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Günzburg/Burgau

20.06.2017

Der versuchte Diebstahl in der Tankstelle war ganz spontan

Das Amtsgericht in Günzburg.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Ein in der Heimat mehrfach vorbestrafter Pole musste sich jetzt wegen der Tat in Burgau verantworten. Was ihm der Richter mit auf den Weg gibt.

Das deutsche Strafregister hat keine Einträge über ihn enthalten. Bei dem in seiner Heimat Polen sieht das anders aus. Wiederholt ist er unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung und Drogen zu Haftstrafen verurteilt worden. Weil er wieder straffällig wurde oder Auflagen nicht erfüllte, wurde die Bewährung in zwei Fällen widerrufen. Er kam ins Gefängnis. Nun musste sich der zur Tatzeit 26 Jahre alte Pole auch in Günzburg verantworten.

Ihm wurde vorgeworfen, am 19. Februar dieses Jahres gegen 20.30 Uhr einen Diebstahl in der Tankstelle an der Augsburger Straße in Burgau versucht zu haben. Mit einer dunklen Mütze auf dem Kopf und einem Schal um Nasen- und Mundbereich maskiert, betrat er den Verkaufsraum. Er wollte die mit einer Zahlenkombination geschützte Kasse gewaltsam öffnen, doch als die an der Kühltheke beschäftigte Kassiererin das bemerkte und „Hey“ rief, flüchtete er – ohne Geld.

Das räumte er jetzt auch so ein. Auf die Frage von Amtsgerichtsdirektor Walter Henle, warum er das gemacht hat, erklärte der Mann, er sei arbeitslos gewesen – eine Dolmetscherin musste übersetzen. Er habe kein Geld gehabt, schon gar nicht genug für eine Rückkehr nach Polen, und habe seine Wohnung räumen müssen. Er habe nichts mit sich anzufangen gewusst und sei depressiv gewesen. Zehn Tage sei er in Kaufbeuren im Bezirkskrankenhaus wegen einer Therapie gewesen, auch um von Drogen loszukommen. Ob er zur Tatzeit depressiv gewesen sei, wollte Henle wissen – schließlich stand die Frage im Raum, ob er nicht oder vermindert schuldfähig war, und ob es eine spontane Handlung war. Ja, die sei es gewesen, meinte der Angeklagte. Als er durch die Stadt ging und sah, dass die Kassiererin nicht an der Kasse und sonst keiner im Raum war, habe er sich zum Diebstahl entschlossen.

Beim nächsten Mal droht Haft - und die Abschiebung

Heute gehe es ihm aber viel besser, er habe eine deutsche Frau kennengelernt, arbeite bei einer Firma in Burgau und er wolle versuchen, sich ein eigenes Gewerbe mit dem Verkauf diverser Produkte aufzubauen. Fünf Stunden lang habe er schon Deutsch gelernt. Henle machte ihm aber deutlich, dass „die Sprache der Katalysator für die Integration“ ist und es nicht genügen werde, mit so wenigen Sprachkenntnissen ein Gewerbe erfolgreich zu führen. Der Mann bekundete jedoch den Willen, sein Leben zu ändern, das mit der Sprache sei aber nicht so leicht, da die meisten anderen Arbeiter in der Burgauer Firma ebenfalls Polen seien und er für den Sprachkurs Geld zahlen müsse. Henle sah die Gefahr, dass er mit einem solchen eigenen Gewerbe in seiner Situation erneut straffällig werden könnte. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft plädierte angesichts einer schnellen Rückfallgeschwindigkeit bei den vorherigen Taten jedenfalls auf eine achtmonatige Haftstrafe ohne Bewährung; der Angeklagte, der sich selbst vertrat, bat um eine Geldstrafe. Schließlich wolle er an sich arbeiten und eine Familie gründen.

Der Richter machte ihm deutlich, dass er sich „an unsere Regeln“ zu halten habe, wenn er in Deutschland ist, verurteilte ihn wegen versuchten Diebstahls aber nur zu einer viermonatigen Haftstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er 1000 Euro an eine Stiftung zahlen. Für ihn spreche sein Geständnis und dass die Tat beim Versuch blieb, gegen ihn seine Vorstrafen.

„Da Sie Ihrem Leben schon eine Wendung gegeben haben, gehe ich davon aus, dass die Verurteilung alleine Sie schon so beeindruckt, dass Sie keine neuen Straftaten begehen“, erklärte Henle. Sollte er jedoch wieder straffällig werden, werde die Bewährung widerrufen – und beim nächsten Delikt werde es keine mehr geben. Außerdem dürfe er dann damit rechnen, noch aus dem Gefängnis heraus in seine Heimat Polen abgeschoben zu werden.

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