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Landkreis Günzburg

17.11.2015

„Die Angst fährt wahrscheinlich mit“

Stilles Zeichen der Anteilnahme in Günzburg: Am Spielschiff Esperance 3 („Hoffnung“) am Lannionplatz, einer Nachbildung eines Fischkutters aus der französischen Partnerstadt Lannion, liegt symbolisch eine Rose. Für nächstes Jahr ist bereits eine Fahrt des Partnerschaftskomitees nach Lannion geplant.

Schulen und Partnerschaftsvereine in der Regionn machen jährlich Frankreich-Reisen. Wie sie mit den Anschlägen in Paris umgehen

Die Reise ist längst ausgebucht: Im Mai 2016 fährt das Partnerschaftskomitee Günzburg-Lannion in die französische Partnerstadt. Traditionell steht unterwegs auch ein Stop in Paris auf dem Programm, genauso wie bei vielen Schulen, die Partnerschaften mit französischen Einrichtungen pflegen. Reiseabsagen stehen nicht ins Haus – doch der Umgang mit den Fahrten hat sich durch die Anschläge am vergangenen Freitag verändert.

Klassenfahrt nach Paris?

Den Schulleiter des Maria-Ward Gymnasiums in Günzburg, Christian Hörtrich haben die Terroranschläge besonders getroffen, denn seine Schülerinnen fahren alle zwei Jahre (das nächste Mal im Oktober 2016) nach Bobigny – einem Pariser Vorort. Es werde diese Fahrt weiterhin geben, sagt Hörtrich. Genaueres müsse er aber erst mit den französischen Kollegen abklären.

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Rücksprache mit den Eltern

Jedes Jahr organisiert das Ringeisen-Gymnasium in Ursberg für die Zehntklässler im neusprachlichen Zweig eine einwöchige Fahrt nach Paris. Die siebten Klassen reisen im Frühjahr zum Schüleraustausch nach Colmar. Schulleiter Georg Gerhardt sieht im Augenblick keinen Anlass, diese Fahrten abzusagen. „Wir werden erst einmal abwarten und mit den Eltern Rücksprache halten“, sagt er. Im Moment seien das aber noch „ungelegte Eier“. Bedenklich sei allerdings, dass die Terroranschläge vom Freitag nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar bereits der zweite Vorfall dieser Art innerhalb eines Jahres in Paris war.

"Relativ sicher"

Am Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach sehen die Verantwortlichen ihre Schüler nicht akut gefährdet. „Ich gehe davon aus, dass mit Besançon und Sarreguemines die Ziele die wir mit unserem Austausch anstreben, relativ sicher sind“, sagt Schulleiter Norbert Rehfuß. Absolute Sicherheit könne niemand garantieren. Rehfuß hat nicht vor, den Schüleraustausch mit Frankreich oder Amerika angesichts der jüngsten Terrorakte in Frage zu stellen. Die Schule werde aber sehr sensibel und vielleicht mit größerem Verständnis als sonst reagieren, wenn sich jemand Sorgen macht und deshalb nicht an einem Austausch teilnehmen will. Einschüchtern lässt sich Rehfuß aber von den Attentätern des IS nicht. „Das ist doch Teil deren Logik.“

Die Terroristen wollen einschüchtern

Auch der Direktor des Sankt-Thomas-Gymnasiums in Wettenhausen, Albert Reile, sagt ganz deutlich: „Ich denke nicht, dass man da zurückschrecken sollte. Das wollen die Terroristen.“ Deshalb ist im kommenden Jahr – sofern sich eine passende französische Schule findet – wieder ein Austausch angedacht. Die Anschläge sind in seiner Schule am Montag großes Thema. Per Lautsprecher wurde sein Gebet (siehe Infokasten) auf dem gesamten Schulgelände verbreitet. Die Schüler und Lehrkräfte hielten inne. „Diese Anschläge treffen alle“, erklärte Reile gestern.

Respekt vor den Mitmenschen 

Ähnlich wie in Wettenhausen will auch die Hans-Maier-Realschule in Ichenhausen an ihren Plänen festhalten: In drei Wochen kommen erstmals französische Austauschschüler aus der Partnerstadt Changé. Schulleiterin Eva Gantner hat die Klassen vorbereitet: „Die Schüler sollen wissen, dass sie die französischen Kinder jetzt besonders herzlich aufnehmen sollen.“ Im nächsten Jahr werden Schüler aus Ichenhausen nach Frankreich reisen. Momentan sehe sie keinen Grund zur Sorge, sagte die Schulleiterin. Auch im Unterricht werden die Anschläge aufgegriffen: „Wir machen eine Schweigeminute“, sagt Gantner. Dabei gehe es vor allem darum, den Umgang mit den Mitmenschen zu überdenken und den Anderen mit „Respekt und mit Achtsamkeit“ zu begegnen. Die meisten Schüler im Landkreis hielten bei der europaweiten Schweigeminute inne: So wie in der Markgrafen-Realschule in Burgau und im Dossenberger Gymnasium in Günzburg. Schulleiterin Eva Gantner appelliere an die Ichenhauser Schüler, sich zu melden, falls sie über die Ereignisse reden möchten. Das taten einige. Sogar in sechsten und fünften Jahrgangsstufen hätten sich die Schüler für das Thema interessiert.

"Die Angst fährt wahrscheinlich mit"

Lydia Wagner, Vorsitzende des Günzburger Partnerschaftskomitees, hat die Nacht zum Samstag seit den hörbaren Explosionen während des Länderspiels Frankreich-Deutschland vor dem Fernseher und den Bildern aus Paris verbracht – in Gedanken bei den Freunden in Lannion, aber auch bei der Komiteefahrt im nächsten Jahr. „Die Angst fährt wahrscheinlich mit“, sagt sie. Doch die Reise mit dem Zwischenstopp in Paris steht für sie nicht infrage. Nur: „Momentan würde ich wahrscheinlich nicht nach Paris fahren wollen.“ Unklar ist , ob die Günzburger wie geplant die französische Nationalversammlung besuchen werden. „Aufgrund der für die kommenden Monate dort angesagten Sicherheitsvorschriften könnte dieser Punkt ausfallen.“

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