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Kommentar

01.10.2016

Die Burgauer Außenwirkung muss besser sein

Gewerbe- und Industrieflächen in Burgau aus dem Flugzeug betrachtet.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Die Firma Robatherm wandert fast komplett nach Jettingen-Scheppach ab. Das ist bitter für Burgau. Dort muss sich unbedingt etwas tun.

Wer sich gar nicht mal so alte Luftaufnahmen von Jettingen und Scheppach ansieht, erkennt, wie stark sich die zusammengewachsene Gemeinde in den vergangenen Jahren verändert hat. Aus den Bauerndörfern ist ein bedeutender Gewerbestandort geworden. Namhafte Unternehmen, nicht nur aus der Region, haben sich angesiedelt und vergrößert – und wollen weiter dort investieren. Deshalb benötigt der Markt dringend mehr Platz. Den Kämmerer kann’s freuen, und die Beschäftigten natürlich auch. Bauern und Naturschützer hingegen sind mit dieser Entwicklung gar nicht einverstanden, schließlich ist der Flächenverbrauch immens. Aber auch Nachbar Burgau sollte die Expansion mit Sorge betrachten.

Nicht nur, dass heimische Unternehmen auf der anderen Seite der Autobahn viel Geld investieren. Es besteht zudem die Gefahr, dass manche ganz nach Jettingen-Scheppach oder andere Orte abwandern, weil es in Burgau zu wenige adäquate Flächen gibt – und anderswo womöglich die Wirtschaftspolitik besser sein könnte. Mit Robatherm wird ein bedeutender Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler jedenfalls seinen Sitz (und viele Jobs) verlegen. Letztlich gibt es verschiedene Sichtweisen, was die Intensität der Bemühungen Burgaus um die Betriebe angeht. Die einen – wie Robatherm – sind äußerst unzufrieden, manche würden sich mehr Engagement wünschen, und wieder andere sind voll des Lobes. Fakt ist aber, dass der Auftritt nach außen besser werden muss.

Manche Fehler dürfen passieren - diese aber nicht

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Während etwa auf der Homepage Jettingen-Scheppachs schon auf der Startseite ein Link zu Informationen für Ansiedlungswillige zu finden ist, gibt es im Burgauer Internetauftritt keine. Dort ist unter der Rubrik Baugebiet nur zu lesen: „Derzeit stehen keine Bauplätze/Grundstücke zur Veräußerung zur Verfügung“ – was selbst den Burgauer Bürgermeister überrascht, als unsere Zeitung ihn darauf aufmerksam macht. Schließlich hat die Stadt durchaus Flächen zu vermarkten. Und auch in anderer Hinsicht sollte an der Außendarstellung gearbeitet werden, schließlich wird sich eine Firma die Standortentscheidung zweimal überlegen, wenn sie sich nicht sicher sein kann, ob sie korrekt behandelt wird.

Ein Beispiel: Während einer Stadtratssitzung im vergangenen Jahr konnte das Burgauer Gremium wegen eines fehlenden Lärmgutachtens nicht über einen geplanten Lagerplatz entscheiden. Obwohl der Stadtbaumeister Bürgermeister Konrad Barm wiederholt darauf hingewiesen hatte, dass dieses Thema aus diesem Grund vertagt werden müsse, wollte dieser trotzdem wiederholt abstimmen lassen. Schließlich stimmte er zu, auf das Gutachten zu warten. Es ist nicht der einzige Lapsus dieser Art. Keine Frage, Fehler passieren, aber manche dürfen es nicht – so wie bei den verlorenen Abwassergebühren-Millionen, was ja auch weit mehr ist als ein bloßer Fehler. Bis heute ist nicht abschließend aufgearbeitet worden, wie das passieren konnte, und letztlich scheint es auch niemanden zu interessieren. Die Außenwirkung solcher Fälle ist aber nicht zu unterschätzen.

Es ist sicherlich gut und richtig, dass Burgau nicht allein auf große Firmen setzt, um sich nicht völlig abhängig zu machen von einem einzigen Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. Aber nur auf kleine zu bauen, kann auch keine Lösung sein. Ebenso sind interkommunale Gewerbegebiete zwar eine gute Sache – mehr Zusammenarbeit ist grundsätzlich wünschenswert, doch der eigene Standort muss auch entwickelt werden. Die Balance muss eben stimmen. Daran muss in Burgau gearbeitet werden.

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