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Ursberg

17.05.2018

Der Mensch steht bei ihrer Arbeit im Zentrum

Sarah Gillard arbeitet im Rahmen eines Bundesfreiwiligendienstes mit Menschen mit geistiger Behinderung im Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg. Dort werden Menschen mit geistiger Behinderung und mehrfachbehinderte Menschen, die auch körperlich oder sinnesbehinder sind, begleitet.
Bild: Fredrik von Erichsen/dpa

Die 17-jährige Sarah Gillard arbeitet als „Bufdi“ im Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg. Für K!ar.Text berichtet sie über ihren Arbeitsalltag.

In den Faschingsferien 2017 hat sich für Sarah Gillard vieles verändert. Sie besuchte die Wirtschaftsschule, ihr Weg schien geradewegs auf eine Ausbildung im kaufmännischen hinauszulaufen. Doch nachdem eine Freundin ein Praktikum in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung absolviert hatte, wollte auch die heute 17-jährie Sarah Gillard etwas Neues ausprobieren: Eine Woche arbeitete sie als Praktikantin in einer Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung in Memmingen. Das gefiel ihr so gut, dass sie in den Sommerferien gleich ein weiteres Praktikum anschloss.

Heute arbeitet sie als Bundesfreiwilligendienstleistende, kurz „Bufdi“, im Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) in Ursberg. Seit September vergangenen Jahres betreut sie dort Menschen mit geistiger Behinderung und sagt entschlossen: „Ich bin so froh, dass ich damals das Praktikum gemacht habe. Hätte ich das nicht gemacht, wäre ich jetzt vermutlich in der Ausbildung als Industriekauffrau – was die meisten nach der Wirtschaftsschule halt so machen.“ Denn Sarah ist sich sicher: Arbeiten mit Menschen, das ist ihre Leidenschaft. „Ich brauche ständig Abwechslung und die hat man mit Menschen eben. Jeder Tag ist irgendwie anders, das tut so gut!“

Sarah, die ursprünglich aus Memmingen kommt, lebt unter der Woche inzwischen in einer Praktikantenwohnung des DRW. Auf die Einrichtung aufmerksam wurde sie durch ihre Mutter. „Ich hab mich gleich hier beworben, da ich in eine größere Einrichtung wollte, in der ich viel sehen und lernen kann“, erzählt sie. Und nach einem Probetag kam sofort die Zusage. An ihrer Praxisstelle fühlt sie sich sehr wohl und hat sich inzwischen gut eingearbeitet. Ihr Arbeitstag beginnt um 7.45 Uhr mit der Abholung der Betreuten vom Bus und verschiedenen hauswirtschaftlichen Aufgaben. „Bei uns werden Anzünder hergestellt, dabei unterstütze ich die Betreuten“, berichtet Sarah. Zwischendurch werden Spaziergänge gemacht oder Spiele gespielt. „Bestimmte Sachen mache ich selbstständig. Zum Beispiel pflegerische Tätigkeiten und Verwaltungsaufgaben“, sagt sie.

Neben der überwiegend praktischen Arbeit gehören zum Bundesfreiwilligendienst auch Seminartage. Sarahs Seminare finden in Straubing und Geretsried statt. „Das ist total interessant, sich dort auszutauschen. Die Leute dort machen ja täglich ähnliche Erfahrungen wie ich.

Die meisten ihrer Freunde sagen, sie könnten diese Arbeit nicht machen, erzählt sie. Doch das macht Sarah nichts aus: „Man merkt eindeutig einen Unterschied, wer nach der Schule zum Arbeiten gegangen bzw. wer momentan noch unentschlossen zuhause sitzt.“ Durch die Arbeit sei sie bereits deutlich erwachsener und reifer geworden. „In der Schule war mir alles egal“, gibt sie mit einem Lachen zu. Und eine Erklärung dafür hat die 17-Jährige auch: „Ich darf hier Verantwortung übernehmen. Unsere Betreuten wollen spüren, dass man für sie da ist. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden, ist schön!“

Natürlich, gebe es solche und solche Tag. Manchmal ist die Arbeit körperlich anstrengend. „Gerade die pflegerischen Tätigkeiten gehen sehr auf den Körper“, erzählt Sarah. Auch mental fordert die Arbeit in der Förderstätte sie manchmal heraus: „Klar, sind die Menschen hier an manchen Tag anstrengend. Aber ich bin ja schließlich auch nicht jeden Tag gleich drauf!“ Sarah weiß: Ein Ausgleich ist wichtig. Deshalb geht sie regelmäßig ins Fitnessstudio und macht Rückentraining.

Und wie geht es für Sarah nach Ende des Bundesfreiwilligendienstes am 31. August weiter? „Ich möchte auf jeden Fall in der Heilerziehungspflege bleiben“, sagt sie. Ihr Ziel ist es, einen Ausbildungsplatz als Heilerziehungspflegerin zu bekommen. Und vielleicht bleibt die junge Frau, die immer nach Abwechslung sucht, auch in Ursberg. „Die Einrichtung ist groß, da habe ich viele Möglichkeiten. Aber vielleicht gehe ich auch in eine größere Stadt, mal schauen!“

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