1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Der Schlossplatz bekommt ein neues Gesicht

Günzburg

31.07.2019

Der Schlossplatz bekommt ein neues Gesicht

Am Günzburger Schlossplatz ist der Gebäudeteil, in dem das Finanzamt untergebracht wurde, umfassend umgebaut worden. Stadt und Staatliches Bauamt wollen in den kommenden Jahren den Platz selbst neu gestalten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Nach der Sanierung des Finanzamts im Flügel des Günzburger Stadtschlosses sollen Schlossareal und Turniergarten in Günzburg umgestaltet werden. Doch die Pläne gefallen nicht allen im Stadtrat.

So richtig zum Verweilen lädt er derzeit noch nicht ein, dabei ist der Günzburger Schlossplatz, neben dem Marktplatz, der geschichtsträchtigste Ort in der Stadt. Das Aussehen und damit die Attraktivität des Platzes soll sich in den kommenden Jahren ändern. Der Stadtrat genehmigte in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am Montagabend die Entwurfsplanung für den Schlossplatz – gegen die Stimme von Birgit Rembold. Sie war allerdings nicht die Einzige, die Kritik an dem Konzept äußerte, das Martina Schneider vom Münchner Büro Stadtraumplanung in der öffentlichen Sitzung vorgestellt hatte.

Barrierefreiheit: Ab 2024 ist erst der Marktplatz dran

Im September dieses Jahres ist die Einweihung der neu gestalteten Räume des Günzburger Finanzamtes geplant, auffällig verändert hat sich auch die Fassade des Schlossflügels. Den Abschluss der Bauarbeiten wollen das Staatliche Bauamt Krumbach und die Stadt, die mit dem Bürger Service Center und dem Rathaus die beiden anderen Flügel des Schlosses bewohnt, jetzt gemeinsam angehen, dabei soll nach den Ausführungen der Planerin auch der Turniergarten auf der rückwärtigen Seite des Schlosses eine Aufwertung erhalten. Außerdem ist die barrierefreie Gestaltung des Schlossplatzes Teil der Verbesserungen in der gesamten Altstadt, die im Herbst mit dem Einbau der Laufwege in der Südlichen Altstadt mit Hofgasse, Wätteplatz, Kapuzinergasse und Hechtgasse beginnen sollen. Das Bauprojekt Schlossplatz ist in den Planungen für 2021 bis 2022 vorgesehen, der Abschluss steht genau 40 Jahre nach seiner Neugestaltung ab 2024 am Marktplatz an. Lesen Sie dazu auch: Der Marktplatz wird abgesperrt

Schlossplatz: 14 Parkplätze entlang der Hofkirche fallen weg

Und so stellen sich die Planer die Neugestaltung vor: Rund um die Hofkirche soll ein großzügiger Platz entstehen, der mit großformatigen Natursteinplatten belegt wird, der Bereich entlang der Schlossfassade dagegen soll mit demselben Granit-Material wie die Laufwege in der Altstadt gepflastert werden. Die 14 Parkplätze entlang der Hofkirche sollen wegfallen, um den Blick auf das zentrale Gebäude des Platzes frei zu machen. Das hatte der Stadtrat bereits in seiner 2003 beschlossenen Entwurfsplanung für den Platz beschlossen. Auch im Innenhof des Finanzamts (er soll weiter mit einem beweglichen Poller abgesperrt sein) werden den Planungen zufolge Parkflächen reduziert werden. Dafür soll im hinteren Bereich ein neuer Sitzbereich mit einem von Wasser umspülten Stein einen Anziehungspunkt schaffen. Heckenelemente sollen sich in der Fassade des Finanzamtes spiegeln, eine Pflanzinsel mit einem stattlichen Solitärbaum an der Ecke zur Hofgasse installiert werden.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Ansonsten ist bislang wenig Bepflanzung im Schlosshof vorgesehen. Auch deshalb, weil der Schlossplatz als Veranstaltungsort für große Events genutzt werden soll – wie beispielsweise das Rogz Open am kommenden Wochenende. „Es war der Wunsch, dass der Platz ganzflächig bespielt werden kann“, so Schneider. Deshalb seien Elemente wie Sitzgelegenheiten so mobil konzipiert, dass sie bei Bedarf vom Bauhof entfernt werden können. Installiert werden sollen außerdem Fahrradbügel und eine E-Ladesäule. Bei der Beleuchtung könnten Hängeleuchten zusammen mit Bodenstrahlern in Richtung der Fassaden zum Einsatz kommen.

