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26.03.2009

"Der Schlüssel ist sonst weg"

Ichenhausen-Autenried (ilor) - Manfred Lohr, der mit einigen Jugendlichen beim Ausbau des Jugendraums in Autenried kräftig angepackt hat, brachte es auf den Punkt: "Der Frieder ist ein Pfundskerl", sagte er, "aber die Jugendlichen brauchen a bissle Freiheit." Damit war die Situation umschrieben, die ein Jahr nach Eröffnung des Jugendraums zu einer Diskussion über die Nutzungsmöglichkeiten geführt hat.

Regelmäßig genutzt werden die Räume im Keller des Kindergartens und Sprachheilkindergartens von Jugendfeuerwehr, Ministranten und den Hochwanger Schilfgräbslern. Sie bekamen, wie bisher auch Jugendliche, die nicht zu einer dieser Gruppen gehören, den Schlüssel jeweils beim Autenrieder Feuerwehrkommandanten Friedrich Kautter, der natürlich darauf Wert legte, dass er den Schlüssel zur vereinbarten Zeit wieder zurück bekam.

Das hat offenbar nicht immer funktioniert. Der Knackpunkt aber ist, dass manche Jugendliche sich offenbar mit dieser Lösung bevormundet fühlten, sie wollten mehr Unabhängigkeit. Den Schlüssel jedes Mal zu holen und wieder zurückzubringen, war ihnen zu umständlich. In einer Art Selbsthilfeaktion wurden Schlüssel nachgemacht, Zutritt nach Belieben wurde so für einen nicht definierbaren Personenkreis möglich.

Das gefiel weder Friedrich Kautter noch der Stadt - und auch nicht den Bewohnern der Mietwohnung im selben Gebäude und den Nachbarn. Eine Nachbarin führte bei der Diskussion am Mittwochabend Klage über Jugendliche, die Alkoholflaschen über die Hecke werfen, draußen beim Rauchen auch zu nächtlicher Stunde Lärm machen, mit den Ketten der Schaukeln am Spielplatz rasseln und mit quietschenden Reifen von Autos und Mofas den Anwohnern die Nachtruhe vermiesen. "Irgendwann rufen wir die Polizei", kündigte die Nachbarin an, sie erwarte, "dass gewisse Spielregeln eingehalten werden".

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Dabei sei man nicht kleinlich. Wenn Jugendliche im Vorfeld von Partys die Nachbarn informieren und draußen nicht über die Stränge schlagen, sei das akzeptabel. Wenig akzeptabel hingegen fand Bürgermeister Hans Klement, der mit den Stadträten Hubert Schuler, Barbara Kempfle und Manuela Linder (Jugendreferentin) nach Autenried gekommen war, die Sache mit den nachgemachten Schlüsseln. "Hut ab, dass Du das jetzt sagst", lobte er einen der Jugendlichen, der die Sache mit den Schlüsseln gestanden und Einsicht gezeigt hatte.

Den Wünschen der Jugendlichen, selber einen Schlüssel zu haben, wollte sich der Bürgermeister nicht entgegenstellen, allerdings betonte er, dass die Regeln etwa bei den Öffnungszeiten und den Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden müssen. Dass die Anwesenheitsliste nicht immer ehrlich ausgefüllt wurde, "zeugt nicht gerade von großem Niveau" sagte Klement.

"Deine Kumpel müssen wissen, wie sie dich im Stich lassen oder nicht", sagte Klement schließlich zu dem Jugendlichen Tobias Schütz, der jetzt neben Friedrich Kautter einen Schlüssel bekommen soll. Der Feuerwehrkommandant soll für die Belegung des Jugendraums durch Ministranten, Jugendfeuerwehr, Schilfgräbsler und feste Öffnungszeiten verantwortlich sein. Dazu gehören auch die angemeldeten Partys und Geburtstagsfeiern.

In den dann noch freien Zeiten können Jugendliche sich den Schlüssel von Tobias Schütz holen. "Wenn's nicht funktioniert, ist der Schlüssel schnell weg", warnte Hans Klement. Manfred Lohr appellierte an die Jugendlichen, regelmäßig Aktionen im Jugendraum zu machen. Der könnte, so Lohr mit Blick auf die kahlen Wände, durchaus ein bisschen Gestaltung vertragen.

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