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Schulen

12.07.2018

Die Hotpants müssen nicht im Schrank bleiben

Zu knappe Hotpants oder zu kurze Röcke? In den Schulen im Kreis Günzburg gibt es offensichtlich keine Probleme.

Wann ist die Kleidung im Unterricht unangemessen? Wie die Lage im Landkreis Günzburg ist und welche Faustformel es bei der Kleiderlänge gibt

Die Haut schimmert braun gebrannt und die kurzen Kleider werden an den heißen Sommertagen gerne aus dem Schrank geholt. Doch wie viel Haut darf es sein? In den Schulen sorgt dies immer wieder für Diskussionen. Zuletzt in einer Mittelschule in Osterhofen/Niederbayern. Dort kommen sackartige geschnittene XXXL-Sitten-Shirts zum Einsatz, wenn die Röcke zu kurz oder die T-Shirts zu weit ausgeschnitten sind. Wie ist die Lage in Schulen im Landkreis?

„In den letzten Jahren ist mir als Schulamtsdirektor noch nie zu Ohren gekommen, dass es Probleme mit zu kurzer Kleidung an den Schulen gab oder dass ein Rektor mit einem Sitten-Shirt eingreifen musste“, sagt Josef Seibold, Schulamtsdirektor im Landkreis. Bei den Schulkonferenzen der Mittelschulen sei die Sommerkleidung der Jugendlichen noch nie ein Thema gewesen. „Auch mir selbst ist bei Schulbesuchen nie aufgefallen, dass ein Kleidungsstück so kurz war, dass es unangemessen war“, sagt er. Was ist im Landkreis erlaubt? Dürfen Hotpants getragen werden? „Ja“, sagt Seibold. „Es gibt an den bayerischen Schulen keine Kleiderordnung und ich kenne auch keine Schulordnung im Landkreis Günzburg, die vorschreibt, was Mädchen ab einem gewissen Alter in der Schule anziehen dürfen. Bis auf eine Ausnahme“, erklärt er. Denn mit dem, was ein Kind im Unterricht trage, müsse, so Seibold, immer der Schulfrieden gewahrt bleiben. „In den weiterführenden Schulen werden die Kinder aber gerade auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet und dort müssen sie auch angemessen gekleidet sein.“

Bei der Wahrung des Schulfriedens und der Kleiderauswahl der Jugendlichen seien, so Seibold, auch immer die Eltern in der Verantwortung. „Die Eltern sehen doch, wie ihr Kind am Morgen in die Schule geht und wenn der Rock einmal zu kurz ist, dann dürfen sie ihre Tochter in dem Aufzug eben nicht in die Schule schicken“, sagt er. Aber ein Sitten-Oberteil für zu viel nackte Haut gäbe es an den Mittelschulen im Landkreis vorerst nicht, berichtet Seibold. „Ich denke, dass die Schülerinnen und Schüler so viel Vertrauen in ihre Klassenleitung haben, dass bei unangemessener Kleidung ein schlichter Hinweis oder ein Telefonat bei den Eltern ausreicht.“

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In der Dominikus-Zimmermann-Realschule in Günzburg ist die Situation in Sachen Kleidung entspannt. „Ich bin nun seit sieben Jahren Schulleiterin und ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Schüler mit zu kurzer Kleidung in den Unterricht kam“, sagt Rektorin Roswitha Schön. Sie fügt schmunzelnd hinzu: „Na ja, zu kurze Kleidung bei Jungs ist auch eher selten der Fall, aber Spaß bei Seite“, sagt sie. „Seit diesem Jahr sind wir ja keine reine Jungenschule mehr.“ Insgesamt 14 Mädchen würden derzeit die Realschule besuchen. Zwölf davon seien laut Schön in den unteren Stufen und zwei in den oberen Klassen. „Und bis jetzt gab es auch bei den Mädchen keine Beanstandungen, dass sie nicht ordentlich angezogen waren.“ Natürlich sei „eine kurze Hose nicht gleich eine kurze Hose, aber was spricht dagegen, wenn die Oberschenkel zu sehen sind?“ Wenn die Kleidung dann doch einmal zu kurz für den Schulunterricht sei, würde ein schlichter Hinweis ausreichen, „dass man sich in Zukunft anders anzieht.“

Anstelle der XXL-Shirts sieht man an der Realschule in Günzburg vereinzelt Schüler und Lehrer in Schulkleidung herumlaufen. „Unsere Schule hat eine eigene Jacke für Schüler oder Lehrer anfertigen lassen. Weder Schüler noch Lehrer sind in der Pflicht, sich diese Jacke zu kaufen aber als Schulleitung ist es doch schön, hin und wieder jemanden in der Schuljacke auf dem Schulhof laufen zu sehen.“

Auch am Simpert-Kraemer- Gymnasium in Krumbach sei das Sitten-Shirt nicht angedacht. „Zu kurze Kleidung kenne ich eigentlich nur von den amerikanischen Schulen“, sagt Direktor Norbert Rehfuß. „Seit zehn Jahren bin ich nun Schulleiter. In dieser Zeit bin ich einmal von einem Schüler und nicht einmal von einem Lehrer angesprochen worden, dass die Kleidung einer Mitschülerin zu kurz sei“, berichtet er. Doch was ist am Gymnasium in Krumbach zu kurz? „Ich sage immer, die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wenn allerdings für die Fantasie des Betrachters nichts mehr übrig bleibt, dann ist die Kleidung nicht mehr ordnungsgemäß.“ Man könne sich, so Rehfuß, an eine Faustformel halten: „Richtig angezogen bin ich, wenn zwischen der Länge des Rocksaums und dem Ende des Knies eine Handbreite passt. Wenn man über die Handbreite zum Diskutieren anfängt, dann ist der Rock zu kurz“, erklärt er. „Ich denke die Formel lässt den jungen Mädchen ihren Freiraum und führt zu keinen Beanstandungen bei den älteren Herrschaften.“

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