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Premiere

03.11.2014

Die Dramen der Hildegard Knef

Das Neue Theater zeigte ein Selbstgespräch Hildegard Knefs mit sich selbst. Auf der Bühne: Dörte Trauzeddel (links) als junge und Marion Wessely als alte Knef.
Bild: Gah

Das Neue Theater Burgau zeigt das Stück „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Die Zuschauer sehen ein lohnendes Stück über die Diva und das, was sie am Leben gehalten hat

In einem Lied von Hildegard Knef heißt es: „Was kann es denn Schöneres geben, als mit sich selbst zu leben?“ Daran hielt sich der Autor James Edward Lyons und schrieb im Jahr 2002 ein Stück, das das Leben der Knef als Selbstgespräch zeigt. Dieses Stück namens „Für mich soll´s rote Rosen regnen“ feierte am neuen Theater Burgau Premiere. Darin trifft die alte Knef (Marion Wessely) auf die junge Hilde (Dörte Trauzeddel).

Die alte Knef sitzt oft an der Schreibmaschine und verfasst ihren autobiografischen Roman „Der geschenkte Gaul“, auf den sich das Stück stützt. Immer wieder steht sie aber auch auf, um ihr junges Pendant vor den Risiken ihrer Unternehmungen zu warnen. Zum Beispiel, als sie 1947 den Amerikaner Kurt Hirsch heiratet und ihm in die Staaten folgt. „Du verlierst deinen Beruf und deine Staatsbürgerschaft!“ sagt die alte Knef. Aber die junge Hilde möchte dem tristen Nachkriegsalltag in Deutschland entfliehen und bekräftigt ihren Entschluss mit dem Lied „Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“. Die alte Knef kontert mit „Von nun an ging´s bergab“, fühlt sich aber durch den Disput an ihre Kindheit erinnert. Sie erzählt: „Mein Stiefvater war Schuhmacher. Alle Stullen schmeckten nach Leder.“

Doch in der jungen Hilde findet die alte Knef nicht nur Entsetzliches, sondern auch, was sie all die Jahre am Leben gehalten hat: den unbedingten Willen, den Moment zu genießen und das Glück immer neu zu packen. Dieser Wille kommt besonders in den letzten Liedern des Abends, „Für mich soll´s rote Rosen regnen“ und „Eins und eins, das macht zwei“, zur Geltung.

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Das Stück erzählt nicht nur den Konflikt der Knef mit sich selbst, sondern auch die Dramen ihres Lebens. So geht es um das Verhältnis zu Tochter Christina Antonia, das nie innig war: „Der Kaiserschnitt hat uns beide belastet“, schreibt Hildegard Knef. In einer Szene verwandelt sich Dörte Trauzeddel ins aufgeweckte Kind, das der Mama Löcher in den Bauch fragt. Marion Wessely als Knef beantwortet zwar die Fragen, bleibt aber dabei immer kalt, ohne emotionale Hinwendung.

Das zweite Drama ist die zweigeteilte Karriere. In den USA wurde die Knef gefeiert für ihre Auftritte in Musicals und Fernsehshows, in Deutschland wurde sie über viele Jahre verschmäht. „Eine nationale Schande“ schrieb die Presse über den Film „Die Sünderin“ (1950). Dramatisch war auch das Verhältnis der Knef zum Geld. Um das darzustellen, verwandelt sich Dörte Trauzeddel in die Manager, die meist aus den USA kommen und das meiste Geld anstelle von Knef einstreichen.

Der Schlussapplaus ist zu recht donnernd und lang anhaltend. Nicht nur die Schauspielerinnen werden bejubelt, sondern auch die musikalische Leiterin Leisa Baumann. Sie begleitete nicht nur die Schauspielerinnen bei den Liedern, sie untermalte auch mit Klängen die verschiedenen Erlebnisse der Knef, zum Beispiel die Bombenangriffe auf Berlin. Neben den Akteurinnen auf der Bühne durfte auch Regisseurin Vera Hupfauer die stehenden Ovationen entgegennehmen.

Die nächsten Aufführungen sind am 8., 14., 20., 22., 28. und 29. November sowie am 4. und 13. Dezember, jeweils um 20 Uhr.

Karten gibt es unter der Telefonnummer 0172/4722204 oder auch im Internet unter der Adresse www.neues-theater-burgau.de

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