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Burgau

28.07.2020

Deutsche Diskus-Hoffnung: Antonia Kinzel aus Burgau träumt von Olympia

Als wolle sie den Diskus beschwören, möglichst weit zu fliegen: Antonia Kinzel bereitet sich auf dem Sportgelände des SSV Ulm 1846 auf einen Trainingswurf vor. Ihre Bestweite hat die Burgauerin heuer auf 55,12 Meter gesteigert.
Bild: Horst Hörger

Plus Antonia Kinzel hat ihre Bestweite auf 55,12 Meter verbessert. Sie zählt schon jetzt zu den besten deutschen Diskuswerferinnen. Aber die 19-Jährige will mehr.

55,12 Meter. So weit wie an diesem Tag im Juni 2020 hatte Antonia Kinzel den Diskus noch nie geschleudert. Ihre persönliche Bestmarke stand zuvor bei 51,85 Meter. Ordentlich unter nationalen Gesichtspunkten, sehr gut für eine 19-Jährige. Seit dem großen Wurf von Baden-Baden aber hat die Burgauerin ihren Platz in der deutschen Elite gefunden.

Als Achte steht sie nun in der Teilnehmerliste für die deutschen Meisterschaften, die am 8./9. August in Braunschweig stattfinden. Es ist das erste Mal, dass die für den SSV Ulm 1846 startende Leichtathletin im Feld der Erwachsenen startet. Sie freut sich darauf. „Es ist eine Ehre, da mitzumachen“, sagt sie.

Ein bis zwei Meter mehr sollen es noch werden. Fürs Erste

Kinzel will in Braunschweig natürlich viel mehr als nur dabei sein. Zumal sie ihre neue Bestweite in den vergangenen Tagen zweimal bestätigt hat, sie zuletzt bei sehr starker Konkurrenz in Schönebeck mit 55,11 Meter nur haarscharf verfehlte. „Und der Diskus ist abgestürzt. Wäre der geflogen...“ Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. Die 55 Meter zu erreichen, war Kinzels sportliches Ziel für heuer. „Aber damit gebe ich mich jetzt nicht zufrieden.“ Ein bis zwei Meter mehr sollen es noch werden. Fürs Erste.

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Die Scheibe überhaupt so weit zu schleudern, mag bei Könnern spielerisch leicht aussehen, ist aber ein unheimlich kompliziertes Unternehmen. Diskuswerfen gilt als eine der technisch anspruchsvollsten Sportdisziplinen überhaupt. Das unterstreichen nicht nur die Steinzeit-Weltrekorde aus den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Blick auf die Bestenlisten zeigt, dass es nur in Ausnahmefällen die ganz jungen Athleten sind, die Top-Weiten erreichen. Kinzel quittiert das mit einem Achselzucken. „Bis man den Dreh raus hat, muss man einfach geduldig sein“, bestätigt sie.

Wegen Corona: Diskuswerfen auf dem Acker

Der Einsatz ist hoch für eine 19-Jährige, die natürlich auch den süßen Verlockungen des „normalen“ Lebens nachgeben möchte, und wenn es nur ausnahmsweise ist. Umso härter arbeitet Antonia Kinzel im Training. Eine Einheit dauert da schon mal drei bis vier Stunden. Sprint-, Sprung- und Koordinationsübungen stehen auf dem Programm, man macht wahnsinnig viel aus den Beinen, benötigt Kraft ohne Ende, gute Hebelverhältnisse (mit ihren 1,86 Meter ist die Burgauerin eine der Kleinen unter den Großen) – und dann muss man das alles innerhalb von Sekundenbruchteilen unter einen Hut kriegen, um sich dem perfekten Wurf anzunähern. An Kraft mangelt es der jungen Frau keineswegs. Auch die Corona-Pandemie hat ihrer Entwicklung nicht geschadet. Viele sportart-spezifische Übungen konnte Kinzel zu Hause in Burgau ausführen. Zum Werfen wich sie auf den Acker aus. Jetzt ist Kinzel dabei, an vermeintlich kleinen Dingen für ihre anstehenden Auftritte zu basteln. Wobei sie selbstkritisch bemerkt: „Bei mir ist die Technik eine sehr große Baustelle. Da bin ich ganz ehrlich. Ich werfe nur aus dem Oberkörper, müsste da mal mehr die Beine einsetzen.“

Antonia Kinzel studiert Sozialpädagogik in Mannheim und hat dort vor einem Jahr in Lutz Klemm (er trainiert unter anderem das deutsche Speerwerfer-Ass Andreas Hofmann) einen Coach gefunden, der sie als Sportlerin weiter bringt und mit dem sie gut kann. Ins Donaustadion kommt die 19-Jährige nur noch selten, aber sie trägt nach wie vor das Trikot des SSV Ulm 1846. Hier absolvierte sie auch eine zentrale Etappe auf ihrem langen Weg zu einer der besten deutschen Diskuswerferinnen. Entsprechend herzlich fällt jede Begegnung mit ihrem früheren Ulmer Trainer Michael Lischka aus, der felsenfest behauptet: „Sie ist die Beste, die ich jemals hatte.“

Entdeckt hat das Talent des damals noch sehr jungen Mädchens jedoch Ursula Schreinert. Die langjährige Leichtathletik-Trainerin des VfR Jettingen sah die damals Zwölfjährige beim Hochsprung und drückte ihr versuchshalber eine Kugel in die Hand. Dafür ist Kinzel heute noch dankbar. „Wenn ich Ursula Schreinert nicht gehabt hätte, wäre ich jetzt nicht hier“, sagt sie.

Dabei hatte sie als Kind schon so vieles ausprobiert. „Reiten war nicht mein Fall, Taekwondo auch nicht. Ich habe dann früh mit der Leichtathletik angefangen, Weitsprung, Sprint, 800 Meter gemacht – aber das lag mir alles nicht“, erinnert sich die Sportlerin.

Antonia Kinzel studiert die Technik der "Großen"

Diskuswerfen sei „am Anfang ein ganz komisches Gefühl“ gewesen, aber die Leistungssteigerung war schnell zu sehen. Auch dem Kugelstoßen blieb sie treu, unter Leistungssport-Gesichtspunkten aber liegt ihr das Diskuswerfen mehr. Hier steht sie inzwischen im Bundeskader, kann an jedem Olympia-Stützpunkt trainieren und kommt ab und zu auch ins Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Dort beobachtet sie dann die ausgefeilte Technik der etablierten Diskuswerferinnen und versucht, sich das eine oder andere Detail abzuschauen. In einer Mischung aus Ehrgeiz und Gelassenheit denkt sich Antonia Kinzel dann: „In meinem Jahrgang bin ich mit 55,12 Meter schon relativ weit vorne in Deutschland. Ja, es gibt auch welche, die haben den Dreh schneller raus als ich. Aber Diskuswerfen kann man ja länger machen als andere Disziplinen.“

In ihrem Fall heißt das, vielleicht bis 2024. Oder bis 2028. In diesen Jahren stehen jeweils Olympische Spiele auf dem Plan. Daran teilzunehmen ist das Größte für einen Sportler. Und genau davon träumt Antonia Kinzel.

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