserüberleitung aus den Vollmer-Seen ins Donaumoos, ein Projekt der Arge Donaumoos, erschweren.

Eine verfahrene Situation, die der Stadtrat mit diesem mehrheitlich gefassten Beschluss beenden will: Die Verfüllungen auf Riedhauser Flur müssen umgehend eingestellt werden und das Grundstück bis zum Jahresende an die Stadt zurückgegeben werden. Nur für den Fall, dass aus Sicherheitsgründen durch Auffüllungen noch größere Sicherheitsabstände zu Nachbargrundstücken hergestellt werden müssen, können diese ausnahmsweise zugelassen werden. 14 der 23 anwesenden Günzburger Stadträte stimmten für diesen Vorschlag.

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