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Handball-Bayernliga

08.03.2020

Der VfL Günzburg verpatzt die Mega-Chance

Trainer Gábor Czakó versuchte alles, um seine Handballer (hier Frieder Bandlow) auf Kurs zu bringen. Doch alle Worte verhallten, alle Fingerzeige blieben nutzlos: Das Bayernliga-Spitzenteam verlor beim Vorletzten und verpasste damit die dicke Chance in Sachen Meisterschaft.
Bild: Ernst Mayer

Das Tor zur dritten Liga steht den Handballern sperrangelweit offen. Statt einfach durchzugehen, pflegen sie ihren Rimpar-Komplex und leisten sich zu viele Fehler.

Alles war aufs Wunderbarste vorbereitet. Einen Tag vor dem Handballspiel des VfL bei der SG DJK Rimpar II hatten sich die beiden Günzburger Kontrahenten im Kampf um den Bayernliga-Titel duelliert und das Resultat hätte aus Sicht der Weinroten gar nicht besser ausfallen können. Durch den 28:27-Heimsieg gegen HaSpo Bayreuth schaffte die TG Landshut nämlich Klarheit in zweifacher Hinsicht: Erstens konnte Günzburg mit einem Sieg in Rimpar aus der gefühlten Tabellenführung die tatsächliche Spitzenposition machen. Und zweitens konnte Günzburg mit einem Sieg in Rimpar insofern Druck von den eigenen Schultern nehmen, dass sich die Mannschaft in den dann noch verbleibenden sechs Begegnungen mindestens eine Niederlage würde leisten können. Dieses Wissen beflügelte die Jungs von Trainer Gábor Czakó auf ihrem Weg nach Unterfranken. Rückraumspieler Michael Jahn sollte in seiner Rückschau sagen: „Wir sind konzentriert und motiviert ins Spiel gegangen, wir hatten richtig Bock.“

Hinten löchrig, vorne zahnlos

Doch die Welt ist eben nicht Wille und Vorstellung, schon gar nicht im Sport. Der gastgebende Vorletzte wehrte sich mit Zähnen und Klauen, kämpfte wacker um seinen erst dritten Saisonsieg. Die Günzburger dagegen präsentierten sich im ersten Durchgang hinten löchrig und in der zweiten Halbzeit vorne zahnlos. Am Ende standen eine unerwartete 23:30 (15:16)-Niederlage und die Erkenntnis, dass das Resultat auch gerecht war.

Vom Start weg lagen die Weinroten hinten. Wieder einmal, muss beigefügt werden, denn in Rimpar hatten sie zuvor schon nie etwas gerissen. Nach zwei Minuten stand’s 2:0 für die Gastgeber und die gaben die Führung zunächst einmal nicht mehr ab. Eine Viertelstunde lang beantwortete Rimpar jeden Günzburger Treffer mit einem eigenen. Vor allem die linke Abwehrseite des VfL ließ in den ersten 30 Minuten entschieden zu viel zu. Erst Frieder Bandlow stellte beim 9:9 einen Gleichstand (18.) her. Die nächsten drei VfL-Tore erzielte ebenfalls Bandlow. Mit Siebenmeter-Toren brachte er die Gäste 11:10 und 12:11 (jeweils 23.) in Führung.

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Aber es was eben nicht der Tag der Titel-Vorentscheidung. Bereits zum Seitenwechsel liefen die Günzburger ergebnismäßig wieder hinterher. Und es blieb auch nur deshalb knapp, weil Bandlow und Buck regelmäßig getroffen und die richtig schlechte Defensivleistung etwas kaschiert hatten.

Harte Worte in der Kabine

In der Kabine gab’s für die Günzburger den verdient kräftigen Fachkommentar ihres Trainers. Es wurde auch kurzzeitig ein wenig besser. Pascal Buck warf den erneuten Ausgleich zum 17:17 (34.). Doch auch jetzt schaffte es der Favorit nicht, konsequent in den Spielstil eines Spitzenreiters einzuschwenken. Im Gegenteil. Es wurde ganz böse. Fünf Minuten lang traf überhaupt keiner mehr, zehn Minuten dauerte es, bis aus dem 17:17 ein 19:18 wurde. Jahn urteilte aus VfL-Perspektive: „Die Abwehr stand nun tatsächlich besser, aber im Angriff ging plötzlich gar nichts mehr. Vor allem hatten wir unglaublich schlechte Anspiele.“

Die Handballer spürten natürlich, dass die Sache in die entscheidende Phase einbog. Und diesmal waren es die Günzburger, die ihre Nerven nicht im Griff oder einfach nur schlechte Tagesform eingepackt hatten. Nicht einmal fünf Minuten benötigte Rimpar II, um aus dem 19:18 ein vorentscheidendes 24:19 zu basteln. Vier verschiedene Schützen warfen diese Treffer, die Günzburg den Zahn zogen. Als Czakó in der 49. Minute das Auszeit-Täfelchen zog, war das Ding bereits durch. Näher als auf vier Tore Rückstand kamen die Weinroten nicht mehr heran. Dass es am Ende fette sieben Treffer Differenz wurden, ist ihrer risikobehafteten Spielweise in der Schlussphase anzulasten und macht keinen Unterschied.

Trotzdem: Verloren ist noch gar nichts

So tief der Frust über die verpatzte Mega-Chance auch sitzen mag: Verloren ist in Sachen Titelrennen natürlich noch gar nichts. Freunde des schwarzen Humors könnte sogar anfügen, nun bliebe die Bayernliga wenigstens spannend. Doch wahr ist auch: Sollte es am Ende nicht klappen, wird der 8. März 2020 der Tag gewesen sein, an dem’s die Weinroten weggeschmissen haben.

VfL Günzburg Bieber, Rösch, Mendle; Bandlow (7/4), Pfetsch (2), M. Jahn (3), S. Jahn (1), Buck (6), Meye, Jensen (1), Krasovec, Jäger (3)

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