Turniergarten soll Rosen, Hecken und Sitzgelegenheiten bekommen

Öffnen soll sich der alte Torzugang zum Schloss vom Turniergarten aus, der bisherige schmale Durchgang zum Behördenparkplatz soll dagegen verschwinden. Auch auf der anderen Seite dieses Durchgangs, im Turniergarten, sind Veränderungen vorgesehen: Martina Schneider zeigte den Stadträten Rosen und Hecken, die entlang der Promenade hinter dem Schloss die frisch renovierte Fassade unterstreichen sollen, am mit Rampen und Treppen gestalteten Aufgang soll ein kleiner Balkon entstehen. Den Hügel hinter dem Schloss wollen die Planer sanfter gestalten und mit robusten, einfachen Sitzelementen ausstatten. Für den Schlossplatz rechnet die Stadt derzeit mit Kosten von 350000 Euro, für den Turniergarten mit 200000 Euro und für den Zugang West mit weiteren 100000 Euro. „Wir erwarten Fördermittel von bis zu 50 Prozent“, so Oberbürgermeister Gerhard Jauernig.

Trotzdem eine Menge Geld, findet GBL-Stadträtin Birgit Rembold – und das für ein Konzept, das ihr nicht wirklich zusagte. Die Freilegung der Hofkirche durch den Wegfall der Parkplätze findet sie zwar gut. Doch das großflächige Pflaster bilde keinen Kontrast zu der schlichten weißen Hofkirche. „Ich glaube nicht, dass wir durch diese Gestaltung den Schlossplatz zu einem viel besuchten Platz in Günzburg machen werden. Wir schaffen einen toten, kalt wirkenden Platz mit dieser Gestaltung.“ Auch Simone Riemenschneider-Blatter (SPD) gefällt der Plattenbelag in der vorgestellten Variante nicht. „Ich stelle mir das im Sommer sehr heiß vor.“

Stadträte kritisieren das Pflaster

Gegen die Gestaltung des Turniergartens mit Sitzplätzen hatte Birgit Rembold ebenfalls Vorbehalte. „Hinter dem Schloss hatten wir in der Vergangenheit Probleme mit Jugendlichen – bereits vorhandene Bänke sind deswegen ja schon entfernt worden. Ich denke, die neuen Elemente werden gleich beschmiert und beschädigt werden.“ Auch Ruth Abmayr (Freie Wähler) störte sich an der steril wirkenden Pflasterung. „Es tut mir weh, wenn wir dafür so viel Geld ausgeben.“ Abmayr kritisierte auch die knappe Grüngestaltung. „So wenige Pflanzen, dann auch noch nur in Grün und Weiß vor weißen Wänden – das ist mir zu gradlinig.“ Oberbürgermeister Gerhard Jauernig kündigte an, dass vor der exakten Planung des Schlossplatzes Orte mit unterschiedlicher Gestaltung angeschaut und auch Muster-Platten vor Ort ausgelegt werden sollen – damit eine passende Lösung für den Schlossplatz gefunden werden kann.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

31.07.2019

Na Hauptsache, die Fördermittel werden abgerufen und die prognostizierten Summen irgendwie verbaut...
Ob die Planung dem Stadtbild angemessen sein wird und vor allem: ob sie dem städtischen Leben neue Impulse geben kann, ist fraglich, wenn andererseits nicht viel dafür getan wird, das Leben in der Innenstadt attraktiv zu gestalten - besonders auch für die Bewohner, und nicht nur für Besucher.
Daß der Schloßplatz natürlich auch für "große Events" genutzt werden muß, wundert nicht bei dieser zunehmenden Bespaßungsmentalität - Günzburg/Innenstadt ist ohnehin auf dem besten Weg zum saisonalen Ballermann und über die Wintermonate völlig ausgestorben, weil -außer Gastronomie- nichts von Interesse und auch nichts für den täglichen Bedarf der Bewohner geboten ist.
Die erwähnten Bedenken der Damen Rembold, Riemenschneider-Blatter und Abmayr zur Platzgestaltung sollten ernstgenommen werden, und es sollte noch sehr viel weiter darüber hinaus gedacht werden, auch über die zu diesem historischen Ensemble (Schloß, Kirche, Platz) passenden architektonischen Details. Als Anregung kann ein Blick ins beliebte Reiseziel Italien empfohlen werden, um den Umgang mit dem baulichen Erbe sensibel zu gestalten, und nicht im Hauruckverfahren für Unsummen irgendetwas hinzuklatschen, das weder von den verwendeten Materialien noch von den Proportionen stimmig ist, wie beispielsweise der neue Aufgang zum Schloß. Moderne Akzente als Kontrast zu den historischen Gebäuden sind keineswegs abzulehnen, sofern sie mit Feingefühl umgesetzt werden. Daran mangelt es hier in Günzburg ganz gewaltig, wie man leider oft feststellen muß.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren