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Ausstellung

27.11.2014

Die Kunst steckt im Detail

Zufrieden ist der Holzbildhauer Hermann Bigelmayr mit seinen Arbeiten nicht so schnell. Es kommt vor, dass er noch kurz vor Ausstellungsbeginn Hand an ein Exponat legt.
Bild: Peter Michael Lupp

Der Freihalder Holzbildhauer Hermann Bigelmayr stellt ab kommender Woche im Kunstmuseum Oberfahlheim aus

„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Der Duden übersetzt es mit: „Jeder Erfolg hat seine Grenzen.“ Dies ist die feste Überzeugung von Hermann Bigelmayr. Der aus Freihalden stammende Diplom-Bildhauer lotet mit seinen Arbeiten aus Holz – bevorzugt Eiche und Ahorn – „die Grenzen des Wachstums“ aus. Unter diesem Titel stellt der 56-jährige Künstler ab der kommenden Woche eine Auswahl seiner Werke – modellierte Gras- und Getreidehalme, Weizen-Korn-Skulpturen, Spreu-Plastiken – im Museum für bildende Kunst des Landkreises Neu-Ulm in Nersingen-Oberfahlheim aus. Die Vernissage findet am Mittwoch, 3. Dezember, um 19 Uhr statt.

Zahlreiche Exponate hat Hermann Bigelmayr in den vergangenen Monaten extra für seine erste große Einzelausstellung im Raum Neu-Ulm/Ulm angefertigt. Darunter ist auch eine Adaption der bekannten Weizenkornlegende. Der zufolge schenkte ein Höfling einst seinem König ein kunstvolles Schachbrett und erbat als Lohn dafür ein einziges Weizenkorn für das erste Feld und für jedes folgende Feld die doppelte Kornzahl wie für das vorhergehende. Das entspricht einer exponentiellen Zunahme mit einer Wachstumsrate von 100 Prozent. Auf das zehnte Feld entfallen danach zwar erst 512 Körner, aber auf das 21. über eine Million und auf das 64. und letzte Feld 18,45 Trillionen – so viele Getreidekörner, wie es auf der ganzen Erde nicht gibt.

Hermann Bigelmayr hält mit seiner Kunst dem neuzeitlichen Dogma des ständigen, unaufhörlichen Wachstums den Spiegel vor und entlarvt es als trügerischen Irrglauben. Mal überdimensional, wuchtig und scheinbar unzerstörbar, mal klein, grazil und zerbrechlich, aber immer spektakulär kommen Bigelmayrs Plastiken daher. Schon beim bloßen Betrachten vermittelt sich die handwerkliche und künstlerische Meisterschaft ihres Schöpfers.

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Als 15-Jähriger verließ Hermann Bigelmayr sein Elternhaus in Freihalden und zog nach Oberammergau, wo er die Berufsfachschule für Holzbildhauer besuchte. Sein großes Talent öffnete ihm den Weg zum Kunststudium. An der Kunstakademie in München studierte Bigelmayr Bildhauerei und avancierte zum Meisterschüler bei Professor Hans Ladner. Nach wie vor wohnhaft in der bayerischen Landeshauptstadt, hat er sein Atelier seit 24 Jahren in seinem Heimatort Freihalden. 1990 baute er dort einen dem Verfall nahen Bauernhof, aus dem seine Mutter stammte, zum Künstleranwesen um.

Akribisch, detailversessen und perfektionistisch wie Bigelmayr war auch Tomitaro Nachi. Dem Werk des im Jahr 2007 kurz vor seinem 83. Geburtstag verstorbenen japanischen Künstlers, der 1961 an die Hochschule für Gestaltung nach Ulm kam und bis zu seinem Tod in der Donaustadt blieb, ist diesmal die Kabinettausstellung gewidmet. Unter dem Titel „Nachi“ wird eine kleine Retrospektive des großen Lichtkinetikers gezeigt, der nicht nur viele Werke als Kunst am Bau in der Region hinterließ, sondern in seiner Vita auch Teilnahmen an der Biennale in Venedig (1970 und 72) an der Kasseler docu-menta (1977) stehen hat. (zg)

sind vom 3. Dezember bis 1. Februar 2015 im Museum für bildende Kunst in Nersingen-Oberfahlheim, Alte Landstraße 1a, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Das Museum des Landkreises Neu-Ulm ist jeweils am Dienstag von 16 bis 20 Uhr und Samstag/Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen auf Anfrage unter Telefon 0731/7040-118.

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