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Interview

19.08.2016

„Der Versuch, ein Sicherheitsgefühl zu erzeugen, das es so nicht gibt“

Die GdP in Bayern betrachtet die Pläne des Innenministers, die Sicherheitswacht stärker auszubauen, mit Skepsis.
Bild: Stefan Puchner/dpa (Symbolfoto)

Die Gewerkschaft der Polizei betrachtet Pläne des Innenministers, bis 2020 die Zahl der Sicherheitswächter zu verdoppeln, mit Skepsis. Im Interview erklärt GdP-Vize Peter Pytlik die Kritik.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit die Sicherheitswacht in Bayern stark erweitern. 780 Männer und Frauen gehen aktuell in 129 Städten und Gemeinden an neuralgischen Punkten auf Streife – bis 2020 will der Minister die Zahl verdoppeln. Die Gewerkschaft der Polizei betrachtet diese Pläne mit Skepsis, wie der aus Krumbach stammende GdP-Vize, Peter Pytlik gegenüber unserer Zeitung erklärt.

Herr Pytlik, Innenminister Joachim Herrmann will die Zahl der ehrenamtlichen Sicherheitswächter bis 2020 verdoppeln. Was halten Sie als Gewerkschafter von dieser Idee?

Pytlik: Wir sehen das mit gemischten Gefühlen. Gegen das ehrenamtliche Engagement dieser Bürger ist nichts einzuwenden. Das sind sicher gerechtigkeitsliebende Menschen. Die Bürger haben aber echte Polizisten verdient. Es darf nicht sein, dass die öffentliche Sicherheit auf ganz billige Pfeiler gestellt wird.

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Erst vor Kurzem regte die Krumbacher Polizei an, auch in Thannhausen Sicherheitswächter patrouillieren zu lassen. Ist die Sicherheitswacht nicht eine Erfindung der Polizei?

Pytlik: Die Sicherheitswacht ist eine Idee des Innenministeriums, nicht der Polizei. Es gibt Bereiche, wo der Einsatz der Sicherheitswacht durchaus Sinn macht. Etwa wenn Sicherheitswächter im Krumbacher Stadtpark Feiernde ermahnen, ihre Flaschen wieder mitzunehmen. Aber da geht es eher um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung als um öffentliche Sicherheit. Insofern müsste sie eigentlich Ordnungswacht heißen.

Der Innenminister will die Sicherheitswacht nicht als Hilfspolizei verstanden wissen, wohl aber als „verlängerter Arm“ der Polizei. Ist das nicht hilfreich?

Pytlik: Die Sicherheitswacht macht sicher keine schlechte Arbeit. Manchmal aber machen sie den Kollegen mehr Arbeit als dass sie nützen. Häufig steht die Klientel, die sie ansprechen unter Alkoholeinfluss. Die merken trotzdem sehr schnell, dass das nicht die Polizei ist. Manchmal kann sich die Situation dann so zuspitzen, dass die Sicherheitswächter selbst die Polizei rufen müssen. Wird jemand bei einer Straftat ertappt, hat nach Paragraf 127 der Strafprozessordnung jedermann das Recht ihn festzuhalten, dafür brauchen wir eigentlich keine Sicherheitswacht. Wir alle müssen mehr hinschauen, die Arbeit der Polizei kann aber auch durch den vermehrten Einsatz der Sicherheitswacht nicht entlastet werden.

Worauf zielt dann die Initiative Joachim Herrmanns?

Pytlik: Der Minister hat mit der Zusage 2000 neuer Stellen bis 2020 bei der Polizei ja schon den richtigen Weg eingeschlagen. Bis die zusätzlichen Polizisten aber ausgebildet sind, dauert es drei Jahre. Mit dem aktuellen Vorstoß jetzt will man dieses Loch kaschieren. Man versucht hier händeringend ein Sicherheitsgefühl zu erzeugen, das es so aber nicht gibt.

Interview: Stefan Reinbold

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